Stuttgart – Venedig – mit Alpencross – Juni 2018

Strecke und Team

Ich wollte einfach in Stuttgart starten. Zweimal bin ich schon auf eine längere Radtour gegangen und jedes Mal sind wir erst mal ein paar hundert Kilometer mit dem Zug gefahren. So wäre es auch dieses Mal gewesen, denn der eigentliche Alpencross hätte in Ramsau begonnen. Da hätten wir aber mit dem Auto oder Zug einen halben Tag hin gebraucht. Also gabs die Idee zum Prolog ab Stuttgart.

So grob unsere Route von Stuttgart über Ulm, Augsburg, München, Ramsau, Pfitscher Joch, Rodenecker Alm, Sterzing, Abtei, Alleghe, Seren del Grappa, Montebelluna, Lido di Jesolo.
Tagesetappen, Kilometer, Höhenmeter, Orte und Unterkunftskosten

Und unser Team, am Anfang noch verstärkt von meiner Frau Alexandra und Freunden, die uns bis Augsburg begleitet haben.

Das erweiterte Team für die ersten beiden Tage mit Warren, Ingrid, Peter und Nick.

Und hier das KERNTEAM

 

Freitag, 15. Juni 2018 (Tag 1)
Der Prolog zum Prolog, 57 km, 650 Hm.

110 Kilometer für die erste Etappe von Stuttgart nach Unterelchingen war meinen Mitfahrern zu viel. Sie wollten am Samstag mit der S-Bahn nach Schorndorf oder Göppingen fahren und ab dort in die Tour einsteigen. So bin ich einen Tag früher nach Göppingen aufgebrochen, um wirklich ab Stuttgart loszufahren. Die kleine Etappe war dann eher mäßig unterhaltsam. Die Strecke war weitgehen langweilig mit viel Straße, viele Autos und nur mäßig schön.
Meine Frau Alexandra ist dann aber noch mit dem Auto und unserem Hund gekommen und wir haben in einem kleinen Gasthaus in Eislingen übernachtet. Das war dann ein netter Abend und noch ein schöner Spaziergang am nächsten Morgen und irgendwie auch schon wie Urlaub.

Einfach aber ganz nett und gemütlich.
Und die mäßig spannenden Tourdaten.

 

Samstag, 16. Juni 2018 (Tag 2).
Prolog der Gruppe: Göppingen –> Unterelchingen, 50 km, 620 Hm

So gegen 11 Uhr kamen die anderen am Gasthaus vorbei und haben mich abgeholt. Über diverse Radwege nach Elchingen ins schöne Landgasthaus Zahn. Das Wetter war prima, wir sind früh ankommen. Also Füße hochlegen, den Tag genießen und gut Essen. 

 

Sonntag, 17. Juni 2018 (Tag 3).
Prolog der Gruppe: Unterelchingen –> Augsburg, 69 km, 680 Hm

Abschied von Alexandra und wir starten Richtung Augsburg. Immer noch „Prolog-Geplänkel“. Super Wetter, viel Teer, Schotter. In Augsburg verabschieden wir uns von Warren und Ingrid. Das Team schmilzt zusammenm wie auch die Teams nach der Vorrunde bei der Fussball WM. Wir essen Pizza. Deutschland ist noch im Turnier, hatte es heute aber schon geschafft, gegen Mexico zu verlieren.

Montag, 18. Juni 2018 (Tag 4).
Prolog letzter Teil: Augsburg –> S-Bahn durch München –> bis zum Berghotel Sutten, 79 km, 860 Hm

Der quasi letzte Tag im Prolog und mehr oder weniger eine normale Fahrradtour. So langsam reichte es auch mit Straße und Zivilisation. Immerhin kommen wir an schönen Gegenden vorbei. Gegen Nachmittag sehen wir auch so langsam die ersten Berge. Es geht vorbei am Tegernsee und über Rottach-Egern und dann endlich der erste richtige Anstieg hoch zum Berghotel Sutten. Passend wirds auch etwas kälter.

 

Dienstag, 19. Juni 2018 (Tag 5).
Berghotel Sutten nach Mayrhofen, 78 km, 1073 Hm

Nachdem wir am Vorabend etwas den Berg hochgekurbelt sind, ging es heute zunächst bergab. Endlich in den Bergen. Etwas wolkig und noch frisch am Morgen aber das fühlte sich doch schon anders an als die Tage zuvor.

Und bald sollte jetzt auch der erste Trail auf uns warten. Hier hätte ich aber eher auf die freundliche Stimme von Komoot hören sollen. Den linken Weg nehmen. Der rechte hier sah aber doch so viel besser aus.

Wenn ich mir das Bild jetzt so recht anschaue, dann sind wir hier über die Grenze nach Österreich. Dass da ein Verbotsschild für Fahrräder drauf ist, sehe ich erst jetzt aber der Grund erschließt sich mir nachträglich durchaus.

Zunächst gut fahrbar und unterhaltsam, wurde es dann doch unwegsamer.

und dann war er nicht mehr fahrbar und wir haben bestimmt eine gute Stunde geschoben und getragen.

Schön ist die Landschaft aber schon geblieben. Hier waren auch die Schuhe mit steifer Sohle nicht so toll und rutschig. Irgendwann sind wir dann quer über einen „Klettersteig“ so 300 Meter quer durchs Gelände und waren dann wieder auf einem normalen Forstweg. Das Wetter war warm, die Landschaft idyllisch und so sind wir dann final bis nach Mayrhofen gerollt. Das Haus Oblasser war mit 60€ inkl. Frühstück gut und günstig aber etwas außerhalb vom Ort.

 

Mittwoch, 20. Juni 2018 (Tag 6).
Von Mayrhofen zum Pfitscher Joch 38 km, 2056 Hm

Dieser Tag sollte uns einige Kraft kosten. Schon Flo hatte in seiner Beschreibung von der vermeintlich kurzen Strecke gewarnt, weil sie sich doch in die Länge zieht. Die Tour war mit etwas über 1.800 Höhenmetern angegeben. Ganz interessant ist auch, dass Strava in seiner Streckenaufzeichnung hier nah an den vorgegebenen Werten dran ist. An anderen Stellen ist das bei Strava mit den Höhenangaben oft nicht nachvollziehbar.

 

Angefangen hat der Tag mit einem üppigen Frühstück im Haus Oblasser. Essen ist halt auch schon ein Highlight bei so einer Tour, zumal man wirklich viel Nahrung in sich reinstecken kann, wenn man den Tag unterwegs ist.

Am Abend vorher hatte Nick angefangen zu husten und die Nase fing an zu laufen. Bei mir wären das keine guten Vorzeichen, denn mich legt es dann meist mit Fieber und völliger Schlappheit um. Er scheint da etwas robuster zu sein. Nach einem guten Frühstück haben wir in Mayrhofen noch diverse Apotheken und Drogerien mit unserem Besuch beglückt.

Dann ging es los. Erst mal ein knackiger Anstieg über eine Wiese und ein steiles Stück hochschieben. Dann auf und parallel der Teerstraße, immer den Berg hoch.

Die Straße geht immer leicht bergauf aber easy zu fahren.
Warm war es auch, also Helm runter. Rasieren könnte ich mich auch mal wieder.

So sind wir das Tal hochgetreten. Kilometer um Kilometer ging es mehr in die Berge rein und auch die Landschaft war wunderbar. Die Autos wurden weniger, die Häuser auch. Links und rechts ging es hoch und wir haben uns gefragt wo wir dann die hohen Berge passieren werden.

 

Was für eine geile Location!

Pause gabs auf einem idyllischen Berggasthof. Superschön. Das erste (alkoholfreie) Weizenbier. Flasche auffüllen, durchschnaufen und weiter geht es den Pass hinauf in Richtung Staumauer und Schlegeisspeicher.

Die Staumauer kommt in Sicht. Das ist von der Höhe her etwas mehr als die Hälfte des Tages. Wir sind beide schon einigermaßen platt und brauchen eine Pause. Der erste Kiosk gehört uns. Fritten, zweites alkoholfreies Bier, Kuchen, Kaffee und ich schlafe wirklich für einige Minuten auf einem der Liegestühle unter dem Sonnenschirm ein.

Weiter geht es nach der Pause am See entlang und dann auf einem Wanderpfad in Richtung Pfitscher Joch.

Zunächst noch recht gut fahrbar, teilweise müssen wir aber schon schieben, weil der Weg doch zu verblockt ist. Haufenweise kommen uns auch Wanderer und Spaziergänger entgegen. Raufwärts geht kaum noch jemand. Und: Die Landschaft wird immer schöner. Es ist wirklich toll hier zu sein!

Kurz vor dem letzten wirklich fiesen Stück kommt nochmal eine bewohnte Almhütte. Wasser auffüllen und ein Foto von einem netten kleinen Mädchen machen, dass mir stolz die junge Katze präsentiert.

Der letzte Anfstieg ist auf einem steilen Schotterstück – und der zieht sich elend lang und steil den Berg hoch. Nick schiebt, er ist auch durch die Erkältung etwas geschwächt. Ich trete im kleinen Gang hoch. Das Pfitscher Joch Haus kommt langsam in Sicht. Wir sind jetzt auf 2.250 Metern. Es ist deutlich kälter geworden und die ersten noch verbliebenen Schneefelder tauchen auf. Ich bin dann doch eine Viertelstunde vor Nick oben und bestelle uns – und diesmal ein vollwertiges Belohnungsbier.

Wir sitzen dann noch einige Zeit draußen und sind ziemlich beeindruckt von der Landschaft, vom „ausgesetzt“ sein. Ein 360° Panorama nur mit Bergen und nach und nach geht auch noch phantastisch die Sonne unter und zeichnet ganz eindrucksvolle Lichtspiele in den Himmel.

 

Donnerstag, 21. Juni 2018 (Tag 7).
Vom Pfitscher Joch nach Rodeneck, 73 km, 1.113 Hm

Jetzt bin ich genau 7 Tage unterwegs. Halbzeit und irgendwie kann ich gar nicht glauben, dass die Zeit so vergeht. Monatelang hat man sich auf die Tour vorbereitet, geplant, überlegt, gezittert ob die Gesundheit und das Wetter halten und nun sind wir mittendrin. Bisher ist alles super verlaufen. Vor allem mit dem Wetter haben wir viel Glück. Die heutige Etappe ist doppelt so lang wie gestern und hat nur die Hälfte der Höhe. Der Tag sollte recht beschwingt und locker verlaufen, weil wir den ersten Teil der Strecke einfach in einem Affentempo bergab rollen.

Eins meiner größten Probleme auf der Tour ist, dass ich immer so früh aufwache. Das ist mal um halb sechs, mal um halb sieben aber ich kann einfach nicht länger schlafen. Zuhause ist das, vor allem im Sommer auch so aber da stehe ich halt auf. Hier gibt es meist erst später Frühstück. Auf dem Pfitscher Joch bin ich morgens etwas „wandern“ gegangen und wollte mir den angegebenen S2 Trail ab dem Haus mal anschauen. Das war auch gut so.

Der obere Teil vom Trail sah nicht wirklich gut fahrbar aus, der nachfolgende Teil lag noch unter Schnee. Wenig einladend.

Nick hab ich dann geweckt, es war ja schließlich schon halb 8. Seine Erkältung wurde nicht unbedingt besser aber auch nicht schlimmer. Vielleicht haben ja die Medikamente auch etwas geholfen. Das Bild sieht eher nach Krankenhaus als nach Alpencross aus.

Und los gings nach dem Frühstück. Arschkalt also Jacke an. Wetter gut und über tausend Höhenmeter nach unten. Leider nur über Forstwege, keine Trails drin. Die fing ich so langsam an etwas zu vermissen.

In Sterzing mussten wir nochmal Pause machen, weil das Lenkkopflager von Nick immer locker war. Das Votec hatte keine eingeschlagene Kralle, sondern ein anderes System und das wollte nicht richtig. Für 10€ hatte uns ein kleiner Radladen den einzigen kleinen technischen Defekt, den wir auf der gesamten Tour hatten behoben.

Und irgendwann kam mir die Stecke bekannt vor. Der Fluss, die alte Befestigungsanlage und dann Mühlbach. Richtig, hier war ich mit Luca bei unserem ersten Alpencross und wir haben am Kirchplatz übernachtet.
Für uns hat es zu einem (alkoholfreien) Bier gereicht.

Ab Mühlbach begann der Anstieg in Richtung Rodenecker Alm. Auf einem gut fahrbaren Forstweg den Berg hoch, dann etwas Straße. An der Stelle sind wir dann etwas von Florians Tour abgewichen, weil die beiden Hütten auf der Rodenecker Alm ausgebucht waren. Leider gab es zu den Hütten keine weiteren Alternativen auf dem Berg und wir hätten wieder deutlich ins Tal abfahren müssen. Also haben wir die Etappe an dem Tag um etwa 15 km und 800 Höhenmeter gekürzt und sind im familiengeführten Hotel Schönblick in Rodeneck untergekommen.

Das Wellnesshotel hatte 4*. Die 170€ für die Nacht hörten sich zunächst viel an aber das Haus war super: Ein großes Schwimmbad, Sauna, Dampfbad, Ruheecken und vor allem noch inkl. Nachmittagsessen mit Salat, Suppe und Früchten, Sektempfang am Abend, danach ein 4 Gänge Menü und am nächsten Morgen ein super Frühstück. So gerechnet war das eigentlich günstig, zumal die Kosten ja durch zwei geteilt wurden.

Erster Gang
Hauptgang

Übrigens hatte an dem Tag passend zu unserem Wetterglück kurz nach unserer Ankunft ein heftiges Gewitter getobt.

 

Freitag, 22. Juni 2018 (Tag 8).
Von Rodeneck nach Stern, 59 km, 2.099 Hm

Heute hätten wir mit viel Höhe am Anfang beginnen müssen, weil wir von der Etappe vom Vortag ungefähr 15 km rausgenommen hatten. Entsprechend hätten wir erst mal auf die Höhe der Tour kommen müssen und das wären 900 Höhenmeter gewesen. Nick war eh angeschlagen und ich auch nicht so scharf drauf. Für 30 € hat uns dann ein Taxi mit Hänger abgeholt und zum Eingang der Rodenecker Alm gebracht.

Ab hier ging es weiter auf Schotterstrecken und weiter den Berg hoch. Die Landschaft wurde dabei wieder offener, schöner und die Wiesen waren teilweise so voll mit Blumen, dass man das Gras kaum noch gesehen hat.

So langsam kamen dann auch ein paar Trails dazu, erst über Wiesen, dann durch ein nettes Wäldchen. Dahinter wäre die Hütte zur Rodenecker Alm gekommen. Sah toll aus dort aber leider war sie voll und im Schönblick hatten wir uns auch wohl gefühlt.

Auf den kleinen Wegen kamen wir nur mäßig schnell voran und die Fahrt wurde immer wieder von Gattern für das Vieh unterbrochen. Und dann lagen sie irgendwann vor uns. Die Dolomiten, denen wir uns jetzt näherten.

Langsam bekamen wir Hunger und passend kam aus dem Nirgendwo eine Hütte.  Sehr klein, dass wir erst mal nachgefragt haben, ob wir hier etwas zu essen bekommen. Aber sicher meinte die Oma, die dort im Sommer auf dem Berg lebt. Es gab Suppe und Käsklöße mit Brot und alles handgemacht und auf dem Holzofenherd mit Liebe und Langsamkeit zubereitet.

Kurz nach dem Mittagessen habe ich mich dann von Nick getrennt. Wir hatten erst gut die Hälfte der Strecke und vor allem der zu fahrenden Höhe und über die Trails ging es doch relativ langsam voran. Ich bin der Tour von Flo gefolgt und über einen netten Trail so die ersten hundert Höhenmeter in Tal geschwebt. Super. So könnte es weitergehen.

Dann gings wieder hoch und oben bin ich alleine am Pass angekommen. Dabei ist mir eingefallen wie intelligent wir uns geteilt hatten. Ich hatte die Pumpe, Nick die Ersatzschläuche. Hier hätte uns ein Plattfuß wirklich Nerven und Zeit gekostet. Ist aber nix passiert.

Jetzt links abbiegen und dann nur noch ahhhhhh und ohhhhh sagen. Phantastische Landschaften!!!

 

Dann einmal um den Klops hier rum, neue schicke Aussichten bestaunen und dann über einen Trail lange nach oben schieben. Der Anstieg war „scheißsteil“ auch, wenn das hier auf dem Bild kaum rüberkommt.

Oben dann die neue Aussicht, wo es hingeht. Irgendwo dahinten liegen dann Stern und Alta Badia oder wie die Dörfer dort alle heißen. Vor allem verwirrend, weil die 3-5 Ortsnamen haben, je nach Sprache.

Jetzt sollte eine lange Abfahrt kommen und nachdem ich mich schiebend den Trail hochgequält hatte, freue ich mich auf die Trails nach unten. Die kamen aber nicht. Der ganze Weg ins Tal ging über geschotterte Forststraßen dann sollte noch ein letzter langer Aufstieg kommen.

Schön aber ohne Trails ging es den ganzen Berg hinab.

Zu guter Letzt habe ich kurz vor dem Ziel in Stern noch den kleinen Hauslift im Ort erwischt (Lifthöhenmeter hab ich in der Tagesangabe korrigiert).

Die Gegend kannte ich ja schon vom letzten Mal. Oben bin ich einem kleinen Wanderweg gefolgt, der technisch recht anspruchsvoll war und dann auch steil über Geröll nach unten direkt zum Hotel geführt hat. Das hat mich für die fehlenden Trails des Tages etwas entschädigt.

Von den landschaftlichen Eindrücken her war das einer der schönsten und beeindruckendsten Tage. Hinter jeder Ecke und nach jedem Teilstück ein neuer fantastischer Ausblick, bestes Wetter. Vögel zwitschern, Bienen summen. Das war schon ein Glücksgefühl hier unterwegs zu sein!

 

Samstag, 23. Juni 2018 (Tag 9).
PAUSENTAG

Ruhe, Essen, rumgammeln, Sauna. Das war für den Pausentag geplant. Das Essen im Hotel Christallo war super. Abends 5 Gänge, das Frühstück üppig. Vor allem war die Pauschale für das Abendessen mit 20€ pro Person mehr als fair. Das einzige war, dass das Hotel etwas weit außerhalb vom Ort lag.

Unsere Fahrräder haben wir übrigens kaum im Skiraum unterbringen können. Das war knallvoll mit Rennrädern. Schicke Ausstattungen, viel Carbon, viel klingende italienische Namen von diversen Edelschmieden. Dazu die ganze Hütte voll mit Radlern. An dem Wochenende war die Sella Ronda – Sprich die Pässe rund um die Sellagruppe waren für den Autoverkehr gesperrt. Und da sind hunderte von Rennrädern an uns vorbeigefahren.

Wir hatten dann einen kleinen Spaziergang gemacht. Hoch zum Berggasthaus Gardenacia mit dem vielleicht besten Kaiserscharrn überhaupt.

Und am Nachmittag ging es dann mit großen Anstrengungen weiter. Es folgten die Sauna und das Abendessen. Der Nachtisch war sogar mit Valrhona Schokolade falls das jemandem was sagt. 

 

Sonntag, 24. Juni 2018 (Tag 10).
Von Stern nach Alleghe, ca. 65 km, ca 1.700 Hm hoch, ca. 3.000 Hm bergab

Trails, Trails. Ich will Trails! Heute sollte ich sie bekommen. Los ging es erst mal locker ein paar Kilometer das Tal runter und dann per Lift hoch zum Hopsitz.

Gut, dass mein Gehirn festgewachsen ist! Schon vor zwei Tagen hatte ich es geschafft, eine meiner beiden Unterhosen liegen zu lassen. Bei 2 Stück gesamt schon mal eine Leistung. Jetzt war auch die Trinkflasche weg. Die hatte ich wohl unten am Lift liegen lassen. Danach hab ich gemerkt, dass mein zweites Trikot und mein einziges Hemd auch fehlten. Die waren noch im Schrank im Hotel Christallo. Der Rucksack wurde also immer leichter. Viel mehr als fünf Kilo hatte der nicht mehr und überhaupt hat uns die Beschränkung beim Packen gut geholfen. Man braucht einfach nicht viel auf der Tour.

Mit leichtem Rucksack ging es dann in den von Flo versprochenen ersten Traumtrail runter nach St. Kassian. Der war in der Tat lang und einfach zu fahren. Landschaftlich war er so schön, dass man dachte, man fährt von einem Postkartenmotiv zum nächsten.

Am Pausentag hatte ich auch noch einen kleinen Bikepark am Piz de Surega mit Flowtrail ausfindig gemacht. In St. Kassian musste man kurz nach links abbiegen und mit dem Sessellift hochfahren. An Bikeparks gibt es sicher sensationelleres aber der Trail selber war lang und flowig mit vielen Steilkurven. Er hatte zwar keine Sprünge drin, hat dafür aber auch Nick Spaß gemacht .

Danach kam wieder ein langer Aufstieg zum Falzaregopass-Pass. Wir sind hauptsächlich die Straße hochgekurbelt und ich hätte gerne das schwere Fully gegen mein Rennrad getauscht.

Am Pass oben pfiff ein saukalter Wind und in der Kneipe oben treffen sich so ziemlich alle, die über den Pass fahren. Wanderer, Rennradfahrer, Motorradfahrer. Das Essen war nicht ganz billig aber lecker und die Pause nötig.

… und das schon obligatorische alkoholfreie Weizenbier!

Flo hatte in seiner Beschreibung geschrieben, dass jetzt noch schöne S1 Trails folgen und man dann 450 Höhenmeter mit dem Lift abkürzen könnte. Die letzten 200 Höhenmeter wären dann steil und hier hätte er noch niemanden durchfahren sehen.

Mit einer guten Enduro würde man schon hochkommen. Mit dem Rad nimmer. Sieht wieder mal nicht so steil aus, war es aber. Oben war dann auch Ende mit Wiesen und Bäumen. Ich meine das waren etwas über 2.500 Metern Höhe. Nur noch Steine und Geröll.

Bei der Planung hatte ich bei Komoot noch einen Trail gefunden und den mit eingebaut. Leider sind wir erst mal falsch gefahren, sacksteil auf grobem Schotter nach unten. Nick hat geschoben aber die Blöße wollte ich mir natürlich nicht geben. Etwa zwei Meter weiter habe ich „auf der Fresse gelegen“. Finger blutig, Knie blutig, Knöchel dick. Mehr war nicht. Umdrehen, Berg hochschieben und in den kleinen steinigen Trail rein. Schwer war er nicht aber stürzen sollte man auch nicht, vor allem nicht nach links unten. Nur noch grobes Steinwerk und recht rutschig.

Nach dem „Steingarten“ ging es weiter über Wiesen und schier unendliche Trails immer weiter den Berg runter.

und weiter runter bis man es kaum noch glauben konnte.

und als wir dachten, jetzt sind wir unten, haben wir gesehen, wo wir hinmüssen. Ganz links, der See. Da liegt Alleghe, unser Ziel für heute und dahin geht es nochmal kräftig runter. Sollte uns ja recht sein. Besser als hoch.

In Alleghe war auch die Stelle, wo Italien sehr viel mehr spürbar wurde. Das Sporthotel hatte den Charme der 80er Jahre. Deutsch wurde nicht mehr gesprochen. Die ganze Architektur hatte sich geändert. Und, auf Nachfrage haben wir sogar noch ein Zimmer mit Blick auf den See bekommen. Dazu wartete Regen mit seinem Einsatz, bis wir unser Bier fertig getrunken hatten.

Die einzige Blessur auf der Tour und die hat nicht weiter gestört.

Das war ein langer und ziemlich geiler Tag! Bei Bedarf nach Trails war erst einmal gestillt!

 

Montag, 25. Juni 2018 (Tag 11).
Von Alleghe nach Seren del Grappa, 80 km, 1.700 hm.

Heute war die Strecke wieder etwas länger. Interessant mal wieder die unterschiedlichen Höhenwerte. Flo hatte 1070 Höhenmeter angegeben, Strava hat am Ende 1.700 Höhenmeter notiert. Letztendlich ist es für unsere Leistung auch nicht wichtig. Wir waren ja nicht auf Rekordjagt. Für die Planung ist das aber nicht ganz unrelevant.

Das meiste heute war Teerstraße und trotzdem ein sehr schöner Tag. Übrigens der erste Tag an dem es auf der Tour einmal leicht getröpfelt hatte. Mehr aber auch nicht.

Auf der ganzen Strecke waren unglaublich wenig Autos unterwegs. Der Wind hat uns durch das Tal ganz schön entgegengepfiffen. Gut, dass es stetig leicht bergab ging.

Schöne Bergdörfer gabs auch zu sehen. Man hatte aber schon langsam das Gefühl, dass die Berge nicht mehr so hoch waren. Aus dem Hauptkamm waren wir raus.

Seren del Grappa war ein kleines Kaff. Unsere Unterkunft war originell und erst mal schwer zu finden. Man konnte aber jeden im Ort fragen, so klein war das. Das Zimmer war auch klein, die Räder haben wir aber doch mit drin untergebracht, weil sie sonst draußen im Hof gestanden hätten und das wollten wir dann doch nicht. 

So richtig viel Unterhaltung gabs im Ort nicht und bis zum Abendessen hatten wir dann doch noch zwei oder drei Stunden Zeit. Der „Stadtrundgang“ war nach vier Minuten und nach der Umrundung der Kirche auch beendet. Immerhin gab es zwei Kneipen und die wurden lustig von einigen skurrilen Gestalten abwechselnd frequentiert. So etwa wie beim Pingpong. Wir haben uns dann den Einheimischen angeschlossen und schon mal ein paar Drinks für die gute Laune genehmigt. Die waren auch so günstig, dass man ja kaum wiederstehen konnte. Der Longdrink für zwei Euro, das Glas Hauswein meine ich für 1,50 € im Kopf zu haben und der Espresso für 80 Cent.

Abends haben wir dann in der wirklich sehr originellen Pizzeria gegessen. Sehr schräge Location, ziemlich groß und unsere Bestellungen haben mangels Sprachkenntnis für reichlich Verwirrung gesorgt. War aber lustig und das Essen auch gut.

 

Dienstag, 26. Juni 2018 (Tag 12).
Von Seren del Grappa nach Vedelago, 80 km, 1.700 hm.

Wir routen die Tour um. Nick hatte es vor der langen Strecke und den vielen Höhenmetern auf den Monte Grappa gegraust. Und so richtig scharf war ich auch nicht mehr drauf. Wir hatten beide das Gefühl, dass wir fast aus den Bergen draußen waren. Es war unser vorletzter Tag und den wollten wir dann etwas lockerer angehen, quasi vor dem Ziel schon etwas entspannt ausrollen. Dazu kam, dass ich mal in Bassano del Grappa war und mir das ganz gut gefallen hat.

Bei Booking.com bin ich dann auch auf ein ganz cooles Hotel gestoßen. Das war die einzige Nacht, die ich noch nicht vorgebucht hatte. Gut so! Ihr seht gleich warum.

Die ersten Kilometer gingen ziemlich scheußlich an einer großen Straße lang, durch ein paar Tunnel. Dann kamen wir wieder auf kleine unbefahrene Straßen, an netten Dörfern und Seen vorbei.

Dann ging es auf einen Radweg in Richtung Bassano del Grappa. Auch hier wieder Idylle pur. Leicht bergab und ich meine auch noch etwas Rückenwind. Richtig Italien mit netten kleinen Dörfern, einigen freundlich grüßenden italienischen Rennradfahrern, die uns ein legeres „Tschauuu“ zuriefen.

Dann ging es durch Bassano. Schöne Stadt und zu der Jahreszeit auch noch ziemlich leer.

Ein Eis, klar, obligatorisch. Im Laden gegenüber hab ich mir dann auch gleich noch ein T-Shirt gekauft. Gar nicht mal so hässlich und für nur 9,99€ im final Sale. Jetzt hatte ich wieder zwei Shirts und das war auch ganz gut, denn so langsam kamen wir wieder in die Zivilisation.

Leicht gestärkt ging es dann weiter in Richtung Hotel. Jetzt mehr über Landstraße. So nach einer guten Stunde waren dann auch die Berge weg. Man sah sie noch hinter uns aber wir waren deutlich draußen. Die Tour neigte sich dem Ende zu, dass war spürbar.

Aber ein Highlight kam noch: Eine angemessene Unterkunft für die Alpenbezwinger.

Unser Hotel. Erst wurden wir angesprochen, wie man uns helfen könne. Wahrscheinlich haben wir nicht so ganz der üblichen Klientel entsprochen. Das Haus war als 4*S klassifiziert. Wir wurden dann aber doch entsprechend höflich empfangen und zu unserem Zimmer gebracht.

Einen Pool hatte die Hütte übrigens auch. Und eine schicke Bedienung mit den Hugos für uns. Der Pool war auch nicht wirklich überfüllt.

Und dann gabs natürlich noch das standesgemäße Abendessen dazu und den finalen Rotwein im Kaminzimmer.

Herzoglich ging es danach in die Nachtruhe.

 

Mittwoch, 28. Juni 2018 (Tag 13).
Das Finale: Von Vedelago nach Lido di Jesolo, 77 km, 1.70 hm.

Kilometer 

Die letzte Etappe war dann eher mäßig. Viel flach, viel Straße. Treviso als Stadt war noch ganz nett. Danach sind wir mehr oder weniger dem Radweg München – Venedig gefolgt.

So ging es dann immer am Fluss entlang. Noch eine Pause auf einem ganz netten Markt.

und dann ging es noch ewig und gezogen wie Kaugummi die letzten Kilometer an der Lagune lang. Dazu noch Gegenwind und die kleinen Orte für eine Mittagspause blieben auch aus oder waren wenig einladend. So sind wir dann weiter bis nach Lido di Jesolo. Flo hatte was von einem eindrucksvollen Moment geschrieben, als sie am Stand angekommen wären und dort ein Bier getrunken hatten. Wir haben den Strand kaum gefunden. Vor lauter Liegestühlen und von einem Strandwächter sind wir dann erst mal vom Fahrrad geholt worden: „Schieben bitte“.

Irgendwann kam dann aber doch die kleine Strandbar. Und hier gabs dann auch das Bier und was zu Essen und die Laune hob sich wieder merklich.

Irgendwie unspektakulär sind wir angekommen. So ein richtig erhebendes Gefühl, dass wir am Ziel sind, wollte sich gar nicht so richtig einstellen. Zum einen voll von den Eindrücken der letzten zwei Wochen, auch etwas platt und froh da zu sein und auch so ein wenig Melancholie, dass die lang geplante, heiß ersehnte und dann fantastisch verlaufende Reise nun zu Ende geht. Wir hatten es geschafft und wir sind angekommen. Ohne Beulen, Blessuren, ohne technische Defekte, Ausfälle. Mit fantastischem Wetter und wunderbaren Eindrücken einer fantastischen Natur. Auch, dass es mit Nick und mir über zwei Wochen so gut geklappt hat ist nicht selbstverständlich. Vielen Dank auch an Ihn an dieser Stelle.

 

Mittwoch, 29. Juni (Tag 14) und Donnerstag, 30. Juni 2018 (Tag 15).
Pause, Packen, Organisatorisches und Heimreise

Für die letzten beiden Tage hatten wir ein cooles Appartement ganz am Ende von Lido die Jesolo im Jachtclub. Recht neu, recht modern. Etwas ab vom Strand und vom Trubel. Wobei wir die letzte Woche vor den Sommerferien hier unten waren. Von daher war es noch überschaubar leer. Wir hatten vermutet, dass es in der Hochsaison wahrscheinlich Blockabfertigung gibt, wenn man ins Wasser will. Über etwa sechs Kilometer ziehen sich am Strand Liegestuhl an Liegestuhl.

Wir haben dann unseren Mietwagen am Flughafen abgeholt. Das ging ganz gut mit dem Bus. Davor hatte ich schon einen Radladen ausgekundschaftet und dort hatte man uns zwei Fahrradkartons versprochen. Per Auto ging es dann in den nächsten Baumarkt. Verpackungsmaterial kaufen, dann wieder zum Radladen, dann noch etwas einkaufen, heim, Essen und dann so langsam die Räder verpacken.

Die Radkisten waren übrigens recht groß. Viel musste man gar nicht auseinandernehmen. Dafür passte noch etwas Gepäck mit in die Kisten. Offiziell ist das nicht erlaubt, kontrolliert hat das aber niemand.  Die Kisten selber passten dann auf zwei Zentimeter genau in den Golf Variant, den wir hatten. Abends waren wir nochmal nett Essen, morgens nochmal am Meer und die restliche Zeit bis zum Abflug haben wir irgendwie vertrödelt.

Am Flughafen wurde es dann nochmal spannend: ob die Räder so einfach mitgenommen werden? Das war noch etwas hin- und her, weil man mit den großen Kisten doch erst zum Check-In-Schalter musste, dann zum Übergepäckschalter. War aber alles kein Problem, zumal unsere Maschine noch knapp zwei Stunden Verspätung hatte.

Der spannendste Moment war nochmal die Gepäckkontrolle, weil der riesige Karton in Schräglage grad mal auf einen Zentimeter durch den Scanner ging. Schwein gehabt, sonst hätten wir alles nochmal auspacken müssen.

Rechts kommt grad das Rad von Nick aus dem Scanner und meins wird schon zum Flieger transportiert.

Mit dem Flieger ging es dann in weniger als anderthalb Stunden zurück nach Stuttgart. Dort direkt in die S-Bahn und ab in die Stadt, wo meine Frau uns dann abgeholt hatte.

Zuhause gabs dann noch ein nettes Abendessen zusammen, angemessen viel Wein und die Erzählungen von unseren Abenteuern und Erlebnissen in ähnlich epischer Länge wie hier in diesem Bericht.

 

 

 

Stuttgart – Venedig / Juni 2018 / Vorbereitungen

Luca will nicht mehr!
Schon nach unserer letzten Frankreichtour 2016 zeichnete sich ab, dass Luca immer weniger Lust hatte zum Radfahren. Mein Radpartner war weg. Entschwunden in Richtung Pubertät und in Abenteuer, die die Kinder eher abseits der Familie mit Freunden erleben.

Ich bin dann 2017 über 7500 km auf dem MTB und Rennrad gefahren. Und immer wieder kam der Gedanke: Einfach weiterfahren, übernachten, in „ferne Länder“.

Ein neuer Projektgedanke: Der Nick!
Vor gut 30 Jahren hatte ich Sport studiert. Mit Nick teile ich seither einige Gemeinsamkeiten. Wir sind bis auf zwei Wochen gleich alt, sind gleich groß, selbe Schuhgröße und privat verbindet uns eine lockere und kontinuierliche Freundschaft. Im Herbst 2017 erzählte ich ihm von der Idee eine Radtour zu machen. So 5 Tage und ob er nicht Lust hätte mitzukommen. Da er sich im Sommer ein Hardtail gekauft hatte, passte das auch ganz gut.

Peter links, Nick rechts

Die Vorgaben waren: Herausforderung ja, verbissene Leistung nein. Etwas Abenteuer. Gutes Essen, tolle Landschaft und ein Ziel. 5-7 Tage, Berge und Natur.
Eher Waldwege und leichte Trails, ein Lift darf auch mal dabei sein. Das ganz im Juni 2018. Erste Ideen waren vom Chiemsee nach Trieste, von Grenoble nach Monaco oder auch von Stuttgart nach Dijon.

Dazu ein paar Vorgaben wie: Du brauchst eine Grundausstattung mit 2xRadhose, 2xTrikot, Regen- und Windschutz, Rucksack und ein paar andere Dinge und vor allem eine vernünftige Grundkondition und Sitzhärte für etwa fünf Stunden im Sattel pro Tag.

Von Stuttgart nach Venedig über die Alpen
Mit zunehmender Planung wurde die Route dann immer noch etwas länger und sollte am Ende in Stuttgart starten und in Lido di Jesolo enden. Das waren über 800 km und ca. 15.000 Höhenmeter. Etwa 2.000 Höhenmeter haben wir mit Lift oder Taxi gemacht. Die Höhenangaben über Strava und auch über Komoot sind aber wie bekannt mit Vorsicht zu behandeln.

The Point of no return
Richtig konkret wurde es, als ich einen Flug von Venedig nach Stuttgart für 29 € gefunden und gebucht hatte. Dazu hatte Nick dann schon begonnen nach meiner Einkaufliste Material zu besorgen und zu trainieren. Unsere ersten Touren starteten bei ziemlicher Kälte im Januar und Februar.

Training auch schon in der kalten Jahreszeit.

Meine Vorgabe war: 2.000 km bis zur Abfahrt. Das hat er auch geschafft. Respekt dafür! Dazu wurde nach und nach sein Schrank mit Radklamotten und Zubehör gefüllt und sein Kontostand „entlastet“.

Streckenplanung, Unterkünfte, Etappen
Im Forum der MTB-News (www.mtb-news.de/forum) bin ich auf eine Tour von „Flo“ gestoßen. Sie entsprach so ziemlich dem, was ich mir vorgestellt hatte.
Hoher Erlebnisanteil, etwas Teer, Forstwege und in den Bergen Trails bis max. S2. Er war mit seiner Truppe in der Nähe von Kufstein gestartet und auch nach Lido di Jesolo gefahren. Seine Unterstützung war super, weil er mir dann die GPX Daten der Tagesetappen wie auch eine super Streckenbeschreibung mit Trails, Anforderungen, Unterkünften etc. zugeschickt hatte. Die Daten hab ich dann nachfolgend auf Komoot transferiert und die Route für uns geplant. Das Routing über Komoot auf der Tour war dann übrigens sehr gut.

Hotels hatte ich über Booking.com ausgesucht, die Hütten direkt angefragt. Booking ist prima, weil ich Unterkünfte auch nach dem Kriterium der kostenlosen Stornierung gesucht hatte. So hätten wir kurzfristig absagen können, falls Krankheit oder Wetter den Start verhindern.

Von Flo weiß ich übrigens bis heute nur den Vornamen. Wir haben einigen Austausch über das Forum gehabt aber seinen ganzen Namen oder Wohnort weiß ich gar nicht. Auf alle Fälle hier ein wirklich herlicher Dank für die tolle Unterstützung!!!

Training, Hindernisse, neues Bike und Laufräder
Wie schon erwähnt, waren wir beim Training recht fleißig. Allerdings kommt zum Thema Grundlagenausdauer auch noch die Technik. Und hier war wahrscheinlich die größte Differenz. Ich fahre seit 30 Jahren MTB und eben auch gerne Trails und hab einige Erfahrung. Nick eher nicht. Also ging es hier auf dei Trails in der Umgebung, denn die waren von der Anforderung mit den Bergen durchaus vergleichbar. Sie liegen gefühlt so im Bereich S0 – S2. In den letzten Jahren sind einige ziemlich coole Segmente mit netten Namen wie „Indiana Jones“ oder „Klabuster“ dazugekommen.

Hier galt es also vor allem für Nick Erfahrung und Sicherheit zu bekommen. Dabei war er durch zwei Dinge im Nachteil: Fehlende Technik und ein 29er Hardtail. Damit ist er die Wege halbwegs runtergekommen, musste aber doch öfter mal absteigen und „Schlüsselstellen“ schieben. Grundsätzlich war das ok aber ich hatte immer wieder mal angeregt, dass er sich vielleicht noch eine absenkbare Sattelstütze besorgt oder vielleicht sogar ein Fully leihen könnte.

Bei einer Tour vier Wochen vor unserem Start hab ich ihm für eine Trailrunde mein Trek Remedy gegeben, damit er mal ein Fully fährt und den Unterschied spürt. Mit 140mm Federweg ging es dann deutlich besser und am Ende ist er recht zügig gefahren und musste auch nicht mehr absteigen.

Dieses Erlebnis hatte dann zur Folge, dass er die nächste Runde (wieder auf dem Hardtail) recht optimistisch gestartet ist.  Gleich im ersten Trail war dann ein Baumstamm auf dem Weg und die Verbindung aus fehlender Federung und mangelnder Technik haben ihn dann ausgehebelt und über den Lenker geworfen. Ein Schrei, ein Bums, Abschürfungen und Prellungen. Nicht richtig dramatisch aber vier Wochen vor dem Start hat das doch Eindruck hinterlassen.

Rippen geprell, Arm aufgeschlagen und die „lustige“ und dicke Beule am Knie war leider schon verbunden. Die hätte bildlich am meisten hergegeben.

Gegen den Schmerz gabs dann aber noch ein „Trostpflaster“. Sein Sohn wollte auch ein MTB und so gab es ein gemeinsames Radprojekt: Nämlich ein super ausgestattetes  29er Votec mit 120mm Federweg im Angebot. Optimal für die Tour und viel besser geeignet als das Hardtail. Damit waren wir quasi komplett und bereit für den Start.

Bis: Ach ja. Ich hab bei meinem Rad so ziemlich alle Verschleisteile vor der Tour getauscht. Kette, Züge, Dämpfer- und Gabelservice, Neue Bremsbeläge, größere Scheiben und den Nobby Nik in 2.35 als Schlauchlosreifen.

Und weil man mit den Schlauchlosreifen mit weniger Druck fahren kann, hab ich noch eine Trailrunde eingelegt. Ca. 1,8 bar hatte ich drauf, als ich nach einem Sprung reichlich Dichtmilch in der Landschaft verteilt habe. Der Reifen ist durchgeschlagen, die Felge hatte eine Delle.

Dann drei Tage vor Abfahrt begann die Odysee. Erst habe ich die Felge mit Holz und Hammer wieder so ausgebeult, dass der Schlauchlosreifen wieder die Luft gehalten hat. Dann wollte ich „noch kurz“ den Seitenschlag korrigieren. Leider waren die Speichennippel geklebt und unterdessen auch so korridiert, dass das Gewinde gerissen ist. Bei dem local Dealer wurde dann schnell eine Speiche getauscht, zu mehr hatten sie keine Zeit.

Also zum nächsten Laden, der reparieren konnte. Der schaute sich die Felge an und fand zwei Längsrisse drin. Könnte halten meinte er, könnte aber auch gut auseinanderfliegen. Wo sollte ich jetzt in zwei Tagen einen neuen Laufradsatz herbekommen? Die local Dealer hatten nichts vorrätig und für eine Bestellung war es zu spät. Fündig bin ich nach einger Recherche beim Bike Lädle in Abtsgmünd (nähe Aalen am „Arsch der Welt“) geworden. Ein paar Hope Naben mit Spank Felgen. Ein Customaufbau der liegengeblieben ist, weil dem Kunden die Farbe nicht gefiel. Regulärer Preis über 600 €. Im Angebot durfte ich sie für 300€ mitnehmen und ich war happy, dass das überhaupt noch geklappt hat. Übrigens ein cooler und sympathischer Laden. Deshalb auch die Visitenkarte unten.

Neuer Laufradsatz, zwei Tage vor der Abfahrt.
Für die Wilden aus dem Südwesten. Ein ganz guter Tipp zum Thema Laufräder.

Damit war alles gut. Und auch der letzte wichtige Tipp von Flo aus dem Forum war sehr hilfreich. Wir wollten eigentlich direkt nach Pfingsten starten. Auf seine Empfehlung haben wir das nochmal zwei Wochen nach hinten geschoben und sind am 15. Juni in Stuttgart gestartet. Das Wetter war die ganze Zeit über super. Wären wir wie ursprünglich geplant Anfang Juni gestartet, wären wir im Regen ersoffen und die Tour hätte einen ganz anderen Charakter bekommen.

 

 

Ausrüstung und Packen für Alpencross – mit Packliste

Packliste Alpencross und „Tour de France “ (light)

Excel-Datei: Packliste Alpencross und „Tour de France “ (light) direkt über diesen Link downloaden!

Packen ist ein Thema! Vor allem für die, die sich auf ihr erstes Projekt vorbereiten. Es gibt dazu diverse Erfahrungsberichte und Listen im Internet. Und die Empfehlungen sind durchaus recht unterschiedlich.

Hilfreich ist, wenn man am Anfang darüber nachdenkt, was man machen will. Geht es eher über Schotter und einfache Trails oder auf steinige, verblockte und technische Abschnitte im Hochgebirge. Unsere erste Tour ging über die Berge, eine Mischung aus Trails, Schotter, Straße. maximale Höhe 2.500m.

Die zweite Tour war eher eine Radtour durch Frankreich, mit 80% Straße und 20% Schotter. Bei beiden Touren waren wir gut ausgerüstet.

Unsere Grundvoraussetzungen waren:
Rucksack statt Fahrradtaschen
Ziel waren weniger als 7 Kilo
Unterkünfte in Hotels, Pensionen und B&B
Eher Cross-Country als Downhill

Für die Planung und Materialbeschaffung sollte man Zeit einplanen. Es ist sicher kein Fehler drei Monate vorher damit anzufangen, denn vor allem beim ersten Projekt braucht man einiges an Ausrüstung. Das fängt beim Rucksack an, geht über die Kleidung zu Werkzeug etc. Bei unserem Alpencross 2015 hatten wir bis auf Radtrikots, Hosen, einen kleinen Rucksack oder Radschuhe kaum passendes Equipment. Wir mussten in Ausrüstung investieren und pro Person hatten wir am Ende etwas über tausend Euro Budget verbraucht. Das fing mit einem vernünftigen Rucksack an, ging über Regenjacke und Regenhose zu Schuhen, neuen Helmen, zu Windjacke, Karten, Verbandszeug u.s.w.

Viele Sachen habe ich zu reduzierten Preisen bei Versendern gekauft oder im Ausverkauf bei Larca oder anderen Sportläden in und um Stuttgart besorgt. Das ist zwar viel Aufwand, auch nicht toll für den Einzelhandel und nicht alle Sachen passen farblich zusammen aber ansonsten hätten wir eher das doppelte Budget bereithalten müssen.

Hier mal grob unsere Aufstellung über das eingekaufte Material

Ausrüstung (bezahlt / regulärer Preis):
Rucksack – 85 € / 139 €
Kartensatz – 28 €
Software, Apps – 40 €
Radbrille – 89 € / 139 €
Satteltasche – 13 €
Erste Hilfe Pack – 12 €
Ersatzschläuche – 24 €
iphone Halterung – 70 €
Akkupack – 25 €
Bremsbeläge – 24 €
Lenker und Vorbau – 60 € / 130 €
Energieriegel – 29 € / 39 €
Reifen – 72 € / 144 €

Klamotten
Radhose kurz trägerlos – 39 € / 79 €
Radhose kurz mit Träger – 40 € / 90 €
MTB Short – 40 / 90 €
Trikot 1 – 40 € / 70 €
Trikot 2 – 19 € / 59 €
Superdünne Windjacke 35 € / 89 €
Regenjacke 100 € / 140 €
Regenhose 50 € / 79 €
Schuhe (hoch) – 139 € / 239 €
Handschuhe – 15 € / 49 €
Beinlinge – 19 € / 49 €
Armlinge – 10 € / 39 €

Dazu noch Kleinkram wie Ersatzbremsbeläge, Kettennieten, kleine Satteltasche etc.

Was hat sich bewährt und was zu viel?
Wir hatten pro Person zwei Ersatzschläuche dabei. Gebraucht hatten wir einen. Bei einer Tour in die Alpen würde ich wieder zwei Paar mitnehmen. Meine Vorstellung, dass es unterwegs viele Radläden gibt, war zumindest auf unseren Routen eine Illusion. Gebraucht haben wir sie aber auch nicht.

Die Dämpferpumpe hatten wir in den Alpen dabei aber nie gebraucht. Bei unserer Frankreichtour haben wie sie weggelassen.

Die Alpencross-Radschuhe (1 mal Shimano, einmal Vaude) waren in den Alpen gut aber nicht zwingend nötig. Im Hochgebirge und bei steinigen und verblockten Strecken sind sie sicher notwendig. Wenn man eher Schotterwege und Trails fährt, geht es auch mit normalen Radschuhen.

In den Alpen sind zwei Trikots und zwei Hosen kein Fehler, vor allem, wenn das Wetter wechselhaft ist und es auch mal regnet. Ohne Sonne und bei niedrigen Temperaturen bekommt man die Sachen nach dem Auswaschen bis zum nächsten Morgen nicht mehr richtig trocken.

In den Alpen hatten wir uns so ausgerüstet, dass wir auch einen Wettersturz überstanden hätten. Regenhose, Faserpelz, Regenjacke, Überschuhe etc. hatten wir dabei und auch gebraucht. Bei unserer Frankreichtour haben wir Armlinge und Beinlinge weggelassen, dito die Regenhose. In Frankreich hätte ich auch die zweite Radhose nicht zwingend gebraucht. Die Sachen waren am nächsten Morgen getrocknet.

Für die Frankreichtour hatte ich auch noch in Reifen investiert. Hier hatte ich leicht laufende Marathon Renn-Reifen von Conti genommen. Mit drei Bar Druck sind die deutlich leichter gelaufen. Die Investition hat sich gelohnt! Im Gebirge wären sie nichts gewesen. Die Seitenwangen sind sehr dünn und die Reifen haben wenig Profil.

Navigation lief bei uns über iphone und Komoot. Karten hatten wir zur Sicherheit mit. Das waren über 300 Gramm. Gebraucht haben wir sie nicht. Einmal hat in Canazei eine Route nicht funktioniert. Wir sind dann über eine Schotterstraße nach unten und durch Zufall in einen guten Trail gekommen. Ab da, wo es wieder Internet gab, konnte ich die Route neu berechnen. Wir sind bei beiden Touren mit der Navigation über Komoot sehr gut hingekommen. Kann sein, dass das bei extremeren Routen nicht funktioniert. Ich habe mit iphone und Komoot gute Erfahrungen gemacht.

Die Dämpferpumpe haben wir bei der zweiten Tour weggelassen, weniger Energieriegel mitgenommen, zweiten Schlauch weggelassen.

Bei der Alpentour hatte ich nur ein normales T-Shirt dabei, keine Badehose und kein Hemd. Das hab ich mir dann auf der Tour nachgekauft bzw. bei der zweiten Tour eingepackt.

Dieses Jahr hatten wir unsere Ausrüstung noch etwas ergänzt. Wir haben uns sehr leichte, lange Outdoorhosen besorgt, dito T-Shirt und zwei leichte Windjacken. Mit einem T-Shirt und einem kurzen Hemd, dazu ein leichter Faserpelz und sehr leichten Schuhen (dünne Sohle mit etwas Stoff drüber ca. 210 Gr./Paar) waren wir leicht ausgestattet. Alle Sachen waren aus Kunstfaser und sehr schnell gewaschen und getrocknet. Damit konnte man auch mal Essen gehen oder sich abends im Ort zeigen. Generell braucht man nach der Tour wenig, denn wenn man jeden Tag 5-8 Stunden unterwegs ist, sind die Ansprüche abends recht begrenzt.

Ach ja, wie in der Liste zu sehen, habe ich alles mit der Küchenwage gewogen. Bis das Ergebnis so war wie hier dargestellt hat es etwas gedauert. Wahrscheinlich fehlen auch ein paar Kleinigkeiten wie z.B. Kreditkarte und Geld oder eine Packung Tempos. Das ist aber zu vernachlässigen. Auch, dass ich an einem heißen Tag die zweite Flasche mit Wasser im Rucksack getragen habe. Das sind dann zwar 700 Gramm mehr aber das ist völlig ok. Grundsätzlich muss es passen und mit 7 Kilo bei der Alpentour und ca. 5 1/2 für Frankreich war das gut zu tragen und keine Qual.

2016 – Vater Sohn Projekt (2): Tour de France (light)

1. Nochmal und wenn ja wohin?

Unsere erste Tour über die Alpen im Vorjahr war toll und wir haben viel dabei gelernt. Über das Unterwegs sein, über das Packen, über Anstrengung, über Glück und auch, dass wir ein ziemlich gutes Team sind.

Irgendwann im letzten Spätsommer sind wir Rad gefahren, haben an unsere Tour gedacht und etwas rumgesponnen, ob wir a.) sowas nochmal machen würden und b.) falls ja, wohin.  Luca hatte erstaunlicherweise Lust dazu. Immerhin wird er bald 15 und viel hatte ich von anderen Leuten über pubertierenden Kinder, über Probleme und Entfremdung gehört oder gelesen.  Vielleicht kommt das noch aber zu dem Zeitpunkt hatten wir beide Lust auf ein neues Abenteuer.

Die großartigsten Momente im letzten Jahr waren eigentlich nicht die technisch schwierigen Passagen und Trails. Die schönsten Momente waren die in der Natur. Und dabei gar nicht unbedingt die spektakulären Aussichten. Es war das Unterwegs sein, sich frei fühlen, ins Neue aufbrechen. Oft waren es kleine Momente. Von daher ging die Idee nicht in Richtung Alpen und technische Trails, sondern erste Ideen waren Kalifornien, Neuseeland, Irland oder Norwegen. Wie man halt rumspinnt.

Geeinigt haben wir uns dann auf Frankreich. Die Landschaft ist toll und es gibt super Essen. Beides mögen wir gerne. Das Ziel: Von Lyon durch die Provence ans Meer.

 

2. Vorbereitungen:

Im letzten Jahr hatte ich ein Buch (Alpencross light). Diesmal hatte ich nichts in die Richtung gefunden. Die Tour habe ich mit Karten, Reiseführer, Google Maps, Booking.com und Komoot geplant. Die Tagesetappen zwischen 60 bis 85 km. Das Ziel eigentlich immer eine schöne Unterkunft und hier hab ich viel Zeit vor Booking.com verbracht.

Herausgekommen ist am Ende folgende Route:

  1. Lyon – Beausemblant (62 km / 177hm)
  2. Beausemblant – Chabeuil (60 km / 210hm)
  3. Chabeuil – Truinas (20 km / 1206hm)
  4. Truinas – Vaison la Romaine (62 km / 644hm)
  5. Vaison la Romaine – Lourmarin (83 km / 1725 hm)
  6. Lourmarin – Olivieres (82 km / 1200hm)
  7. Olivieres – Hyeres (76 km / 920 hm)

3. Gepäck, Klamotten, Anreise:

Vom letzten Jahr hatten wir ja schon eine gute Packliste und unsere Ausrüstung. Die Räder habe ich noch mit leichten Conti Marathon Reifen ausgestattet, da wir hauptsächlich kleine Straßen und Schotterwege fahren würden.

Losgezogen sind wir so mit 5 1/2 kg für Luca und ca. 6 1/2 kg Gewicht auf dem Rücken. Ein paar Sachen vom letzen Mal haben wir weggelassen wie z.B.: Dämpferpumpe, 2ten Ersatzschlauch, Regenhose, Stulpen, Karten oder auch die Jambox. Dafür kam diesmal ein kurzes Hemd dazu, eine Badehose und ein zweites T-Shirt. Insgesamt lohnt es sich auf das Gewicht zu schauen und sich auch ein paar leichte Sachen anzuschaffen.

Die Navigation haben wir wieder über Komoot gemacht. Ich habe die Routen vorher zuhause geplant und dann über die iPhone-App laufen lassen. Insgesamt hat das super funktioniert.

Die Anreise haben wir per Bahn gemacht und eigentlich kam die Route auch ein wenig daher. Ich bin auf über die Buchungsmaschine der Bahn auf ein Angebot nach Frankreich gestoßen: Stuttgart – Marseille für zwei Personen (1 Erwachsener, 1 Jugendlicher) für 65 € in der zweiten Klasse und 95 € in der ersten Klasse. Die Rückfahrt lag auf ähnlichem Niveau.
Ich hab als zweimal 1. Klasse im TGV gebucht und so kommt man für 180€ mit Vater, Sohn und Fahrrädern von Stuttgart bis nach Südfrankreich. Genial!

Die Räder dürfen zwar nicht direkt mit in den Zug aber man kann die Räder rausmachen, Plastikfolie drum und dann gilt das ganze als Gepäck. Etwas mulmig war mir dabei schon, weil ich nicht wusste, ob das klappt. Es ging aber völlig problemlos.

 

  1. Tag: Pfingstsonntag 15. Mai 2016

Der Zug ging um 13 Uhr ab Stuttgart. Mit dem Bus zum Bahnhof, dann in den IC nach Karlsruhe.

In Karlsruhe die Räder über den Bahnsteig schleppen. Geht für kurze Strecken aber wirklich gut war, dass ich die Hotels bei Anreise nach Lyon und für die Abreise ab Marseille direkt am Bahnhof gebucht habe.

Der TGV ist super! Angenehm, bequem und schnell.

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In Lyon angekommen waren es nur 200m zum Ibis Hotel. Es war Pfingstsonntag, alles ziemlich leer und auch etwas kühl. Wir waren noch etwas essen, gut geschlafen und schon war der erste Tag um.

 

2. und 3. Tag: Pfingstmontag, 16. Mai und 17. Mai 2016

Heute soll also die Tour richtig losgehen. Die Räder sind zusammengebaut, wir sind angezogen. Ein paar Kilometer aus Lyon heraus nehmen wir noch den Zug und dann geht es für zwei Tage entlang der Rhone in Richtung Süden. Wir haben kräftigen Wind aber der kommt (wie meist auf der Tour) von hinten und schiebt uns auf der ohnehin fast flachen Strecke noch an. So sind wir schon nach ein paar Stunden an unserem ersten Ziel angekommen. Ein altes Landschlösschen mit Pool.

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Leben wie Gott in Frankreich, so hatten wir uns das vorgestellt!

Zweiten Tag weiter an der Rhone entlang. Wieder Rückendwind und wieder waren wir recht früh bei unserer Unterkunft. Irgendwie fehlte uns ein wenig die Natur. Die ersten beiden Tage waren nur flache Radwege und hier hätten wir die Etappen länger machen können.

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Zwei Tage ging es immer an der Rhone entlang.

 

4. Tag: 18. Mai 2016

Heute haben wir den Fluss verlassen und es ging rein ins Land und Richtung Provence. Kleine Landstraßen, Schotterwege und malerische kleine Dörfer. Dazu eine Natur, die in voller Frühlingsfreude üppig blüht und alles in saftiges grün, gelb oder ganze Wiesen von den Mohnblumen rot leuchten lässt.

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Wir hatten heute zwar nur 50 km aber dafür Gegenwind und gut 1200 Höhenmeter. Teilweise strahlend blauer Himmel, dann wieder bewölkt und windig.

Unser Ziel heute war das „La Souche“ in Truinas. Bei Booking.com war die Unterkunft sehr gut bewertet. Sie liegt oben auf einem Berg „am Arsch der Welt“ und mit super Ausblick. Als wir ankommen, werden wir nett begrüßt. Es gibt Hunde auf dem Anwesen, die waren aber eingesperrt. Luca mag Hunde total gerne und dann durften sie raus und das war wirklich toll. Vier fette Viecher. Zwei weiße Riesen, die Schafe behüten und  gegen Wölfe und sogar gegen Bären kämpfen. Bei uns waren sie aber sehr nett.

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Das Haus wird von zwei Schweizern betrieben. Er war Ingenieur, sie arbeitete bei einer Bank. Sehr herzlich, kochen gut, geben sich mit dem Essen und dem Anwesen Mühe. Futter gibts wo es geht von den lokalen Biobauern um die Ecke. Sie haben sogar an ihrem kochfreien Tag für uns gekocht. Eine andere Schweizerin war noch da, sie hatte auch noch zwei Hunde und so war das ganze ziemlich familiär, zumal alle Deutsch sprachen. Nur den Pool konnten wir nicht wirklich nutzen, weil es einfach zu kalt war.

5. Tag: 19. Mai 2016

Der Tag beginnt mit Regen und einem platten Reifen. Es ist kalt und der Wind pfeift uns heftig entgegen. Dafür dürfen wir den Berg runter, etwa 10 Kilometer geht es immer wieder bergab, theoretisch. Praktisch bremst uns der Wind an den flacheren Stellen komplett aus. Unter im Tal fahren wir etliche Kilometer gegen den Wind. Der Tacho zeigt noch 10 km pro Stunde und wir strampeln etwas entnervt. Dazu ist es kalt und Luca zieht alle Klamotten an, die er dabei hat. Auf der Gegenseite kommen uns Rennradfahrer entgegen geschossen. Sie haben den Wind von hinten. Allerdings sagt mir meine App, dass auch wir in kurzer Zeit die Richtung wechseln und dann sollte der Wind für arbeiten und uns anschieben. Und so kommt es dann auch. Mit dem Wind von hinten fahren wir locker 35 km pro Stunde und kommen bestens voran. Am späteren Nachmitag kommen wir in Vaison la Romaine an.

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Abends wollen wir Essen gehen aber bis dahin ist noch etwas Zeit. Wir relaxen im (schönen) Zimmer, ich wasche die Klamotten aus und dann stiefeln hoch auf die Burg und der Wind pfeift unglaublich.

6. Tag: 20. Mai 2016

Vor dem Tag hatten wir ein wenig Respekt. Freunde hatten uns gesagt, dass sie in Hyeres sind. Dort waren wir schon einige Male in einem wunderbaren Landhaus mit ihnen. Wir hatten uns eigentlich 2 Tage in einem schönen Hotel direkt am Meer gebucht uns am Ende aber dagegen entschieden. Das hieß aber auch die Route umzubauen und die gebuchten Unterkünfte zu stornieren. Das ist wirklich ein großer Vorteil bei den Hotelplattformen. Oft kann man bis einen Tag vorher seine Pläne ändern. Allerdings hatten wir jetzt längere Touren, um die Strecke in der uns verbliebenen Zeit zu schaffen. Heute sollten es 85 km bei 1.700 Höhenmetern werden und von gestern waren die Beine noch schwer.

Es wurde so ziemlich der schönste Tag der Tour. Das Wetter war gut, der Wind kam nicht mehr so stark und von hinten. Und die Strecke war wirklich wunderbar.

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Toller See auf der Tour. Die Farbe war wirklich so.
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Und die ersten Kirschen waren reif!

Mittags haben wir Pause gemacht und gegessen. Zum Teil waren wir in Orten, die der Reiseführer als besondere Orte benannt hatte. Allerdings hatten wir meist kaum Muße irgendwas dort zu machen. Zum einen sind die Räder da, die wir nicht mit einem dünnen Schloss rumstehen lassen wollten, zum anderen steckt man in den Radklamotten und dazu hat man noch im Hinterkopf, dass man noch 30 oder 40 Kilometer vor sich hat.

Von daher sind die großen touristischen Highlights für uns meist viel weniger wichtig als z.B. eine gute Unterkunft. Und die hatten wir heute. Eine Hammervilla mit großem Pool, netter Gastgeberin und das hatten wir nach der Tour heute auch verdient.

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Zufrieden am Spätnachmittag.

 

7. Tag: 21. Mai 2016

Heute nochmal 83 km aber weniger Höhe. Auch das war ein toller Tag. Was ich an den Radtouren mit am meisten mag ist der Morgen – so nach dem Frühstück, wenn man seine Sachen zusammensammelt, den Rucksack aufsetzt, einen letzten Blick ins Zimmer wirft, ob man irgendwas vergessen hat und dann der neue Tag vor uns liegt. So ein wenig aufgekratzt, neugierig, das „jetzt geht es los Gefühl“ und dann fährt man mit dem Rad los. Das hat was von Freiheit und Abenteuer. Luca geht es ähnlich. Er mochte den Moment auch.

Unterwegs wird die Welt dann kleiner. Wir fahren über Stunden in unserem Tritt und Trott. Manchmal hat es fast etwas meditatives. Der Körper tritt und oben im Kopf schaue ich die Landschaft an. Eine totgefahrene Schlange, rote Wiesen, nette Orte, Landschaft, Strecke. Es ist eine „Spiegel-Online-Freie-Zeit“. Das Weltgeschehen zieht sich ins Kleine zusammen und irgendwie tut das sehr gut.

An die längeren Strecken haben wir uns jetzt gewöhnt und wir könnten noch lange so weitermachen. Dabei ist heute schon unser vorletzter Tag. Unglaublich wie die Zeit bei der Tour vergeht, wenn man wochenlang vorher plant und trainiert.

Unsere letzte gebuchte Unterkunft ist auch nett. Ein B&B von zwei älteren Herrschaften betrieben. Auch sie kochen gerne und abends bekommen wir ein Vier Gänge Menü und es wird ein lustiger Abend mit Madame et Monsieur. Er ist schon 84 aber noch rüstig, lustig. Das ist wie Abendessen bei Opa und Oma.

 

8. Tag: 22. Mai 2016

Unser letzter Tag. Wir wollen Gas geben und möglichst früh in Hyeres sein. Es sind etwas über 60 km und wir denken, dass wir das unter drei Stunden schaffen. Auf der Hälfte des Weges kommt uns Jürgen entgegen, der uns abholt. Jürgen ist ein „Tier“ auf dem Rennrad und mit seiner 6 Kilo Maschine fährt er zwischen locker und gelangweilt, während wir schon in den Wiegetritt gehen.

Die Tour wird dann doch noch 20 km länger als geplant, weil Jürgen einen schöneren Rückweg kennt und so kommen wir am frühen Nachmittag in Hyeres an. Luca ist ziemlich platt, weil das Tempo auch nochmal höher war. Dafür entschädigt uns das Haus, der Pool und das Treffen mit Freuden. Das unsere Tour jetzt vorbei ist, realisieren wir gar nicht richtig, weil wir ja auch noch zwei Tage dableiben.

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Unser Haus in Hyeres mit Blick auf Wiesen und eine uralte Mühle.
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Unsere Tour ist zu Ende. Belohnungseis mit Abschluss-Selfie.

 

9.-12. Tag: „Ruhepause“, Krank, Marseille und Heimfahrt. 22.-25. Mai 2016

Luca war nach der Ankunft zwar erst mal platt aber kaum fünf Minuten später war er im Pool, dann Tischtennis spielen, dann zwei Stunden im Meer zum Surfen (versuchen), abends dann nochmal Tischtennis.

Der Ruhetag selber war ziemlich mäßig. Es war Mistral und es hat so geblasen, dass die Gläser auf dem Tisch umgefallen sind. Nachmittags ging es Luca nicht so gut. Erst war ihm schlecht, dann hat er gespuckt (und zwar reichlich), dann kam Fieber dazu, dann wurde wieder gespuckt und so ist der Abend mit Wadenwickeln vergangen.

Am nächsten Tag war es besser aber Luca blieb bis zur Heimfahrt angeschlagen. Ich haben den Vormittag damit verbracht die Räder wieder zu verpacken. Das sind echte Kunstwerke geworden und diesmal hab ich die Räder separat vom Rahmen verpackt. Die bessere Lösung und leichter zu tragen.

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Gegen Mittag ging es mit dem TGV von Hyeres nach Marseille. Eine gute Stunde Fahrt. Entlang am Meer. Unser Hotel lag wieder direkt am Bahnhof, grad über die Straße. Holliday Inn Express. Nicht so charmant aber sehr praktisch und für Luca auch gut, denn er hat sich ins Bett gelegt und es gab sogar Deutsches Fernsehen. Sein Tag war gerettet. Der Magen immernoch verknotet aber Baguette und ein paar Süßigkeiten und Limo gingen ganz gut. Sicher nicht die ärztliche oder mütterliche Empfehlung aber immerhin ist es drin geblieben.

Ich bin dann in die Stadt gegangen, Austern essen. Und war doch überrascht. Marseille hat mir gefallen. Sehr belebt, viele marokkanische oder arabische Menschen und Läden und Märkte. Viel los in der Stadt. Tolle Läden, dann der Hafen, Restaurants. Schade das Luca nicht dabei sein konnte.

Morgens um 8 fuhr dann unser Zug. Wieder 1. Klasse im TGV und zügig durch Frankreich, etwas schleppend ab Straßbourg bis Karlsruhe und dann träge und langsam mit dem IC nach Stuttgart. Dort ins Taxi, wo die Räder grad so reingepasst haben und wir waren wieder zuhause.

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Und jetzt? Wieder eine tolle Tour. Wieder zu schnell zu Ende und eigentlich könnte ich gleich wieder losziehen. Wir zwei Jungs waren wieder ein gutes Team: Stressfrei, beide völlig zufrieden. Wenn ich die Tour nochmal planen würde, ginge es wahrscheinlich ab Grenoble los und dann stärker durch die Berge und tiefer in die Provence aber das ist eine andere Geschichte und wenn der liebe Gott will, gibt es vielleicht eine Fortsetzung.