Stuttgart – Hyeres (Juni 2019)

Die Radtouren mit meinem Sohn Luca waren toll. Der erste Alpencross, dann die Tour durch Frankreich. Leider hatte er dann mit 16 keine Lust mehr auf Touren mit mir. Gut, dass es Nick gibt. Mit ihm hatte ich vor 30 Jahren Sport studiert und „etwas angerostet“ hat er sich auf das Abenteuer Alpencross eingelassen. Das war letztes Jahr und die Tour und die Erfahrungen und Erlebnisse stehen etwas weiter unten im Blog. Spaß hat es uns beiden gemacht.

Und weil ich gerne quatsche hab ich dem Nick dann noch ein Rennrad „anmoderiert“ und von den Vorzügen in Sachen direkter Vortrieb und hohe Geschwindigkeit geschwärmt. Offenbar so gut, dass er einige Wochen später ein Cube Agree mit Di2 hatte. Und weil die Tour letztes Jahr auch mit uns gut geklappt hat, konnte ich gleich weitermoderieren und die Vorzüge einer Rennradtour von Stuttgart bis nach Hyeres ausführlich beschreiben. Natürlich mit einigen Pässen der Tour de France, 16 Tage ab Stuttgart über kleine Nebenstraßen durch Frankreich.

Die Vorbereitungen haben wie immer schon Spaß gemacht. Das Austüfteln der Route in Verbindung mit schönen und charmanten Unterkünften. Die Vorstellung von Passstraßen in den Alpen oder die Vorfreude auf unbekanntes Hinterland. Das „in Form bringen“, das Einkaufen von Sachen, die noch gefehlt haben und so weiter.

Vorbereitungen!

Sidi Wire im Angebot für 99€ mussten sein!
Trainingsrunden im Schwarzwald …
und gelegentlich ein Bier nach getaner Arbeit

Gepäck!

Weglassen, weglassen, weglassen. Das hat geklappt (so gut, dass ich Bedenken vor meiner eigenen Courage hatte). Aus der Erfahrung der letzten Touren weiß ich schon was man braucht und was eher nicht. Dazu kommt, dass man bei einer Rennradtour ein paar Sachen nicht benötigt (Dämpferpumpe) und andere Teile einfach leichter sind (Schläuche). Am Ende hatte ich knapp unter fünf Kilo inkl. dem Gewicht vom Rucksack auf dem Rücken. Es gab eine lange Hose, ein T-Shirt, ein Hemd. 2 Sätze Radklamotten, 2x Socken, 1x Unterhose und ein mal eine Badehose, die zur Not auch als Shorts herhalten konnte. Dann noch etwas Luxus und ein paar wirklich wichtige Sachen, die ich erst nicht mitnehmen wollte. Ich war dann aber doch sehr froh, sie dabei zu haben.

Die Windjacke (+150gr), statt nur der Regenjacke. Beste Entscheidung, weil ich das Ding oft anhatte.

Die Badehose (Shorts) statt zweiter Unterhose. Hatte ich viel an, vor allem im Süden.

Sitzcreme und Wundcreme: Dachte, dass ich die nicht mehr brauche, weil ich so viel gefahren bin. Wäre aber ein böser Fehler gewesen! Der Hintern von beiden Schwaben freute sich ab dem zweiten Tag über die Zuwendung durch Sitzcreme am Morgen und Wundcreme am Abend!

Die Route:

Die Abfahrt sollte ab Stuttgart sein. Dann über Karlsruhe und über die Grenze nach Wissembourg. Von dort so etwa 100 km weiter nach Osten und dann nach Süden über Besancon, den Ain entlang in Richtung Grenoble. Dort ein Pausentag gefolgt von den Alpen mit ein paar Pässen, die auch bei der Tour de France gefahren werden. Der Galibier als Höhepunkt und von dort weiter in Richtung Provence, nach Süden bis Hyeres. Nachfolgend die geplante Route mit Tagesetappen, Höhenmetern und Kilometern, die wir auch weitestgehend eingehalten haben.

Gesamt Fahrtage: 13 – ca. 101km/Tag, bei ca. 1420 Hm/Tag

Tag 1: Von Stuttgart nach Wissembourg 137km, 1048 Höhenmeter

Das Wetter wurde langsam gut. Der Mai und auch der Anfang des Junis waren noch eher kalt und durchwachsen. Wir waren aber guter Hoffnung, dass der Sommer 2019 ähnlich wie 2018 wird. Und so war es auch. Pünktlich zu unserem Start war der Sommer da. Mit Rückenwind und ohne Gepäck ging es morgens in Stuttgart los in Richtung Westen.

Die Profis bei den letzten Vorbereitungen
Konzentriertes Starten von Wahoo, Strava und Komoot. So konzentriert waren wir damals weder in der Schule noch im Studium!
Der Start der Tour!

Der erste Teil der Strecke war bekannt. Von Stuttgart über Leonberg nach Weil der Stadt und durch das schöne Würmtal nach Pforzheim. Ab dort wurde Komoot gefolgt. Das hat übrigens auf der gesamten Strecke ziemlich gut funktioniert.

Gepäck hatten wir heute noch nicht dabei. Das haben unsere Frauen mitgenommen, die abends noch mit Freunden kamen, um unsere erste Etappe entsprechend zu würdigen.

Unerwartetes Hindernis, dass uns nochmal gut 20km mehr am ersten Tag beschert hat.
Schon in Frankreich, kurz vor Wissembourg und eine von zwei Regenetappen.

Tag 2: Von Wissembourg zum Chateau D‘ Altville 117km, 1305 Höhenmeter

Ein gemeinsames Frühstück und dann Abschied von den Freunden und Partnern. Jetzt wird es ernst. Zumal der Himmel noch bedeckt war und recht kühl. Aber erstmal ging es prima bergauf und das wärmt ja auch ein wenig.

Durch Wissembourg …
… mit kleinen Hindernissen.
Die Vogesen: was das Wetter machen will, war uns auch noch nicht so richtig klar.

Das Wetter blieb kühl, wir hatten dann gehalten und Arm- und Beinlinge übergezogen, die Windjacke an. So ging es ganz gut, leider hat der Wind noch ziemlich geblasen und war den ganzen Tag gegen uns.

Am Nachmittag hat die Sonne sich dann durch die Wolken gekämpft. Es wurde wärmer, freundlicher. Bis auf den Wind, der den Schnitt weiter deutlich nach unten korrigiert hat.

Unser Ziel war an diesem Tag das Chateau D‘ Altville. Das ist wunderschön, liegt irgendwo im Nirgendwo ca. 50km vor Nancy. Als wir dann abends ankamen, hatten wir einigermaßen die Nase voll. Das Chateau hat uns dann aber doch ziemlich umgehauen. Tolles Gebäude und vor allem wartete ein super Zimmer auf uns, ein gekühlter Wein und abends gab es ein Essen nach französischer Landadelsart.

Irgendwo unterwegs
Ankunft am Chateau
Geiles Zimmer
gekühlte Getränke!

Abendessen am großen Tisch in herrschaftlichem Ambiente.

Tag 3: Vom Chateau D‘ Altville zur Villa Moncoeur, 108 km, 1330 Höhenmeter

Ruhig ists hier am Chateau, die Sonne scheint. Draußen ist es grün von Wiesen und Blumen und Bäumen und Natur. Viel mehr gibt es hier auch nicht.

Wir starten nach einem vernünftigen Frühstück. Die Gegend beindruckt und so langsam komme ich auch in den „Reiseflow“. Tolle Natur denke ich, trete vor mich hin. „Die armen Schweine im Büro“, denke ich. Die können hier nicht so schön rumfahren. Und während die Sonne scheint und der Wind um meine Nase pfeift, spüre ich den besonderen Moment. So etwas wie eins sein mit der Natur, mit sich selber. Schön, denke ich. Beseelt bin ich. Die armen Schweine im Büro denke ich nochmal und freue mich, dass ich Urlaub habe.

Auf der anderen Seite, wenn ich jetzt nicht Urlaub hätte? Berufsradfahrer wäre zum Beispiel und würde so wie heute jeden Tag Rad fahren – so wie die anderen ins Büro gehen. Wäre es dann jeden Tag so wie heute, so besonders? DAS GLÜCK IST IMMER FLÜCHTIG! denke ich und das war die Erkenntnis des Tages. Und ganz nebenbei lässt sich der Satz auch beruflich prima und beeindruckend bei Kundenpräsentationen einsetzen. Denn bei den Filmen, die wir uns ausdenken und produzieren ist es nicht viel anders. Das ist aber ein anderes Thema.

So langsam wird es Mittag. Die Natur ist immer noch schön. Langsam dürfte aber mal ein Ort kommen. Die gibt es zwar immer wieder aber doch in größerem Abstand als bei uns und vor allem: da ist nichts los! Keine Menschen, keine Läden, keine Kneipen. Und wann kommt jetzt bitte ein Café oder eine Kneipe, wo wir mal Pause machen können?

Dafür ist am Abend unsere Unterkunft wieder der Knaller. Ein Stück über Remiremont liegt die Villa Monceur. Scheinbar hatte hier schon Greta Garbo genächtigt und damit sollte die Hütte auch für uns gut passen. Die Villa war dann schon der Knaller. Das Zimmer hat uns nicht umgehauen aber der Pool, das 4 gängige Menü am Abend und ein paar Gläser Wein haben das gut gerichtet. Dazu war der Gastgeber nett, hilfreich, selber Rennradfahrer und konnte uns auch mit einer vernünftigen Pumpe aushelfen.

Tag 4: Von Reimiremont nach Fretigney. 93 km, 955 Höhenmeter

Ein geiler Tag. Sonne scheint. Natur super. Kein Kater vom üppigen Mal und den passenden Getränken am Abend. Dazu Rückenwind. Dazu kam, dass die Etappe nicht allzu lang war und auch nicht viele Höhenmeter hatte. Entspanntes Reisen durch das französische Hinterland.

Geblieben ist die Erkenntnis, dass Frankreich deutlich größer ist als Deutschland und dabei weniger Einwohner hat. Bei uns ca. 232 Einwohner auf den Quadratkilometer, in Frankreich sind es grad mal 103. Das führt also immer wieder dazu, dass wir beim Radfahren folgendes sehen: Wiese, Kühe, Bäume, Hügel. Eine Kurve. Danach wieder Wiese, Kühe, Bäume. Ansonsten wenig Veränderung über den Tag. Und was wirklich nervt: Keine Kneipen, keine Läden. Und wenn man nach 3-4 Stunden mal was trinken will. Nix. Kühe, Wiesen, Bäume. Die kann man aber nicht trinken. Und einen Umweg von 10km zum nächsten größeren Ort macht man leicht mit dem Auto aber nicht mit dem Rad. Also strampeln wir weiter und irgendwann kommt dann auch mal was. Kann halt sein, dass dauert fünf Stunden. Dafür sind die Straßen ruhig und es hat wenig Verkehr.

Immer wieder schöne Gegenden und völlig ruhige Straßen mit wenig Verkehr
Die nächste tolle Unterkunft – alles Bio, Viehzeug, Hängematte und gutes Essen.
und wie auf Bestellung macht der Kollege noch die Poser-Pose. Ist übrigens real und wirklich mit dem iPhone geknipst.

Tag 5: Von Fretigney nach Clairvaux les Lac. 131 km, 1.644 Höhenmeter

Nach dem ruhigeren Tag die längste geplante Etappe der Tour und auch schon ein paar Höhenmeter. An Besançon sind wir schon deutlich vorbei. So langsam sollte der Ain in Sicht kommen und wir nähern uns dem Gebiet des Jura.

Auf kleinen Straßen durchs Hinterland
und Zeit den großen Käfer zu bestaunen gabs auch noch.

Gegen Mittag erreichen wir Arbois. Eine bezaubernde Stadt, die vor allem vom Weinbau lebt.

Arbois, ein hübsches Städtchen im Jura

Wir haben auch reichlich Hunger. Unterwegs gab es wieder keine Möglichkeiten etwas zu Essen oder Pause zu machen. So ganz langsam reicht es mit dem ruhigen Hinterland. Entsprechend groß ist dann auch die Erwartung an das Mittagessen. In gewohnter Weise moderiere ich den Nick zu einem typisch französischen Mittagessen. Die „Plat du Jour“. Ein Mittagsmenü sollte es sein. Schließlich sind wir weit gereist. Eine tolle Kneipe finden wir nach etwas Sucherei. Leider bekommen wir da keinen Platz mehr aber eine Querstraße weiter ist ein kleines Bistro und die haben: Ein „Plate du Jour“.
Ich weiß nicht, was der Koch gelernt hat! Vielleicht Maurer? Ich weiß auch nicht. Das Essen war für Frankreich eine SCHANDE!!!

Das mieseste Essen, dass ich je in Frankreich gegessen habe! Kalte Nudeln mit Käse. Fettwurst mit Majo. Wir hatten aber so einen Hunger!

Also irgendwie haben wir das Essen reingetrieben und nach dem ersten Biss kam die Überlegung, dass die Majo – wenn sie ähnlich liebevoll gelagert wurde wie die Zubereitung des Essens war – naja, vielleicht, dass es nicht so gesund wäre, das zu essen. Also abgekratzt, den Rest reingewürgt und schwer enttäuscht den Ort verlassen.

Der nachfolgende Pass hat mir dann zu denken gegeben. Wenn die Majo jetzt verdorben war, werde ich krank. Man hat auf dem Rennrad Zeit für solche Gedanken und auch das ständige Rotieren der Beine führt mitunter zu sich kreienden Gedanken im Kopf. War ein blödes Gefühl, ist aber nichts passiert.

Nicht schön aber zweckmäßig. Geld holen, einen Laden gabs dort auch.

Recht platt sind wir dann am Ziel angekommen. Ein einfaches Hotel am See. Nichts Besonderes, winzige Zimmer aber viele Alternativen gab es auch nicht. Immerhin bin ich mal ins Wasser gesprungen, die Badehose sollte ja nicht umsonst durch Frankreich kutschiert werden.

Tag 6: Von Clairvaux nach Champagne en Valromey. 111 km, 1.620 Höhenmeter

Heute nervt der Gegenwind aber wir kommen wieder durch schöne Landschaft. So ganz langsam kann man die Berge erahnen und die ersten Schilder weisen in Richtung Genf und Grenoble.

Das Frühstück im Hotel haben wir ausfallen lassen, weil wir früh starten wollten. Im Ort finden wir einen Bäcker und dazu eine Bar.

Clairvaux les Lac am frühen Morgen

Dann geht es wieder auf die Straße und wir tun, was wir schon die letzten Tage gemacht haben. Treten, schauen, treten. Die Etappe hatte uns ein Freund empfohlen. Der war aber mit dem Auto in der Gegend unterwegs und wir reisen natürlich langsamer. Die Route, die am Ain entlangführen soll, zeigt uns den Fluss nur gelegentlich. Dafür sehen wir einige Gedenkstätten aus den Weltkriegen.

Baden soll man im Fluss übrigens nicht. Irgendwelche Staustufen, die zu plötzlichen Flutwellen führen. So richtig ist uns danach auch nicht, weil die Sonne sich etwas hinter den Wolken versteckt. Erst am Nachmittag kommt die Sonne raus.

Nach dem Mittag verziehen sich die Wolken und es wird heiß. Kleine Straßen durch Blumenfelder. Ein paar Kühe liegen fast pastoral und faul und fragen sich wahrscheinlich, was die zwei kleinen Figuren auf den Fahrrädern da machen.

Unsere Unterkunft müssen wir am Ende etwas suchen. Es ist kein Hotel, sondern eher ein B&B. Aber was für ein Anwesen und was für schöne Zimmer. Der Patron schein etwas einsam und sucht nach Konversation aber wir sind des französischen nur in rudimentärster Form mächtig und so bleibt die Unterhaltung etwas stockend und begrenzt. Zum Abend kaufen wir uns Essen im Laden und bleiben in unserem herrschaftlichen Anwesen.

Tag 7 + 8: Von Champagne en Valromey nach Grenoble und ein Pausentag. 120 km, 1.337 Höhenmeter

Ja was ist denn das? Gewitter und Regen? Na gut, frühstücken wir halt etwas länger. Dann ziehen wir die Regensachen an, damit wir die nicht nur umsonst mitgeschleppt haben.

Der erste Regentag. Der Spuk war aber recht schnell wieder vorbei.

Heute hatten wir auch die erste Panne. Ein Plattfuß am Hinterrad von Nick. Der war schnell behoben. Allerdings hatten wir jetzt keinen Ersatzschlauch mehr. Schläuche wollten wir auf der Tour irgendwo unterwegs kaufen. In Pforzheim waren sie uns zu teuer und dann gab es auf der ganzen restlichen Tour keinen Radladen an dem wir vorbeigekommen wären. Interessant im Land der Tour de France.

In Aix les Bains aber sollte es einen Radladen geben. Noch dazu einen guten, so sagte uns der Patron der Unterkunft gestern Abend. Hier gab es für mich einen neuen Lenkerstopfen und für Nick zwei Schläuche. Dazu fragte uns der Verkäufer im Radladen, ob wir zum Radrennen gekommen wären? Heute würde die Tour de Savoie starten. Super dachten wir uns sind halt mal hin.

Zwei Profis kurz vor Rennstart. Hätten wir doch mitfahren sollen?

Letztendlich haben wir uns gegen eine Teilnahme am Rennen entschieden. Es war aber ein ganz schönes Spektakel in der Stadt und lauter Profis die sich mit Ihren Maschinen warmgefahren haben. Wir hingegen haben erst mal was zum Essen gekauft und uns in den Park gehockt.

Dann ging es die restlichen Kilometer nach Grenoble. An einem schönen See entlang, noch ein paar kleine Dörfer und dann kam die Großstadt. Zumindest kam uns Grenoble so vor, nachdem wir die letzte Woche nur kleine Käffer gesehen haben.

Der Wetterbericht sagte auch passend zu unserem Pausentag Regen voraus. Kurz vor Grenoble wurde der Himmel dann auch immer dunkler und in der Stadt ging dann ein Gewitter los. So halbwegs trocken haben wir es dann in unser Hotel geschafft. Hier hatte ich eine „Nobelhütte“ für uns ausgewählt, mit schönem Zimmer, gutem Essen und einem Pool. So richtig schön zum Ausspannen.

Gut vollgestopft sind wir am Abend in unsere Betten gefallen und haben uns gefreut, dass das Gewitter draußen war und wir drinnen!

Den nächsten Tag haben wir mit wichtigen Dingen verbracht. Wäsche waschen, Rasieren. Wir hatten das Rasierzeug aus Gewichtsgründen weggelassen. In Grenoble sollte doch ein Friseur zu finden sein, der auch rasieren kann.

Dann kam wieder ein Gewitter und zwar heftig. Das sollte heute durchziehen und ab Morgen, wenn wir weiterfahren, sollte es ab dem Vormittag wieder trocken sein.

Im Hotel haben wir uns es wieder gutgehen lassen. Den Pool hätten wir nicht gebraucht. Zu kalt.

Tag 9: Grenoble nach Saint-Sorlin-d‘ Arves. 80 km, 2.474 Höhenmeter

Na, das geht ja gut los. Es regnet und sollte doch ab heute früh zunehmend trocken sein. Gehen wir also frühstücken. Und wirklich, danach sieht das Wetter besser aus. Wir starten. Ein paar letzte Donnerschläge rumpeln noch in der Nähe rum aber das verzieht sich bestimmt gleich.

Heute würde ein Tag mit wenig Kilometern aber einigen Höhenmetern werden. Die ersten Pässe, die auch bei der TDF gefahren werden, liegen vor uns. Wir freuen uns drauf in die Berge zu kommen, denn die erste Woche war dann doch von der Landschaft auf Dauer etwas monoton. Und so geht es gleich hinter dem Hotel hinein in Richtung Berge und schon mal gut bergauf.

Allerdings, was macht das Wetter? Es rumpelt kräftiger, wird dunkler und so leicht nieseln tut es auch wieder. Dann regnet es plötzlich stärker. Anhalten. Regensachen an und weiter. Gewittergrollen. Es wird ungemütlich. Vizille, der nächste größere Ort kam wie bestellt. Es gibt ein Café in dem sich zunehmend Radfahrer, Wanderer und Motorradfahrer versammeln. Dort bleiben wir eine gute Stunde und warten, dass das Gewitter aufhört.

Irgendwann raffen wir uns auf und fahren weiter. Der Regen ist weniger geworden. Wir müssen ja heute noch deutlich Strecke machen und sind bisher kaum vorangekommen. Der Regen aber hält sich weiter, wird stärker, dann wieder etwas weniger, dann donnert es wieder in der Nähe aber ich rede mir ein, dass das etwas mehr in den Bergen ist.

Und dann „schifft“ es richtig und es pfeift ein strammer Wind von vorne. Langsam wird uns bange, ob wir so über die Pässe kommen.

Wir quälen uns im Regen über den ersten Pass. Der Wind pfeift und so langsam werden wir nass. Selbst die guten Klamotten lassen dann irgendwo Wasser rein. Es ist kalt. Vor dem Anstieg auf den Col de la Croix de Fer kommt ein Gasthaus. Wir halten, essen, versuchen die Klamotten zu trocknen.

Und das Wetter hat ein Einsehen mit uns. Nach dem Mittag reißt der Himmel auf und die vorherrschende Farbe ist blau. Optimistisch geht es weiter. Höhenmeter um Höhenmeter auf den Col.

Anfang des Col de la Croix de Fer
immer schön den Berg hoch!

Und jetzt ändert sich auch die Landschaft. Es wird alpin um uns herum. Noch hat es Wald. Die Baumgrenze liegt noch vor uns. So hoch ist es hier nicht aber die Strecke hat ganz schön steile Rampen und die Länge sind wir Schwaben auch nicht gewohnt. Und so ziehen wir weiter den Berg hoch, die eine oder andere Stunde.

Heldenfoto: Der erste Gipfel. Der Col de Croix du Fer mit etwas über 2000 Metern.

Jetzt nur noch 20 Kilometer den Berg runter zu unserer Unterkunft.

Überall die Klamotten zum Trocknen verteilt.

Nix los in dem Kaff. Zumindest im Sommer. Zur nächsten Pizzeria sind es drei Kilometer. Hin bringen uns die Vermieter, zurück müssen wir halt laufen.

Tag 10: Von Saint-Sorlin-d‘ Arves nach Monetiers les Bains (mit dem Col de Télégraphe und dem Col du Galibier. 95 km, 2.594 Höhenmeter

Das wird heute unsere Königsetappe. Der Télégraphe und der Galibier warten. Ich bin zwar in Baden-Württemberg schon Strecken mit ähnlich vielen Höhenmetern gefahren aber in den Bergen ist das eine ganz andere Sache! Erst fährt man noch locker den Rest vom Berg des Vortages runter. Dann etwas geradeaus. Nach dem ersten Pass ist man so etwa 40 Kilometer gefahren und hatte so etwa 600 Höhenmeter. Und dann kommt der Galibier. Das sind einfach mal 2.000 Höhenmeter am Stück und es geht über 30 km den Berg hoch. Die Burschen von der TDF sind da in gut einer Stunde oben. Unsereins fährt mit dem Gepäck, dem Alter und viel weniger Training eher mit einem Schnitt von 9-10km die Stunde. Und dann geht es halt mindestens drei Stunden den Berg hoch und mit ein oder zwei Pausen eher 3 1/2.

Die Landschaft ist beeindruckend. Man kommt über die Baumgrenze. Die Gegend wird karg, die Berge steinig. Oben sieht man Schnee. Hier unten aber sind die Wiesen noch voll mit bunt bewachsenen Blumen und ein Bach plätschert immer mal wieder an der Straße lang.

Die Landschaft in schwarz-weiß. Sieht einfach dramatischer aus.

Wir sind übrigens nicht alleine auf dem Galibier. Einige Radfahrer, einige Autofahrer aber vor allem Motorräder in Massen. Manche gemütlich aber viele bolzen hier den Pass hoch, dass man Bedenken bekommt wie viele auf der anderen Seite wieder lebend runterkommen.

Noch fünf Kilometer. Dabei fahren wir schon ewig den Berg hoch.
Nick ist auch ziemlich am Arsch. Langsam kommen wir an die Schneegrenze.

Dass es dann nicht mehr so weit zum Ziel ist, merkt man an zwei Dingen. Zum einen steht jetzt an jeder dritten Kurve ein Fotograf mit fettem Tele und Visitenkarten. Die Bilder kann man später kaufen. Auch die Motorradfahrer, wenn Sie denn überlebt haben. Und das zweite sind die Schriftzüge und Namen auf der Straße.

Und dann irgendwann ist man doch oben. Geschafft! Aber es ist ganz schön was los auf dem Pass. Hier treffen sich alle für das Gipfelfoto. Sportwagenfahrer, Motorradfahrer, Rennradfahrer und sogar ein paar Wanderer. Am coolsten sind einige Sportwagen und Oldtimer, die es hier hoch geschafft haben. Für das Gipfelfoto muss man übrigens anstehen. Dafür machen die Wartenden bereitwillig Fotos mit unseren Handys.

Echt was los auf dem Gipfel!
Stolz die Herren!
Begegnungen der besonderen Art. Schöner Renault Alpine.

Nach einer guten halben Stunde wollten wir dann weiter zu unserem Hotel. Es ging ab jetzt nur noch den Berg runter. Aber auch das war anstrengend. Ich hab spätestens bei 60 Sachen die Bremse gezogen. Die Straße ist schmal, ziemlich ruppig mit vielen Schlägen drin. Und Kurven und Abgründe. Wie die Profis hier mit 90 Stundenkilometern runterbolzen bleibt mir in Sachen Verständnis verborgen. Ich hatte mir dann auch vier Wochen später die TDF Etappe über den Galibier angeschaut. Die sind zwar andersrum gefahren aber die Geschwindigkeit sowohl hoch als auch runter waren unfassbar, wenn man das selber mal gefahren ist!

Ansonsten bleibt nicht mehr viel von dem Tag. Ins Hotel gerollt, Pizza gegessen, ein paar Bier getrunken und uns gegenseitig zu unseren Heldentaten beglückwünscht.

Tag 11: Von Monetiers les Bains nach Le Vernet. 130 km, 1.915 Höhenmeter

Der Anfang vom Tag war super. Prima Frühstück im Hotel und dann erst mal so ca. 30km den Berg runter und raus aus dem Tal. Es wird heiß. Deutschland schwitzt schon heftig und leidet unter der Hitzewelle. Wir spüren das auch zunehmend, je mehr wir aus den Alpen herauskommen. Im Moment sind wir noch so um die tausend Meter hoch und das macht es erträglich.

Wir nähern uns der Provence. Dabei folgen wir noch einige Kilometer der Route der Tour. Über ettliche Kilometer folgen wir Lac de Serre-Ponçon, einem der größten Stauseen in Frankreich. Embrun, ein mittlerer Ort taucht auf und wir könnten hier schon Pause machen, überlegen aber, dass es am See doch sicher auch noch ein paar nette Restaurants am Wasser gibt. Da hatten wir uns aber mal wieder verschätzt!

Auch hier ging eine Etappe der TDF 2019 entlang

Der Ort, den ich auf der Karte am Ende des Sees gesehen hatte, lag leider 300 Höhenmeter weiter oben und eine Straße gab es auch nicht. Unterdessen haben wir schon 5 Stunden auf dem Rad gesessen. Es wurde heiß und die Getränke waren alle. Wir brauchten eine Pause, wollten Essen und Trinken. Die Helden wurden so langsam müde nach den zwei großen Bergetappen. Leider war weit und breit nichts an Zivilisation zu sehen.

Am Ende des Sees sind wir nach Le Lauzet-Ubaye gefahren. Also einige Kilometer in die verkehrte Richtung aber wir hatten die Hoffnung, dass es dort vielleicht einen Laden gibt.

Die „kulinarische Rettung“. Ein kleines Ausflugslokal am See – und das hatte geöffnet

Und die Hoffnung wurde nicht enttäuscht! Superschön an einem See gelegen, ein Ausflugslokal. Geöffnet! Unsere Rettung. Und danach noch ein Sprung in den See. Da waren wir ziemlich zufrieden!

Den Rest der Strecke haben wir uns dann bei zunehmender Hitze noch einen Berg hochgearbeitet und dann ging es auf einem Hochplateau über weite Wiesen und Felder weiter zu unserem heutigen Ziel. Mal wieder eine Unterkunft im Nirgendwo. Irgendwie sah es eher nach Amerika aus dort. Nur die Ente auf dem Parkplatz wollte da nicht so richtig zu passen.

Tag 11: Von Le Vernet nach Aguines. 113 km, 1.994 Höhenmeter

Das war eine der schönsten Etappen. Eine Genussfahrt durch die Provence. Es fing schon damit an, dass wir am Morgen erst mal gut tausend Höhenmeter recht sanft nach unten gefahren sind und dazu war die Landschaft einfach unglaublich schön!

27 Kilometer nach Digne und fast nur bergab

Hinter Digne ging es richtig in die Provence, so wie man das von den Postkarten kennt. Die ersten Lavendelfelder und der Lavendel war auch früh dran und hat schon geblüht.

Das obligatorische Lavendelfeldfoto. Ein schönes Klischee.

Das heutige Ziel war eigentlich die Verdonschlucht. Allerdings war mir bei der Planung nicht so richtig klar wo wir da langmüssen, um durch die Schlucht zu fahren. Dann hat das auch mit der nächsten Etappe nicht so richtig gepasst. Um zumindest nochmal einen Blick in die Schlucht zu werfen, bin ich nach der Ankunft im Hotel nochmal los. Zehn Kilometer den Berg hoch und dann zurückgerollt.

Tag 12: Von Le Vernet nach Collobrieres. 104 km, 1.285 Höhenmeter

Die Hitzeschlacht am „Col du Madeleine“! Collobrieres ist heute unser Ziel. Ich kenne den Ort schon länger und für mich es die Verkörperung des romantischen Frankreich. Aber bis dorthin sollte es ein harter Weg werden. Während halb Europa schon in der Hitze des Sommers vor sich hin glühte, hatten wir durch die Berge recht angenehme Temperaturen. Heute nicht. Heute wurde es heiß!

Das mag der Radler: 8% und 4 Kilometer bergab
Romantisches Mittagessen mit Nick auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt. Hunger! Das ganze Zeug haben wir in uns reingestopft!

Nach dem Mittag wurde es richtig heiß, die Strecke war jetzt auch nicht mehr so schön und dann kam ein letzter Aufstieg in Richtung Madeleine. Das ist eine Wallfahrtskirche auf dem letzten Berg vor Collobrieres. Allerdings hatten wir dort über 40 Grad und bei der Auffahrt gab es einfach kaum Schatten. Die Getränke waren schnell leer und wir mussten immer wieder Pausen machen, weil die Hitze so gnadenlos war.

Schon etwas gezeichnet aber die Hitze wurde noch stärker

Irgendwann waren wir aber doch oben und dann kam das Schild!

Neun Kilometer fast nur noch bergab. Das ist übrigens eine offizielle Straße. Autos haben wir dort aber keine gesehen.
Unsere Unterkunft in Collobrieres. Ratet mal, in welchem Zimmer wir wohnen?

Tag 13: Von Collobrieres nach Hyeres. 81 km, 650 Höhenmeter
Wir bringen den ganzen Radsportverein in Aufruhr

Für den letzten Tag brauche ich keine Navi mehr. Ich kenne mich hier unten ja gut aus. Einfach aus dem Ort rausrollen, dann links über Jürgens Lieblingspass, den Col de Babaou. Früher war das ein richtiger Berg für mich. Heute rollen Nick und ich da locker und entspannt hoch.

Den Berg runter gehts zügig. Ein recht ambitionierter Radler zog kurz vor der Abfahrt an uns vorbei und ich wollte mal schauen, wie der den Berg runterfährt. Vielleicht kann man sich ja was abschauen. Dranbleiben konnte ich und das ging mit ziemlicher Geschwindigkeit nach unten. Das ist auch einfach etwas, das auf dem Rennrad viel Spaß macht. Den Berg runterbolzen. Wobei ich mir nicht so sicher bin wann die Haftung der Reifen aufhört.

Danach sind wir locker und bei wieder zunehmenden Temperaturen am Meer entlang nach Hyeres und dann erst einmal zum Ziel der Reise. Die Eisdiele La Sirene. Das war auch bei der letzten Tour mit Luca das Ziel und das Eis ist die Reise auch immer noch wert!

Ein Intermezzo: In Hyeres gibt es einen Radladen. Dort hatten wir früher Trikots vom Radverein gekauft. Die gab es am Ende der Saison spottbillig und meist nur noch in kleinen Größen. Diesmal waren wir ja aber früher im Jahr vor Ort und ich wollte unbedingt schauen, ob ich dort ein Trikot für uns bekomme. Und damit begann eine kleine Irrfahrt durch Hyeres. Es fing im Laden an. Die hatten zwar tolle Rennräder und auch Trikots aber keine vom Radverein. Mit meinem astreinen Französisch hab ich dann rausbekommen, dass sie die Trikots nicht mehr führen. Wir sollen aber ins Velodrom fahren. Dort würde man die verkaufen. Also sind wir zum Velodrom gestartet.

Im Volodrom sind wir erstmal durch die Gänge und Katakomben geirrt und haben schließlich eine Art Büro gefunden. Dort saß eine ältere Dame an einem antiquierten Schreibtisch. Per Handybildern, ihren drei Brocken Englisch und unseren drei Brocken Französich haben wir so halbwegs verständlich gemacht, was wir wollten. Und dann fing die Dame an zu Telefonieren. Es wurden mehrere Telefonate geführt und es fielen Worte wie Perpignan oder Montpellier und irgendwelche Menschen waren nicht da oder nicht erreichbar. Schließlich aber mit einem Lächeln sagte sie uns, dass jetzt ein Herr käme, mit dem Auto und hinter dem sollten wir herfahren. Er wüsste, wo es die Trikots gäbe.

Der Herr kam, wir folgten seinem BMW und landeten wieder im Radladen vom Anfang. Dort wurde dann weiter debattiert, telefoniert und dann bekamen wir eine Adresse von einer Straße bzw. einer Kreuzung irgendwo im Industriegebiet beim Flughafen.

Wir also wieder auf die Räder und dorthin gefahren, wohlahnend, dass dort wahrscheinlich niemand auftaucht oder wir den Ort nicht finden.

Erstaunlicherweise kam aber kurz drauf ein Herr mit einem Skoda. Der war mit „CYCLES CAD“ beschriftet, hatte einen großen Radträger auf dem Dach. Gestikulierend wurde angezeigt, dass wir folgen sollen. Schließlich gelangten wir zu einer Garage, das Tor ging auf und dort gab es: Richtig, die Trikots. Unglaublich aber wahr.

Der Rest ist schnell erzählt. Durch die Stadt zu unserer Unterkunft, dort ab in den Pool, abends Essen.

Tag 14 – 16: Die Rückreise

Am nächsten Vormittag ging es mit dem Rad zum Bahnhof und dann mit dem Zug von Hyeres nach Marseille. Wir hatten überlegt mit dem Rad zu fahren aber für den Tag war wieder große Hitze angesagt und so haben wir uns das gespart.

In Marseille hatten wir ein lustiges japanisches Hotel nahe am Bahnhof. Den Tag haben wir in der Stadt verbracht und Verpackungsmaterial für den Transport der Räder im TGV gekauft.

Am nächsten Tag ging es mit dem TGV nach Karlsruhe. Das Ticket in der ersten Klasse für 49€ pro Person. Ab Karlsruhe wollen wir dann mit dem Rad fahren, waren dann aber doch zu faul und sind bis Stuttgart mit der Bahn.

Verpackt ist das Fahrrad kein Fahrrad, sondern Reisegepäck und darf ganz unproblematisch mit in den TGV. Gut, wenn man gleich am Startbahnhof zusteigt, dann sind die Gepäckfächer noch leer.

Ein Fazit und eine Aussicht:

Es war eine geile Reise bei der so ziemlich alles so geklappt hat, wie wir es uns vorgestellt haben. Das Wetter war gut, bis auf wenige Ausnahmen.

Die Unterkünfte waren toll, das Essen nicht ganz so toll wie erhofft aber doch gut. Die Berge waren spannend und auch das Abenteuer Straße nach den vorhergegangenen MTB Touren war gut. Die Strecken mit dem Rennrad können deutlich länger geplant werden als mit dem MTB. Die Tagesetappen mit durchschnittlich 100 -120 km und etwas über 1000 Höhenmetern sind gut zu bewältigen. Natürlich ist man platt und nach zwei Wochen reicht es dann auch irgendwann einmal. Die Straßen in Frankreich hatten wenig Verkehr. Die Dichte an Orten mit Lebensmittelläden oder auch ein paar Bars oder Cafés könnte größer sein.

Das Gepäck war gut gewählt. Wir haben nichts übermäßig Nutzloses mit uns rumgeschleppt. Dazu hatten wir auch Glück, dass wir von Pannen und Stürzen verschont geblieben sind.

Zu guter Letzt und auch mit Dank an Nick, hat die Tour auch auf menschlicher Seite gepasst. Es gab keinen Zoff, keinen Streit. Wir haben den Tag über unser Zeug gemacht und gestrampelt und getreten. Abends herrschte Einigkeit darüber, dass es bei der Ankunft ein Bier gibt – oder zwei oder drei oder soviel wir wollten (Wein ging übrigens auch). Über zwei Wochen tags und nachts die Zeit miteinander zu verbringen ohne sich zu zerfleischen ist ja auch eine Leistung. Danke auch an Nick, dass er ein so guter Partner für die Tour war.

Von daher ist das letzte Bild auch Nick gewidmet. Eine Erinnerung an seine (zugegebenermaßen hässliche) Badehose, die im japanischen Hotel hängengeblieben ist. Ein Stillleben an der Wand!

Vielleicht hängt sie ja noch immer!

Und die nächsten Ziele? Hmmm, mal sehen. Portugal vielleicht oder eine große Herausforderung wie die USA. Erste Gedankenspiele dazu gibt es schon. Vielleicht ja der eine oder andere auch eine Idee für uns? Ideen gerne an uns!

Navigation – mit Komoot und iPhone

„Vielen Dank Komoot für die tolle Routenführung“

Für unsere Touren hatte ich ganz gewiss keine Lust auf Karten wälzen. Wie beim Auto sollte es eine komfortable Routenführung sein. Aber was nimmt man dazu? Das Mobiltelefon und wenn ja, welche Software? Oder sollte es doch besser ein spezielles Fahrrad-Navi von Garmin, Falk oder Polar sein?

Auch bei dem Thema kann man viel Lesen und in Foren stöbern und die Bike-Magazine bringen ja auch hin und wieder was. Das nutzt aber wenig, da es sowohl für die eine als auch für die andere Lösung Vor- und Nachteile gibt und in den Foren auch teilweise sehr intensiv diskutiert wird. Das Mehr an Informationen hat bei mir eher zu Verwirrung geführt als mir eine Entscheidungshilfe zu geben.

Letztendlich bin ich jetzt etwa zwei Jahre bei der Lösung iPhone mit Komoot und Quad Lock als Halterung (und nein, ich bekomme weder Geld noch sonstige Zuwendung von Komoot, Quad Lock o.ä. sondern habe das Zeug ganz normal gekauft).

Warum das iPhone? Weil ich es habe, weil es ein starker Computer mit Bildschirm ist und es passende Software gibt und ich verstehe, wie es funktioniert. Die Vorteile von Garmin oder anderen Geräten haben sich mir nicht so weit erschlossen, dass ich bereit war nochmal ein paar hundert Euro auszugeben. Klar gibt es Vorteile: Die Laufzeit ist länger, der Schutz des Gerätes wahrscheinlich auch, weil ein Handy eben nicht primär auf Outdoor ausgelegt ist. Die Dinger sind auch bei Nässe unempfindlicher, die Batterie hält wohl deutlich länger und bei Sonneneinstrahlung lässt es sich besser ablesen.

iPhone: Ich habe es eh dabei, brauche kein zusätzliches Gerät und auch nochmal ein Ladekabel o.ä. Ich bin mit der Software flexibler. Ich kann parallel andere Apps wie Strava oder Wahoo laufen lassen.  Ablesbarkeit ist völlig ok bei toller Auflösung. Wenn wirklich mal die Sonne draufknallt, „schatte“ ich halt mir der Hand ab, hier hatte ich aber noch nie wirklich Probleme. Bei schweren technischen Wegen mit felsigem Untergrund nehme ich das Telefon einfach mal ab und packe das in die Tasche. Das hatte ich aber auch so wenig, dass ich eigentlich gar nicht mehr darüber nachdenke.

Die Halterung:
Quad Lock finde ich super! Ich hab eh immer eine Hülle um das iPhone. Die Hülle ist halbwegs filigran, sieht ok aus, ist gut verarbeitet und passt mit der Halterung perfekt ans Fahrrad. Eine zweite Halterung hab ich am Motorrad.
Das Ding sitzt fest und funktioniert einfach gut. Die Regenhülle hab ich auch, nutze sie aber selten. Bei leichtem Regen lasse ich die Tropfen einfach auf dem Telefon, die Ecken sind ja eh umschlossen und oben ist es dicht. Wenn es zu stark regnet packe ich das Telefon in meine Jacke. Bei langen Touren oder Reisen mache ich dann mal die Hülle drauf, richtig toll ist das dann von der Bedienung und Ansicht aber nicht mehr.

Im Video sieht man, wie das Teil funktioniert. Natürlich schön gemacht und etwas amerikanisch und in den höchsten Tönen gelobt. Das einzige, was wirklich schade ist, ist dass es Hüllen fast nur für das iPhone gibt. Es gibt zwar eine Universalhalterung, die an eine Hülle angeklebt werden kann, hier hätte ich aber  Bedenken, dass das nicht hält und mir meine Telefon auf die Straße knallt.

Die Software
Am Anfang hatte ich mit verschiedener Software experimentiert und mit der Navigation echte Schwierigkeiten. Ich hatte schlicht nicht verstanden was „gpx“ Daten sind, dass ich mir irgendwo „offene Karten“ runterladen und irgendwo einbinden sollte und wie das ganze dann mit dem Handy am Rad funktioniert.

Mir hat dann jemand Komoot empfohlen und ich hab es auf das iPhone geladen und ausprobiert. Und auch hier hab ich einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, wie das ganze System funktioniert und in wie weit man sich auf die Routenführung verlassen kann.

Toll ist, dass es eine Sprachansage gibt. Die funktioniert allerdings nur, wenn man die Route mit Komoot erstellt. Man kann Daten von Routen z.B. als „gpx“ importieren. Dann funktioniert allerdings die Sprachansage nicht mehr.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Routenplanung. Zum einen direkt wie bei jeder Autonavi auch, kann ich in der App am iphone Start und Ziel eingeben und die Software errechnet mir den „optimalen“ Weg nach meiner Vorgabe (dazu später noch etwas mehr). Und, das ganze geht auch am Rechner zuhause, dann mit großem Monitor und hier kann ich die Route auch selber planen und verändern.

Für unsere Alpenüberquerung hatte ich eine Route aus dem Buch „Alpencross light“ ausgewählt. Da war auch eine CD bei, wo die „gpx“ Daten drauf waren.
Letztendlich habe ich jede Tagesetappe per „gpx“ in Google-Maps importiert und mir anzeigen lassen und in einem zweiten Fenster am Rechner die Strecke dann in Komoot nachgebaut. Das war etwas Aufwand und hat Zeit gekostet aber sonst hätte ich auf die Ansagen verzichten müssen. Das Gute dabei war auch, dass ich schon im Vorfeld einiges über unsere Strecke gewusst habe.

Vor einer Reise oder vor allem vor einem Alpencross ist es absolut sinnvoll vorher mit dem System zu üben und zu verstehen wie man es bedient und wie es funktioniert. Wenn das System zum Beispiel die Ansage macht: „rechts abbiegen“ macht es Sinn nochmal auf die Karte zu schauen. Mit etwas Übung sieht man z.B., dass das „Abbiegen“ erst hinter der Unterführung kommt oder dass „rechts abbiegen“ heiß, auf dem Weg weiter gradeaus zu fahren und nur nicht links abzubiegen. Man lernt auch, dass man auf Straßen den Maßstab etwas kleiner anzeigen lassen kann, in Orten oder im Gelände nimmt man besser den größmöglichen Maßstab (die Karte lässt sich wie gewohnt mit zwei Fingern zoomen). Man lernt auch, dass der kleine Pfeil rechts unten dazu führt, dass die Anzeigerichtung mit der Fahrtrichtung übereinstimmt.

Komoot bietet auch die Möglichkeit seine Sportart auszuwählen und passt dann den Weg entsprechend an. Das macht ja auch Sinn, weil es ein Unterschied ist, ob ich mit dem Rennrad über Pässe fahre oder mit dem Mountainbike kleine Trails suche. Und ganau die Trails und die Einstellung „Mountainbike“ bzw. „Mountainbike Alpin“ ist nicht unproblematisch. Natürlich suche ich kleine Trails aber fahrbar sollen sie schon sein. Das Video oben zeigt genau so eine Situation. Wir hatten quasi als Generalprobe vor dem Alpencross eine Tour mit allem Gepäck und unserer Ausrüstung von Stuttgart nach Nürnberg zu Freunden geplant. Die Route hatte ich über Komoot zuhause am Rechner angelegt. Einstellung: „Mountainbike“. Wie im Video zu sehen war da vielleicht vor 5 Jahren mal ein Weg. Als wir angekommen sind, war da aber keiner mehr. Am Anfang ging es noch, dann wurde es immer wüster und am Ende haben wir nochmal einige hundert Meter quer durch Gestrüpp geschoben bevor wir wieder auf einem fahrbaren Weg waren.

Ähnliches hatten wir in Südfrankreich. Hier ging es quasi senkrecht den Berg hoch. Ich meine, dass war eine Feuerschneise. Absolut unfahrbar und zwar hoch und in weiten Teilen auch runter.

0.tagfrankreich

In der Hinsicht hatten wir einige Erlebnisse. Das ist bei einer kleinen Nachmittagsrunde zu verschmerzen aber wenn man an dem Tag schon vier Stunden unterwegs war und noch 35 km vor sich hat, ist so ein Abschnitt ätzend, vor allem, weil man einfach nicht mehr vorankommt, Zeit verliert und das Rad zu schieben oder tragen dauert nicht nur lange, sondern macht auch wenig Spaß.

Man plant also eine Alpenüberquerung besser nach vorgegebenen Routen und baut sich die ggf. am Rechner nach, wenn man die Sprachansage haben möchte. Oder, was wir auf langen Touren gemacht haben ist, dass wir „Radweg mit Schotter“ als Option eingegeben haben. Dann fährt man eher auf Waldwegen und die kleinen Trails werden ausgelassen.

Die Routen sollte man sich dann mit den Karten auch offline verfügbar machen. Das geht sehr einfach über einen kleinen Schiebeschalter in der App auf dem iPhone. Dann funktioniert die Navi auch ohne Handyempfang. Hier hat man übrigens eine Einschränkung: Wenn man irgendwo in der Pampa steht, keinen Handyempfang hat und eine neue Route planen will, geht das nicht. Zumindest hatte es soweit ich mich erinnere bei mir nicht funktioniert.

Akkulaufzeit
Vollgeladen hält mein iPhone bei voller Helligkeit etwa zwei Stunden. Wenn ich die Helligkeit reduziere, komme ich auf etwa 3-3 1/2 Stunden. Mit einem kleinen Akkupack, kann ich mein Telefon eineinhalb bis zwei Mal aufladen. Bei einer längeren Tour habe ich zur Sicherheit einen zweiten Pack dabei. Das reicht mir ewig! Zudem kann ich den Monitor auch einfach ausschalten, die Ansage läuft ja weiter. Hier hatte ich noch nie Stress. Unterdessen schalte ich den Bildschirm manchmal einfach auch aus, weil ich die Navi nicht permanent brauche, z.B. wenn ich einem Weg mal 5 Kilometer folgen soll.

Die Community Fähigkeiten von Komoot nutze ich eigentlich gar nicht. Das liegt aber sicher auch daran, dass ich seit 20 Jahren mit dem Rad um Stuttgart herumfahre und mich ganz gut auskenne und für Radreisen selber plane.

Ich kann das Handy mit entsprechender Software als Radnavigation nur empfehlen. Mag sein, dass das für extreme Touren nicht die richtige Konfiguration ist. Es ist aber auch eine einfache Lösung, weil die meisten ein Handy haben und man es einfach ausprobieren kann. Ich meine, mit Komoot kann man ein kleines Gebiet mal testen, Regionen gibt es für ein paar Euro, der weltweite Kartensatz kostet dann 30€. Wenn man dann nicht zufrieden ist, kann man immer noch eine externe Fahrrad Navigation kaufen. Ich meine aber, dass die Bedienung auch nicht ganz so einfach ist.

 

 

 

2015 – Vater Sohn Projekt: Alpencross (light)

1. DER ANFANG

Irgendwann letztes Jahr entstand die Idee, einen Alpencross zu machen. Vater und Sohn, ein gemeinsames Projekt. Die Idee haben wahrscheinlich viele und man denkt dann drüber nach und fände das eigentlich ganz gut aber dann vergisst man es wieder und die Zeit vergeht. Nun war mein Sohn 13 und so langsam merkt man, wie Freunde immer wichtiger werden, die Eltern mehr in den Hintergrund treten und die Zeit, wo er vielleicht Lust auf so ein Projekt hat nicht mehr unendlich ist.

Im Herbst und Winter 2014 haben wir hin und wieder mal darüber gesprochen, ob wir Lust dazu hätten. Eigentlich hatten wir beide Lust aber das war so unverbindlich und nicht wirklich ernst.

Dann kam ein Tag, ich weiß noch, Luca hatte sich beim Sport verletzt und eine Wunde hatte sich entzündet. Er musste spontan fünf Tage für Infusionen ins Krankenhaus. Als ich zu ihm ins Krankenhaus gegangen bin, habe ich ihm was zum Lesen mitgebracht und das war ein Buch über MTB-Technik und auch zwei zum Thema Alpencross. Und so haben wir im Krankenhaus auf seinem Bett gelegen und die Bücher durchgeblättert. Das eine Buch nannte sich „Alpencross light“ und eigentlich trifft der Titel genau das, was ich mir mit ihm vorgestellt hatte und das war: Zeit zusammen, ein Projekt, dass uns fordert, das gelingen und auch vielleicht misslingen kann, großartige Natur und etwas Abenteuer. Was ich nicht wollte war sportliche Höchstleistung und „Höhenmetergeklopfe“. Mir ging es wie schon gesagt eher um ein Zusammen, Draußen, Natur und Bewegen.

Ich war offen gesagt ein wenig eingerostet. Ich hatte vor Jahren Sport studiert, war lange und intensiv mit dem Skateboard unterwegs, mit Snowboard, Ski und Mountainbike, habe Kurse gegeben etc. In den letzten Jahren wurde der Sport immer weniger, Riesling und gutes Essen wurden wichtiger. Mir war also schon klar, dass ich was tun musste. Letztendlich hatten wir an dem Tag den Entschluss gefasst, das ganze zu starten aber so richtig geglaubt hatte ich daran nicht.

So vor 12 Jahren hatte ich bei Markus Storck gearbeitet und hatte aus der Zeit noch mein Organic, dass aber nie wirklich mit neuen Teilen versorgt wurde. Ich hatte das Teil früher recht aktiv „geritten“, bin immer lieber den Berg runter, schnell über Trails und ein wenig gesprungen. Einen Alpencross hätte ich dem Teil nicht mehr so richtig zugetraut und so langsam fing ich an, nach einem neuen Rad zu schauen.

 

2. DIE VORBEREITUNGSZEIT

An einem Nachmittag im April lag ich mit meinem Ipad in der Badewanne und habe mal wieder nach Rädern geschaut. Bei Rose bin ich auf ein Vorführrad – Uncle Jimbo – gestoßen, Modelljahr 2013, um 50% reduziert. Statt 2.800 € gab es das Rad also für 1400 € und ich hab das Ding noch in der Badewanne ohne viel nachzudenken bestellt.

Das neue Rad auf der ersten Reise in Südfrankfreich

Das neue Rad war der Moment wo es ernster wurde! Wenn ich schon ein neues Rad kaufe, dann hat das doch auch Folgen. Jetzt musste ich das ganze ernst nehmen. Zudem hatte ich auch schon dem einen oder anderen von dem Gedanken erzählt und mich damit natürlich auch selber etwas unter Druck gesetzt.

Ich hatte in den Uni-Zeiten zwar MTB Kurse gegeben und wir waren auch in den Alpen für einen Kurs – aber das waren Tagestouren für den Hochschulsport. Was uns bei einem Alpencross erwarten würde wußte ich nicht, nicht wie wir wirklich trainieren sollten, was wir an Ausrüstung brauchten, welche Route, welche Wege gut sind etc.

Letztendlich habe ich mit Luca die Tour zusammen ausgesucht. Es war Tour 10 im Buch – Von Mattrei zum Gardasee – Erlebniswert hoch, ca. 400 km, gesamt ca. 11tsd Höhenmeter, wobei wir die Hälfte mit Seilbahnen überwinden konnten.

In den nächsten Wochen und Monaten begann ein ganz eigener Marathon, nämlich aus Vorbereitung, Materialauswahl, Einkauf, Training, Recherchen zu Navigationsgeräten, die Wissenschaft zu Helmen, Rucksäcken, Bekleidung, Schuhen etc., etc.

Luca fand das alles ganz gut, hat sich aber für die Orga eigentlich überhaupt nicht interessiert. Er fand die neuen Sachen super, die Schuhe, den Rucksack, mit Papa einkaufen und die ganzen Kisten, die von den Onlineversendern kamen.

Unsere Rucksäcke hatten wir hier bei einem Laden in Stuttgart gekauft und daran eine zwei Tagestour von Stuttgart nach Ansbach zu Freunden gekoppelt.

Übung
Unsere erste Tour mit Übernachten und fast schon der finalen Ausstattung

Seit April haben wir uns mehr oder weniger intensiv vorbereitet. Luca hatte relativ wenig Lust auf Grundlagentraining; klar, war es toll mit Papa zwei Tage nach Ansbach zu fahren aber das war alles neu – Abenteuer. Die kommenden Trainingseinheiten waren aber auch 3-4 oder auch 5 Stunden strampeln, eher Strecke als Trails, eher Wege als Springen im Wald. Ihm fehlte schlicht die Motivation dazu. Ich habe mich teilweise geärgert aber auf der anderen Seite ist er recht sportlich, trainiert noch zweimal die Woche Hockey, hat Schulsport und zwischendrin springen die Jungs auf Skateboards, Trickrollern etc. durch die Gegend und sitzen eh nicht still.

… so machte es ihm Spaß, reines Grundlagentraining war langweilig.

… und auch die Touren in Frankreich fand er toll

Insgesamt haben wir uns aber doch ganz passabel vorbereitet. Seit April hatte ich bis zum Start der Tour etwa 1.700 km abgespult und etwa 25tsd Höhenmeter. Luca schätze ich auf die Hälfte.

Noch ein technischer Punkt über den ich lange gegrübelt habe: Wie finden wir den Weg? Ich hatte eine Zeit lang überlegt, ob ich mir eine Fahrradnaivi zulege – Garmin oder Falk und hier habe ich viel gelesen und mich umgehört. Letztendlich habe ich es mit dem Iphone, der genialen Halterung „Quad-Look“, Kommot als Navi und Mountainbike Pro als Aufzeichnungsgerät gelöst. Alles in allem hat das sehr gut funktioniert. Ich habe mit dem System seit April „geübt“ und konnte die Kommot so halbwegs gut interpretieren.

Richtig optimal war es noch nicht, weil die gpx Daten aus dem Buch nur per „Beta-Version“ – Tour Planen bei Kommot einzugeben sind und ganz pannenfrei lief das auch nicht – aber doch zu 95% sehr gut. Die Stromversorgung habe ich mit einem Zusatzakku gelöst und hatte hier nie Probleme mit Strom, Alblesbarkeit etc. Insgesamt würde ich die Navigation mit Iphone und den passenden Apps durchaus empfehlen!

 

3. DIE TOUR
Doch ziemlich aufgeregt ging es an einem Donnerstag im August los auf unsere Tour. Ab Stuttgart sind wir mit der Bahn bis nach Mattrei gefahren.

1.tagabfahrt
Abfahrt in Stuttgart

1.tagbahn
Warten auf die Bahn: Stuttgart – München – Innsbruck

Am nächsten Tag ging es dann richtig los. Das Wetter hatte sich nach drei Wochen Sonne nach der Vorhersage deutlich verschlechtert. Es war Regen angesagt, teilweise richtig viel und dauerhaft und wir hatten schon überlegt, ob wir die Tour vielleicht sogar abbrechen müssten. Wir haben uns dann aber dafür entschieden loszufahren und dann je nach Tag und Wetterentwicklung zu entscheiden.

 

1.tagbrenner
Erster Tag, Wetter gut und den ersten Anstieg auf den Brenner gut überwunden

Hier gabs den ersten Punkt, den man sich merken kann: Eigentlich hat der Wetterbericht für die jeweiligen Alpenorte (wetterpro) fast nie wirklich gestimmt.

Den ersten Tag hatten wir 75 km und 1150 Höhenmeter. Wir sind über Österreich nach Italien gefahren, den Brenner runter und dann irgendwann nach links abgebogen nach Mühlbach. Wir waren nach der ersten Etappe stolz auf uns! Wir waren in Italien, wir waren müde und hungrig. Und: Es hat angefangen zu regnen als wir angekommen waren (das sollte uns noch öfter passieren).

Zweiter Merkpunkt: Die Unterkünfte auf der Tour sind nicht billig und man hat viel Hunger!

6.tagessen
Essen, viel Essen! Meist auch recht schnell

Der zweite Tag war dann der Hammer! Der Wetterbericht hatte viel Regen vorhergesagt aber es hat nicht geregnet. Es gab Sonne mit Wolken, es gab großartige Natur, wir hatten einen schönen langen und für uns schweren Pass und die Dolomiten direkt vor der Nase. Wir haben lustige Fotos gemacht und Luca hat seine Sonnenbrille verloren. Er ist den Pass nochmal halb runter, hat sie wiedergefunden und sich gefreut! Ich saß derweil am Pass oben in toller Natur und ziemlicher Ruhe und hatte

2tag
„Der liebe Gott“ schenkte und schönes Wetter …

2.tag
… tolle Berge …

2.tagkatze
… und ein paar nette Besucher.

Den Tag hatten wir 70km und 1350 Höhenmeter und eine wirklich tolle Unterkunft in Abtei. Was wir nicht wussten – oder ich übersehen hatte war, das die Unterkunft nicht weit entfernt vom Ort war – aber auf dem letzten Kilometer noch 400 Höhenmeter gemacht hat. Das war so knapp vor einem Klettersteig. Die Räder konnten wir nicht mitnehmen aber wir konnten sie spontan an der Bergstation vom Lift lassen. Toller Aufstieg, tolle Location, tolles Panorama!!!

2taggondeln
Spontan die Räder abgestellt und beim Liftpersonal gelassen. Er meinte, wir würden den Weg mit den Rädern nicht schaffen.

2.tagaufstieg
Damit hatte er recht, der Aufstieg war eher „Klettersteig“ als Mountainbikeweg

 

 

 

 

 

 

 

2.taggardenacia
Oben angekommen gab es ein großartiges Panorama und eine tolle Unterkunft (Refugio Gardinaca in Abtei)

2.taggardinacia

Das nun regnerische Wetter hatte seinen ganz eigenen Reiz, mystische Landschaften, wilde Wolken und saftiges Grün.

Der dritte Tag hat uns ziemlich erledigt, wie beim Skifahren taten die Beine weh. Die Motivation war nicht völlig im Keller aber ich hatte auch keine Unterkunft vorgebucht. Wir haben an dem Tag nur 33 Kilometer geschafft aber doch 750 Höhenmeter. Wir sind bis Canazei, hatten zwei wirklich tolle Trails und eine MTB Strecke vom Passo Pordoi nach Canazei. Der Downhill war toll aber auch nass und matschig. Als wir in Canazei angekommen sind, fing es wie aus Kübeln an zu regnen und wir haben uns auf die Schnelle eine Unterkunft gesucht. In Canazei war es voll, unglaubliche Menschenmengen, Stau auf der Straße wie im Berufsverkehr. Das einfache aber gute Zimmer kostete 120 € mit Frühstück. Nicht billig!

3.tagpordoi
Schöner und nur durch Zufall gefundener Trail am Pordoi

Die nächsten Tage hatten wir zwischen 60 und 75 Kilometer und meist so um die 800 bis 1000 Höhenmeter, einige Liftfahrten und großartige Momente.

3tagseilbahn
Mit dem Lift von Araba auf den Pordoi

In Canazei hatte es stark geregnet, auch den nächsten Tag. Hier kamen die Regensachen zum Einsatz, die Armlinge, Beinlinge etc. Hat alles gut funktioniert und was ich kaum gedacht hätte, auch bei Regen hat die Tour ihre Faszination. Die Natur sieht mit Wolken, Nebel und dem saftigen Grün toll aus und meist hat es nicht lange geregnet.

4. DIE LETZTEN 2 TAGE UND ANKUNFT GARDASEE

Ab Bozen war dann erst einmal Schluss mit den Bergen. Es ging auf einem Radweg nach Trento. Ziemlich ätzend: 60 km Radweg gradeaus und ab der Hälfte strammer Gegenwind. Für Trento hatten wir einen Pausentag geplant, da für den folgenden Tag viel Regen angesagt war. Wir hatten eine wirklich tolle Unterkunft in einer alten Villa mit Spa dabei. Genau richtig, um einen Tag auszuruhen: Die Villa Madruzzo für nur 110 € in einem 4* Hotel mit Frühstück. Verglichen mit Canazei war das ein Schnäppchen.

4tagletzerberg
Die letzten gemeinen Meter zum Hotel

4.tagvillamadruzo
Die Villa Madruzzo in Trient. Hier lässt es sich hervorragend erholen. Schöne Zimmer, ein Spa und das beste Tatar!

Am siebten Tag ging es wieder durch großartige Natur und wir sind „planmäßig“ bis nach Riva zum Gardasee gekommen. Ziemlich platt und erfolgreich sind wir angekommen! Allerdings war da nicht nur Freude, auch etwas Wehmut war dabei. Die Vorbereitung, die Planung und das Training hatten etwa sechs Monate gedauert. Eine Zeit, wo ich viel nachgedacht, geplant, gezweifelt hatte. Und nun, so schnell war das vorüber. Die Zeit mit Luca war großartig.

Er fährt (jetzt 14) quasi auf dem selben Level wie ich. Er ist hier eher Partner auf Augenhöhe als ein kleines Kind. Wir sind technisch ähnlich gut, von der Ausdauer her auch, wir waren beide abends gleichermaßen platt.

Das Essen war oft erstaunlich ruhig bzw. wir haben eher Nahrung geschaufelt. In Bozen gab es ein „Red Bull“ zum Frühstück, etwas, was mit der Mutter dabei nicht denkbar gewesen wäre. Es hat uns eine tolle und sehr nahe Zeit gebracht. Ich denke, dass war wirklich etwas Besonders! Und deshalb war da auch etwas Wehmut am vorletzten Tag.

4tagperlenweg
Tolle Natur, schöne Trails …

4.tagmagischerwald
… durch den Märchenwald …

4.tagmezzocorona
… wieder essen …

6tagbaden
… Badepause …

7.tagberg
… kurz vor dem Ziel …

7tagankunftgardasee
… und schließlich am eigentlichen Ziel der Tour angekommen.

 

5. VIER TAGE URLAUB, EIN ENDE MIT SCHRECKEN UND EIN KLEINES WUNDER

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag mit der Fähre über den See und dann im Süden noch ca. 20 km zu unserer Unterkunft, einem Agritourismo, wo wir noch 4 Tage bleiben wollten. Leider braucht die Fähre fast 6 Stunden über den See, was ich vorher nicht wusste. Also sind wir von Riva mit der Fähre nach Limone und hatten die Idee mit der Gondel auf den Monte Baldo zu fahren, dann mit dem Zug weiter.

Wir haben dann aber einen Shuttle erwischt und haben uns hochfahren lassen. Mit Kommot habe ich mir eine Route ausgewählt und wir sind dann in die bisher schwerste Tour gekommen. Ziemlich steinig, verblockt, steil, nass und rutschig, teilweise nahe an einem Abgrund. Technisch anstrengend und auch mental.

Bei bestem Wetter von Riva nach Limone mit der Fähre über den See.

7.tagfhre

 

Ups, dass mit der Seilbahn auf den Montebaldo hätten wir uns anders vorgestellt!

7.tagseilbahn
Schlechte Idee! Hunderte von Menschen standen an der Gondel an.

Vom Montebaldo in Richtung Borghese sind wir mehr durch Zufall in unsere schwerste Tour gekommen. Steil, verblockt, ein würdiger
Abschluss!
7.tagdonhill

7.tagdownhill2

Letztendlich hat uns meine Frau mit dem Auto aufgepickt und so war dann die Tour zu Ende. Wir hatten noch vier Tage Urlaub in denen wir die Räder nicht angefasst hatten.

Auf dem Rückweg hatten wir nochmal in dem tollen Hotel in Trento Pause gemacht. Nochmal die Villa Madruzzo: Diesmal tolles Zimmer im historischen Teil, nochmal Spa, nochmal das geilste Tatar, dass ich je gegessen hatte. Das Hotel liegt eingezäunt in einem Park, Zaun und Mauer drum, Videoüberwacht. Deshalb hatte ich auch die Räder auf dem Auto gelassen. Abgeschlossen, noch zusätzlich mit einem Schloss gesichert.

8.tagradweg

8.tagradweg2
Aua, dass sieht nicht gut aus!

Am nächsten Morgen waren die Räder weg!

Radträger leer! Schlösser geknackt! Unglauben und lange, traurige Gesichter bei uns.

Unglauben, Frust, so ein blödes Ende von einer großartigen Tour. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Ich hatte meine Versicherung noch angerufen, die haben aber sofort abgewinkt, nix versichert.

Unsere Ansprechpartnerin aus dem Hotel bat uns um Ruhe und etwas Zeit das ganze zu klären. Sie war auch völlig entsetzt, so etwas gab es in den 10 Jahren, die sie dort arbeitete noch nie. Nach einer Stunde kam sie und sagte, dass ihre Versicherung das wohl auch nicht übernehmen würde, da die Räder nicht eingeschlossen waren. Sie spricht aber mit dem Manager und wir würden eine Lösung finden.

Eine Stunde später gab es ein Meeting mit dem Hotelmanager. Sie hatten die Videoaufnahmen ausgewertet. Um ca. 3 Uhr nachts kamen zwei maskierte Männer auf das Gelände und haben die Räder gestohlen.

Was dann kam, war unglaublich! Man fragte nach dem Wert der Räder, den ich mit 3 – 3 1/2tsd. Euro bezifferte. Dann bat man um eine schriftliche Aussage, um meine Ausweis für eine Kopie und dann ist der Manager mit mir zu Bank gefahren und hat uns die veranschlagte Summe überwiesen. Einfach so!

Das war so unglaublich. Nicht nur wegen dem finanziellen Verlust. So ein Diebstahl ist nicht nur Geld, sonder auch die Räder, mit denen wir unterwegs waren, waren weg. Das fühlte sich ungeheuer beschissen an. Und dann wird diese Frustration einfach wieder aufgelöst. Das Hotel hat sich zusätzlich noch einmal entschuldigt und uns noch zum Mittag eingeladen. Das war eine Reaktion, die wir nie erwartet hätten!

Als ich am nächsten Tag zu Hause war, war das Geld bereits auf dem Konto. Wir haben uns am nächsten Tag bei einem lokalen Händler ein Trek Remedy 9 und ein EX 8 zugelegt und rollen schon wieder durch den Wald.

Was bleibt? Eine Erfahrung mit allen Gefühlslagen, eine intensive Zeit mit meinem Sohn, der Stolz das gepackt zu haben, phantastische Eindrücke, großartige Momente, Erschöpfung, Freude, Traurigkeit, Glück – alles zusammen in so einer kurzen und intensiven Zeit.

Falls jemand was ähnliches plant, könnt Ihr Euch bei mir melden. Ich gebe unsere Erfahrung gerne weiter.
Bis dahin!

Peter