Stuttgart – Venedig – mit Alpencross – Juni 2018

Strecke und Team

Ich wollte einfach in Stuttgart starten. Zweimal bin ich schon auf eine längere Radtour gegangen und jedes Mal sind wir erst mal ein paar hundert Kilometer mit dem Zug gefahren. So wäre es auch dieses Mal gewesen, denn der eigentliche Alpencross hätte in Ramsau begonnen. Da hätten wir aber mit dem Auto oder Zug einen halben Tag hin gebraucht. Also gabs die Idee zum Prolog ab Stuttgart.

So grob unsere Route von Stuttgart über Ulm, Augsburg, München, Ramsau, Pfitscher Joch, Rodenecker Alm, Sterzing, Abtei, Alleghe, Seren del Grappa, Montebelluna, Lido di Jesolo.
Tagesetappen, Kilometer, Höhenmeter, Orte und Unterkunftskosten

Und unser Team, am Anfang noch verstärkt von meiner Frau Alexandra und Freunden, die uns bis Augsburg begleitet haben.

Das erweiterte Team für die ersten beiden Tage mit Warren, Ingrid, Peter und Nick.

Und hier das KERNTEAM

 

Freitag, 15. Juni 2018 (Tag 1)
Der Prolog zum Prolog, 57 km, 650 Hm.

110 Kilometer für die erste Etappe von Stuttgart nach Unterelchingen war meinen Mitfahrern zu viel. Sie wollten am Samstag mit der S-Bahn nach Schorndorf oder Göppingen fahren und ab dort in die Tour einsteigen. So bin ich einen Tag früher nach Göppingen aufgebrochen, um wirklich ab Stuttgart loszufahren. Die kleine Etappe war dann eher mäßig unterhaltsam. Die Strecke war weitgehen langweilig mit viel Straße, viele Autos und nur mäßig schön.
Meine Frau Alexandra ist dann aber noch mit dem Auto und unserem Hund gekommen und wir haben in einem kleinen Gasthaus in Eislingen übernachtet. Das war dann ein netter Abend und noch ein schöner Spaziergang am nächsten Morgen und irgendwie auch schon wie Urlaub.

Einfach aber ganz nett und gemütlich.
Und die mäßig spannenden Tourdaten.

 

Samstag, 16. Juni 2018 (Tag 2).
Prolog der Gruppe: Göppingen –> Unterelchingen, 50 km, 620 Hm

So gegen 11 Uhr kamen die anderen am Gasthaus vorbei und haben mich abgeholt. Über diverse Radwege nach Elchingen ins schöne Landgasthaus Zahn. Das Wetter war prima, wir sind früh ankommen. Also Füße hochlegen, den Tag genießen und gut Essen. 

 

Sonntag, 17. Juni 2018 (Tag 3).
Prolog der Gruppe: Unterelchingen –> Augsburg, 69 km, 680 Hm

Abschied von Alexandra und wir starten Richtung Augsburg. Immer noch „Prolog-Geplänkel“. Super Wetter, viel Teer, Schotter. In Augsburg verabschieden wir uns von Warren und Ingrid. Das Team schmilzt zusammenm wie auch die Teams nach der Vorrunde bei der Fussball WM. Wir essen Pizza. Deutschland ist noch im Turnier, hatte es heute aber schon geschafft, gegen Mexico zu verlieren.

Montag, 18. Juni 2018 (Tag 4).
Prolog letzter Teil: Augsburg –> S-Bahn durch München –> bis zum Berghotel Sutten, 79 km, 860 Hm

Der quasi letzte Tag im Prolog und mehr oder weniger eine normale Fahrradtour. So langsam reichte es auch mit Straße und Zivilisation. Immerhin kommen wir an schönen Gegenden vorbei. Gegen Nachmittag sehen wir auch so langsam die ersten Berge. Es geht vorbei am Tegernsee und über Rottach-Egern und dann endlich der erste richtige Anstieg hoch zum Berghotel Sutten. Passend wirds auch etwas kälter.

 

Dienstag, 19. Juni 2018 (Tag 5).
Berghotel Sutten nach Mayrhofen, 78 km, 1073 Hm

Nachdem wir am Vorabend etwas den Berg hochgekurbelt sind, ging es heute zunächst bergab. Endlich in den Bergen. Etwas wolkig und noch frisch am Morgen aber das fühlte sich doch schon anders an als die Tage zuvor.

Und bald sollte jetzt auch der erste Trail auf uns warten. Hier hätte ich aber eher auf die freundliche Stimme von Komoot hören sollen. Den linken Weg nehmen. Der rechte hier sah aber doch so viel besser aus.

Wenn ich mir das Bild jetzt so recht anschaue, dann sind wir hier über die Grenze nach Österreich. Dass da ein Verbotsschild für Fahrräder drauf ist, sehe ich erst jetzt aber der Grund erschließt sich mir nachträglich durchaus.

Zunächst gut fahrbar und unterhaltsam, wurde es dann doch unwegsamer.

und dann war er nicht mehr fahrbar und wir haben bestimmt eine gute Stunde geschoben und getragen.

Schön ist die Landschaft aber schon geblieben. Hier waren auch die Schuhe mit steifer Sohle nicht so toll und rutschig. Irgendwann sind wir dann quer über einen „Klettersteig“ so 300 Meter quer durchs Gelände und waren dann wieder auf einem normalen Forstweg. Das Wetter war warm, die Landschaft idyllisch und so sind wir dann final bis nach Mayrhofen gerollt. Das Haus Oblasser war mit 60€ inkl. Frühstück gut und günstig aber etwas außerhalb vom Ort.

 

Mittwoch, 20. Juni 2018 (Tag 6).
Von Mayrhofen zum Pfitscher Joch 38 km, 2056 Hm

Dieser Tag sollte uns einige Kraft kosten. Schon Flo hatte in seiner Beschreibung von der vermeintlich kurzen Strecke gewarnt, weil sie sich doch in die Länge zieht. Die Tour war mit etwas über 1.800 Höhenmetern angegeben. Ganz interessant ist auch, dass Strava in seiner Streckenaufzeichnung hier nah an den vorgegebenen Werten dran ist. An anderen Stellen ist das bei Strava mit den Höhenangaben oft nicht nachvollziehbar.

 

Angefangen hat der Tag mit einem üppigen Frühstück im Haus Oblasser. Essen ist halt auch schon ein Highlight bei so einer Tour, zumal man wirklich viel Nahrung in sich reinstecken kann, wenn man den Tag unterwegs ist.

Am Abend vorher hatte Nick angefangen zu husten und die Nase fing an zu laufen. Bei mir wären das keine guten Vorzeichen, denn mich legt es dann meist mit Fieber und völliger Schlappheit um. Er scheint da etwas robuster zu sein. Nach einem guten Frühstück haben wir in Mayrhofen noch diverse Apotheken und Drogerien mit unserem Besuch beglückt.

Dann ging es los. Erst mal ein knackiger Anstieg über eine Wiese und ein steiles Stück hochschieben. Dann auf und parallel der Teerstraße, immer den Berg hoch.

Die Straße geht immer leicht bergauf aber easy zu fahren.
Warm war es auch, also Helm runter. Rasieren könnte ich mich auch mal wieder.

So sind wir das Tal hochgetreten. Kilometer um Kilometer ging es mehr in die Berge rein und auch die Landschaft war wunderbar. Die Autos wurden weniger, die Häuser auch. Links und rechts ging es hoch und wir haben uns gefragt wo wir dann die hohen Berge passieren werden.

 

Was für eine geile Location!

Pause gabs auf einem idyllischen Berggasthof. Superschön. Das erste (alkoholfreie) Weizenbier. Flasche auffüllen, durchschnaufen und weiter geht es den Pass hinauf in Richtung Staumauer und Schlegeisspeicher.

Die Staumauer kommt in Sicht. Das ist von der Höhe her etwas mehr als die Hälfte des Tages. Wir sind beide schon einigermaßen platt und brauchen eine Pause. Der erste Kiosk gehört uns. Fritten, zweites alkoholfreies Bier, Kuchen, Kaffee und ich schlafe wirklich für einige Minuten auf einem der Liegestühle unter dem Sonnenschirm ein.

Weiter geht es nach der Pause am See entlang und dann auf einem Wanderpfad in Richtung Pfitscher Joch.

Zunächst noch recht gut fahrbar, teilweise müssen wir aber schon schieben, weil der Weg doch zu verblockt ist. Haufenweise kommen uns auch Wanderer und Spaziergänger entgegen. Raufwärts geht kaum noch jemand. Und: Die Landschaft wird immer schöner. Es ist wirklich toll hier zu sein!

Kurz vor dem letzten wirklich fiesen Stück kommt nochmal eine bewohnte Almhütte. Wasser auffüllen und ein Foto von einem netten kleinen Mädchen machen, dass mir stolz die junge Katze präsentiert.

Der letzte Anfstieg ist auf einem steilen Schotterstück – und der zieht sich elend lang und steil den Berg hoch. Nick schiebt, er ist auch durch die Erkältung etwas geschwächt. Ich trete im kleinen Gang hoch. Das Pfitscher Joch Haus kommt langsam in Sicht. Wir sind jetzt auf 2.250 Metern. Es ist deutlich kälter geworden und die ersten noch verbliebenen Schneefelder tauchen auf. Ich bin dann doch eine Viertelstunde vor Nick oben und bestelle uns – und diesmal ein vollwertiges Belohnungsbier.

Wir sitzen dann noch einige Zeit draußen und sind ziemlich beeindruckt von der Landschaft, vom „ausgesetzt“ sein. Ein 360° Panorama nur mit Bergen und nach und nach geht auch noch phantastisch die Sonne unter und zeichnet ganz eindrucksvolle Lichtspiele in den Himmel.

 

Donnerstag, 21. Juni 2018 (Tag 7).
Vom Pfitscher Joch nach Rodeneck, 73 km, 1.113 Hm

Jetzt bin ich genau 7 Tage unterwegs. Halbzeit und irgendwie kann ich gar nicht glauben, dass die Zeit so vergeht. Monatelang hat man sich auf die Tour vorbereitet, geplant, überlegt, gezittert ob die Gesundheit und das Wetter halten und nun sind wir mittendrin. Bisher ist alles super verlaufen. Vor allem mit dem Wetter haben wir viel Glück. Die heutige Etappe ist doppelt so lang wie gestern und hat nur die Hälfte der Höhe. Der Tag sollte recht beschwingt und locker verlaufen, weil wir den ersten Teil der Strecke einfach in einem Affentempo bergab rollen.

Eins meiner größten Probleme auf der Tour ist, dass ich immer so früh aufwache. Das ist mal um halb sechs, mal um halb sieben aber ich kann einfach nicht länger schlafen. Zuhause ist das, vor allem im Sommer auch so aber da stehe ich halt auf. Hier gibt es meist erst später Frühstück. Auf dem Pfitscher Joch bin ich morgens etwas „wandern“ gegangen und wollte mir den angegebenen S2 Trail ab dem Haus mal anschauen. Das war auch gut so.

Der obere Teil vom Trail sah nicht wirklich gut fahrbar aus, der nachfolgende Teil lag noch unter Schnee. Wenig einladend.

Nick hab ich dann geweckt, es war ja schließlich schon halb 8. Seine Erkältung wurde nicht unbedingt besser aber auch nicht schlimmer. Vielleicht haben ja die Medikamente auch etwas geholfen. Das Bild sieht eher nach Krankenhaus als nach Alpencross aus.

Und los gings nach dem Frühstück. Arschkalt also Jacke an. Wetter gut und über tausend Höhenmeter nach unten. Leider nur über Forstwege, keine Trails drin. Die fing ich so langsam an etwas zu vermissen.

In Sterzing mussten wir nochmal Pause machen, weil das Lenkkopflager von Nick immer locker war. Das Votec hatte keine eingeschlagene Kralle, sondern ein anderes System und das wollte nicht richtig. Für 10€ hatte uns ein kleiner Radladen den einzigen kleinen technischen Defekt, den wir auf der gesamten Tour hatten behoben.

Und irgendwann kam mir die Stecke bekannt vor. Der Fluss, die alte Befestigungsanlage und dann Mühlbach. Richtig, hier war ich mit Luca bei unserem ersten Alpencross und wir haben am Kirchplatz übernachtet.
Für uns hat es zu einem (alkoholfreien) Bier gereicht.

Ab Mühlbach begann der Anstieg in Richtung Rodenecker Alm. Auf einem gut fahrbaren Forstweg den Berg hoch, dann etwas Straße. An der Stelle sind wir dann etwas von Florians Tour abgewichen, weil die beiden Hütten auf der Rodenecker Alm ausgebucht waren. Leider gab es zu den Hütten keine weiteren Alternativen auf dem Berg und wir hätten wieder deutlich ins Tal abfahren müssen. Also haben wir die Etappe an dem Tag um etwa 15 km und 800 Höhenmeter gekürzt und sind im familiengeführten Hotel Schönblick in Rodeneck untergekommen.

Das Wellnesshotel hatte 4*. Die 170€ für die Nacht hörten sich zunächst viel an aber das Haus war super: Ein großes Schwimmbad, Sauna, Dampfbad, Ruheecken und vor allem noch inkl. Nachmittagsessen mit Salat, Suppe und Früchten, Sektempfang am Abend, danach ein 4 Gänge Menü und am nächsten Morgen ein super Frühstück. So gerechnet war das eigentlich günstig, zumal die Kosten ja durch zwei geteilt wurden.

Erster Gang
Hauptgang

Übrigens hatte an dem Tag passend zu unserem Wetterglück kurz nach unserer Ankunft ein heftiges Gewitter getobt.

 

Freitag, 22. Juni 2018 (Tag 8).
Von Rodeneck nach Stern, 59 km, 2.099 Hm

Heute hätten wir mit viel Höhe am Anfang beginnen müssen, weil wir von der Etappe vom Vortag ungefähr 15 km rausgenommen hatten. Entsprechend hätten wir erst mal auf die Höhe der Tour kommen müssen und das wären 900 Höhenmeter gewesen. Nick war eh angeschlagen und ich auch nicht so scharf drauf. Für 30 € hat uns dann ein Taxi mit Hänger abgeholt und zum Eingang der Rodenecker Alm gebracht.

Ab hier ging es weiter auf Schotterstrecken und weiter den Berg hoch. Die Landschaft wurde dabei wieder offener, schöner und die Wiesen waren teilweise so voll mit Blumen, dass man das Gras kaum noch gesehen hat.

So langsam kamen dann auch ein paar Trails dazu, erst über Wiesen, dann durch ein nettes Wäldchen. Dahinter wäre die Hütte zur Rodenecker Alm gekommen. Sah toll aus dort aber leider war sie voll und im Schönblick hatten wir uns auch wohl gefühlt.

Auf den kleinen Wegen kamen wir nur mäßig schnell voran und die Fahrt wurde immer wieder von Gattern für das Vieh unterbrochen. Und dann lagen sie irgendwann vor uns. Die Dolomiten, denen wir uns jetzt näherten.

Langsam bekamen wir Hunger und passend kam aus dem Nirgendwo eine Hütte.  Sehr klein, dass wir erst mal nachgefragt haben, ob wir hier etwas zu essen bekommen. Aber sicher meinte die Oma, die dort im Sommer auf dem Berg lebt. Es gab Suppe und Käsklöße mit Brot und alles handgemacht und auf dem Holzofenherd mit Liebe und Langsamkeit zubereitet.

Kurz nach dem Mittagessen habe ich mich dann von Nick getrennt. Wir hatten erst gut die Hälfte der Strecke und vor allem der zu fahrenden Höhe und über die Trails ging es doch relativ langsam voran. Ich bin der Tour von Flo gefolgt und über einen netten Trail so die ersten hundert Höhenmeter in Tal geschwebt. Super. So könnte es weitergehen.

Dann gings wieder hoch und oben bin ich alleine am Pass angekommen. Dabei ist mir eingefallen wie intelligent wir uns geteilt hatten. Ich hatte die Pumpe, Nick die Ersatzschläuche. Hier hätte uns ein Plattfuß wirklich Nerven und Zeit gekostet. Ist aber nix passiert.

Jetzt links abbiegen und dann nur noch ahhhhhh und ohhhhh sagen. Phantastische Landschaften!!!

 

Dann einmal um den Klops hier rum, neue schicke Aussichten bestaunen und dann über einen Trail lange nach oben schieben. Der Anstieg war „scheißsteil“ auch, wenn das hier auf dem Bild kaum rüberkommt.

Oben dann die neue Aussicht, wo es hingeht. Irgendwo dahinten liegen dann Stern und Alta Badia oder wie die Dörfer dort alle heißen. Vor allem verwirrend, weil die 3-5 Ortsnamen haben, je nach Sprache.

Jetzt sollte eine lange Abfahrt kommen und nachdem ich mich schiebend den Trail hochgequält hatte, freue ich mich auf die Trails nach unten. Die kamen aber nicht. Der ganze Weg ins Tal ging über geschotterte Forststraßen dann sollte noch ein letzter langer Aufstieg kommen.

Schön aber ohne Trails ging es den ganzen Berg hinab.

Zu guter Letzt habe ich kurz vor dem Ziel in Stern noch den kleinen Hauslift im Ort erwischt (Lifthöhenmeter hab ich in der Tagesangabe korrigiert).

Die Gegend kannte ich ja schon vom letzten Mal. Oben bin ich einem kleinen Wanderweg gefolgt, der technisch recht anspruchsvoll war und dann auch steil über Geröll nach unten direkt zum Hotel geführt hat. Das hat mich für die fehlenden Trails des Tages etwas entschädigt.

Von den landschaftlichen Eindrücken her war das einer der schönsten und beeindruckendsten Tage. Hinter jeder Ecke und nach jedem Teilstück ein neuer fantastischer Ausblick, bestes Wetter. Vögel zwitschern, Bienen summen. Das war schon ein Glücksgefühl hier unterwegs zu sein!

 

Samstag, 23. Juni 2018 (Tag 9).
PAUSENTAG

Ruhe, Essen, rumgammeln, Sauna. Das war für den Pausentag geplant. Das Essen im Hotel Christallo war super. Abends 5 Gänge, das Frühstück üppig. Vor allem war die Pauschale für das Abendessen mit 20€ pro Person mehr als fair. Das einzige war, dass das Hotel etwas weit außerhalb vom Ort lag.

Unsere Fahrräder haben wir übrigens kaum im Skiraum unterbringen können. Das war knallvoll mit Rennrädern. Schicke Ausstattungen, viel Carbon, viel klingende italienische Namen von diversen Edelschmieden. Dazu die ganze Hütte voll mit Radlern. An dem Wochenende war die Sella Ronda – Sprich die Pässe rund um die Sellagruppe waren für den Autoverkehr gesperrt. Und da sind hunderte von Rennrädern an uns vorbeigefahren.

Wir hatten dann einen kleinen Spaziergang gemacht. Hoch zum Berggasthaus Gardenacia mit dem vielleicht besten Kaiserscharrn überhaupt.

Und am Nachmittag ging es dann mit großen Anstrengungen weiter. Es folgten die Sauna und das Abendessen. Der Nachtisch war sogar mit Valrhona Schokolade falls das jemandem was sagt. 

 

Sonntag, 24. Juni 2018 (Tag 10).
Von Stern nach Alleghe, ca. 65 km, ca 1.700 Hm hoch, ca. 3.000 Hm bergab

Trails, Trails. Ich will Trails! Heute sollte ich sie bekommen. Los ging es erst mal locker ein paar Kilometer das Tal runter und dann per Lift hoch zum Hopsitz.

Gut, dass mein Gehirn festgewachsen ist! Schon vor zwei Tagen hatte ich es geschafft, eine meiner beiden Unterhosen liegen zu lassen. Bei 2 Stück gesamt schon mal eine Leistung. Jetzt war auch die Trinkflasche weg. Die hatte ich wohl unten am Lift liegen lassen. Danach hab ich gemerkt, dass mein zweites Trikot und mein einziges Hemd auch fehlten. Die waren noch im Schrank im Hotel Christallo. Der Rucksack wurde also immer leichter. Viel mehr als fünf Kilo hatte der nicht mehr und überhaupt hat uns die Beschränkung beim Packen gut geholfen. Man braucht einfach nicht viel auf der Tour.

Mit leichtem Rucksack ging es dann in den von Flo versprochenen ersten Traumtrail runter nach St. Kassian. Der war in der Tat lang und einfach zu fahren. Landschaftlich war er so schön, dass man dachte, man fährt von einem Postkartenmotiv zum nächsten.

Am Pausentag hatte ich auch noch einen kleinen Bikepark am Piz de Surega mit Flowtrail ausfindig gemacht. In St. Kassian musste man kurz nach links abbiegen und mit dem Sessellift hochfahren. An Bikeparks gibt es sicher sensationelleres aber der Trail selber war lang und flowig mit vielen Steilkurven. Er hatte zwar keine Sprünge drin, hat dafür aber auch Nick Spaß gemacht .

Danach kam wieder ein langer Aufstieg zum Falzaregopass-Pass. Wir sind hauptsächlich die Straße hochgekurbelt und ich hätte gerne das schwere Fully gegen mein Rennrad getauscht.

Am Pass oben pfiff ein saukalter Wind und in der Kneipe oben treffen sich so ziemlich alle, die über den Pass fahren. Wanderer, Rennradfahrer, Motorradfahrer. Das Essen war nicht ganz billig aber lecker und die Pause nötig.

… und das schon obligatorische alkoholfreie Weizenbier!

Flo hatte in seiner Beschreibung geschrieben, dass jetzt noch schöne S1 Trails folgen und man dann 450 Höhenmeter mit dem Lift abkürzen könnte. Die letzten 200 Höhenmeter wären dann steil und hier hätte er noch niemanden durchfahren sehen.

Mit einer guten Enduro würde man schon hochkommen. Mit dem Rad nimmer. Sieht wieder mal nicht so steil aus, war es aber. Oben war dann auch Ende mit Wiesen und Bäumen. Ich meine das waren etwas über 2.500 Metern Höhe. Nur noch Steine und Geröll.

Bei der Planung hatte ich bei Komoot noch einen Trail gefunden und den mit eingebaut. Leider sind wir erst mal falsch gefahren, sacksteil auf grobem Schotter nach unten. Nick hat geschoben aber die Blöße wollte ich mir natürlich nicht geben. Etwa zwei Meter weiter habe ich „auf der Fresse gelegen“. Finger blutig, Knie blutig, Knöchel dick. Mehr war nicht. Umdrehen, Berg hochschieben und in den kleinen steinigen Trail rein. Schwer war er nicht aber stürzen sollte man auch nicht, vor allem nicht nach links unten. Nur noch grobes Steinwerk und recht rutschig.

Nach dem „Steingarten“ ging es weiter über Wiesen und schier unendliche Trails immer weiter den Berg runter.

und weiter runter bis man es kaum noch glauben konnte.

und als wir dachten, jetzt sind wir unten, haben wir gesehen, wo wir hinmüssen. Ganz links, der See. Da liegt Alleghe, unser Ziel für heute und dahin geht es nochmal kräftig runter. Sollte uns ja recht sein. Besser als hoch.

In Alleghe war auch die Stelle, wo Italien sehr viel mehr spürbar wurde. Das Sporthotel hatte den Charme der 80er Jahre. Deutsch wurde nicht mehr gesprochen. Die ganze Architektur hatte sich geändert. Und, auf Nachfrage haben wir sogar noch ein Zimmer mit Blick auf den See bekommen. Dazu wartete Regen mit seinem Einsatz, bis wir unser Bier fertig getrunken hatten.

Die einzige Blessur auf der Tour und die hat nicht weiter gestört.

Das war ein langer und ziemlich geiler Tag! Bei Bedarf nach Trails war erst einmal gestillt!

 

Montag, 25. Juni 2018 (Tag 11).
Von Alleghe nach Seren del Grappa, 80 km, 1.700 hm.

Heute war die Strecke wieder etwas länger. Interessant mal wieder die unterschiedlichen Höhenwerte. Flo hatte 1070 Höhenmeter angegeben, Strava hat am Ende 1.700 Höhenmeter notiert. Letztendlich ist es für unsere Leistung auch nicht wichtig. Wir waren ja nicht auf Rekordjagt. Für die Planung ist das aber nicht ganz unrelevant.

Das meiste heute war Teerstraße und trotzdem ein sehr schöner Tag. Übrigens der erste Tag an dem es auf der Tour einmal leicht getröpfelt hatte. Mehr aber auch nicht.

Auf der ganzen Strecke waren unglaublich wenig Autos unterwegs. Der Wind hat uns durch das Tal ganz schön entgegengepfiffen. Gut, dass es stetig leicht bergab ging.

Schöne Bergdörfer gabs auch zu sehen. Man hatte aber schon langsam das Gefühl, dass die Berge nicht mehr so hoch waren. Aus dem Hauptkamm waren wir raus.

Seren del Grappa war ein kleines Kaff. Unsere Unterkunft war originell und erst mal schwer zu finden. Man konnte aber jeden im Ort fragen, so klein war das. Das Zimmer war auch klein, die Räder haben wir aber doch mit drin untergebracht, weil sie sonst draußen im Hof gestanden hätten und das wollten wir dann doch nicht. 

So richtig viel Unterhaltung gabs im Ort nicht und bis zum Abendessen hatten wir dann doch noch zwei oder drei Stunden Zeit. Der „Stadtrundgang“ war nach vier Minuten und nach der Umrundung der Kirche auch beendet. Immerhin gab es zwei Kneipen und die wurden lustig von einigen skurrilen Gestalten abwechselnd frequentiert. So etwa wie beim Pingpong. Wir haben uns dann den Einheimischen angeschlossen und schon mal ein paar Drinks für die gute Laune genehmigt. Die waren auch so günstig, dass man ja kaum wiederstehen konnte. Der Longdrink für zwei Euro, das Glas Hauswein meine ich für 1,50 € im Kopf zu haben und der Espresso für 80 Cent.

Abends haben wir dann in der wirklich sehr originellen Pizzeria gegessen. Sehr schräge Location, ziemlich groß und unsere Bestellungen haben mangels Sprachkenntnis für reichlich Verwirrung gesorgt. War aber lustig und das Essen auch gut.

 

Dienstag, 26. Juni 2018 (Tag 12).
Von Seren del Grappa nach Vedelago, 80 km, 1.700 hm.

Wir routen die Tour um. Nick hatte es vor der langen Strecke und den vielen Höhenmetern auf den Monte Grappa gegraust. Und so richtig scharf war ich auch nicht mehr drauf. Wir hatten beide das Gefühl, dass wir fast aus den Bergen draußen waren. Es war unser vorletzter Tag und den wollten wir dann etwas lockerer angehen, quasi vor dem Ziel schon etwas entspannt ausrollen. Dazu kam, dass ich mal in Bassano del Grappa war und mir das ganz gut gefallen hat.

Bei Booking.com bin ich dann auch auf ein ganz cooles Hotel gestoßen. Das war die einzige Nacht, die ich noch nicht vorgebucht hatte. Gut so! Ihr seht gleich warum.

Die ersten Kilometer gingen ziemlich scheußlich an einer großen Straße lang, durch ein paar Tunnel. Dann kamen wir wieder auf kleine unbefahrene Straßen, an netten Dörfern und Seen vorbei.

Dann ging es auf einen Radweg in Richtung Bassano del Grappa. Auch hier wieder Idylle pur. Leicht bergab und ich meine auch noch etwas Rückenwind. Richtig Italien mit netten kleinen Dörfern, einigen freundlich grüßenden italienischen Rennradfahrern, die uns ein legeres „Tschauuu“ zuriefen.

Dann ging es durch Bassano. Schöne Stadt und zu der Jahreszeit auch noch ziemlich leer.

Ein Eis, klar, obligatorisch. Im Laden gegenüber hab ich mir dann auch gleich noch ein T-Shirt gekauft. Gar nicht mal so hässlich und für nur 9,99€ im final Sale. Jetzt hatte ich wieder zwei Shirts und das war auch ganz gut, denn so langsam kamen wir wieder in die Zivilisation.

Leicht gestärkt ging es dann weiter in Richtung Hotel. Jetzt mehr über Landstraße. So nach einer guten Stunde waren dann auch die Berge weg. Man sah sie noch hinter uns aber wir waren deutlich draußen. Die Tour neigte sich dem Ende zu, dass war spürbar.

Aber ein Highlight kam noch: Eine angemessene Unterkunft für die Alpenbezwinger.

Unser Hotel. Erst wurden wir angesprochen, wie man uns helfen könne. Wahrscheinlich haben wir nicht so ganz der üblichen Klientel entsprochen. Das Haus war als 4*S klassifiziert. Wir wurden dann aber doch entsprechend höflich empfangen und zu unserem Zimmer gebracht.

Einen Pool hatte die Hütte übrigens auch. Und eine schicke Bedienung mit den Hugos für uns. Der Pool war auch nicht wirklich überfüllt.

Und dann gabs natürlich noch das standesgemäße Abendessen dazu und den finalen Rotwein im Kaminzimmer.

Herzoglich ging es danach in die Nachtruhe.

 

Mittwoch, 28. Juni 2018 (Tag 13).
Das Finale: Von Vedelago nach Lido di Jesolo, 77 km, 1.70 hm.

Kilometer 

Die letzte Etappe war dann eher mäßig. Viel flach, viel Straße. Treviso als Stadt war noch ganz nett. Danach sind wir mehr oder weniger dem Radweg München – Venedig gefolgt.

So ging es dann immer am Fluss entlang. Noch eine Pause auf einem ganz netten Markt.

und dann ging es noch ewig und gezogen wie Kaugummi die letzten Kilometer an der Lagune lang. Dazu noch Gegenwind und die kleinen Orte für eine Mittagspause blieben auch aus oder waren wenig einladend. So sind wir dann weiter bis nach Lido di Jesolo. Flo hatte was von einem eindrucksvollen Moment geschrieben, als sie am Stand angekommen wären und dort ein Bier getrunken hatten. Wir haben den Strand kaum gefunden. Vor lauter Liegestühlen und von einem Strandwächter sind wir dann erst mal vom Fahrrad geholt worden: „Schieben bitte“.

Irgendwann kam dann aber doch die kleine Strandbar. Und hier gabs dann auch das Bier und was zu Essen und die Laune hob sich wieder merklich.

Irgendwie unspektakulär sind wir angekommen. So ein richtig erhebendes Gefühl, dass wir am Ziel sind, wollte sich gar nicht so richtig einstellen. Zum einen voll von den Eindrücken der letzten zwei Wochen, auch etwas platt und froh da zu sein und auch so ein wenig Melancholie, dass die lang geplante, heiß ersehnte und dann fantastisch verlaufende Reise nun zu Ende geht. Wir hatten es geschafft und wir sind angekommen. Ohne Beulen, Blessuren, ohne technische Defekte, Ausfälle. Mit fantastischem Wetter und wunderbaren Eindrücken einer fantastischen Natur. Auch, dass es mit Nick und mir über zwei Wochen so gut geklappt hat ist nicht selbstverständlich. Vielen Dank auch an Ihn an dieser Stelle.

 

Mittwoch, 29. Juni (Tag 14) und Donnerstag, 30. Juni 2018 (Tag 15).
Pause, Packen, Organisatorisches und Heimreise

Für die letzten beiden Tage hatten wir ein cooles Appartement ganz am Ende von Lido die Jesolo im Jachtclub. Recht neu, recht modern. Etwas ab vom Strand und vom Trubel. Wobei wir die letzte Woche vor den Sommerferien hier unten waren. Von daher war es noch überschaubar leer. Wir hatten vermutet, dass es in der Hochsaison wahrscheinlich Blockabfertigung gibt, wenn man ins Wasser will. Über etwa sechs Kilometer ziehen sich am Strand Liegestuhl an Liegestuhl.

Wir haben dann unseren Mietwagen am Flughafen abgeholt. Das ging ganz gut mit dem Bus. Davor hatte ich schon einen Radladen ausgekundschaftet und dort hatte man uns zwei Fahrradkartons versprochen. Per Auto ging es dann in den nächsten Baumarkt. Verpackungsmaterial kaufen, dann wieder zum Radladen, dann noch etwas einkaufen, heim, Essen und dann so langsam die Räder verpacken.

Die Radkisten waren übrigens recht groß. Viel musste man gar nicht auseinandernehmen. Dafür passte noch etwas Gepäck mit in die Kisten. Offiziell ist das nicht erlaubt, kontrolliert hat das aber niemand.  Die Kisten selber passten dann auf zwei Zentimeter genau in den Golf Variant, den wir hatten. Abends waren wir nochmal nett Essen, morgens nochmal am Meer und die restliche Zeit bis zum Abflug haben wir irgendwie vertrödelt.

Am Flughafen wurde es dann nochmal spannend: ob die Räder so einfach mitgenommen werden? Das war noch etwas hin- und her, weil man mit den großen Kisten doch erst zum Check-In-Schalter musste, dann zum Übergepäckschalter. War aber alles kein Problem, zumal unsere Maschine noch knapp zwei Stunden Verspätung hatte.

Der spannendste Moment war nochmal die Gepäckkontrolle, weil der riesige Karton in Schräglage grad mal auf einen Zentimeter durch den Scanner ging. Schwein gehabt, sonst hätten wir alles nochmal auspacken müssen.

Rechts kommt grad das Rad von Nick aus dem Scanner und meins wird schon zum Flieger transportiert.

Mit dem Flieger ging es dann in weniger als anderthalb Stunden zurück nach Stuttgart. Dort direkt in die S-Bahn und ab in die Stadt, wo meine Frau uns dann abgeholt hatte.

Zuhause gabs dann noch ein nettes Abendessen zusammen, angemessen viel Wein und die Erzählungen von unseren Abenteuern und Erlebnissen in ähnlich epischer Länge wie hier in diesem Bericht.

 

 

 

Stuttgart – Venedig / Juni 2018 / Vorbereitungen

Luca will nicht mehr!
Schon nach unserer letzten Frankreichtour 2016 zeichnete sich ab, dass Luca immer weniger Lust hatte zum Radfahren. Mein Radpartner war weg. Entschwunden in Richtung Pubertät und in Abenteuer, die die Kinder eher abseits der Familie mit Freunden erleben.

Ich bin dann 2017 über 7500 km auf dem MTB und Rennrad gefahren. Und immer wieder kam der Gedanke: Einfach weiterfahren, übernachten, in „ferne Länder“.

Ein neuer Projektgedanke: Der Nick!
Vor gut 30 Jahren hatte ich Sport studiert. Mit Nick teile ich seither einige Gemeinsamkeiten. Wir sind bis auf zwei Wochen gleich alt, sind gleich groß, selbe Schuhgröße und privat verbindet uns eine lockere und kontinuierliche Freundschaft. Im Herbst 2017 erzählte ich ihm von der Idee eine Radtour zu machen. So 5 Tage und ob er nicht Lust hätte mitzukommen. Da er sich im Sommer ein Hardtail gekauft hatte, passte das auch ganz gut.

Peter links, Nick rechts

Die Vorgaben waren: Herausforderung ja, verbissene Leistung nein. Etwas Abenteuer. Gutes Essen, tolle Landschaft und ein Ziel. 5-7 Tage, Berge und Natur.
Eher Waldwege und leichte Trails, ein Lift darf auch mal dabei sein. Das ganz im Juni 2018. Erste Ideen waren vom Chiemsee nach Trieste, von Grenoble nach Monaco oder auch von Stuttgart nach Dijon.

Dazu ein paar Vorgaben wie: Du brauchst eine Grundausstattung mit 2xRadhose, 2xTrikot, Regen- und Windschutz, Rucksack und ein paar andere Dinge und vor allem eine vernünftige Grundkondition und Sitzhärte für etwa fünf Stunden im Sattel pro Tag.

Von Stuttgart nach Venedig über die Alpen
Mit zunehmender Planung wurde die Route dann immer noch etwas länger und sollte am Ende in Stuttgart starten und in Lido di Jesolo enden. Das waren über 800 km und ca. 15.000 Höhenmeter. Etwa 2.000 Höhenmeter haben wir mit Lift oder Taxi gemacht. Die Höhenangaben über Strava und auch über Komoot sind aber wie bekannt mit Vorsicht zu behandeln.

The Point of no return
Richtig konkret wurde es, als ich einen Flug von Venedig nach Stuttgart für 29 € gefunden und gebucht hatte. Dazu hatte Nick dann schon begonnen nach meiner Einkaufliste Material zu besorgen und zu trainieren. Unsere ersten Touren starteten bei ziemlicher Kälte im Januar und Februar.

Training auch schon in der kalten Jahreszeit.

Meine Vorgabe war: 2.000 km bis zur Abfahrt. Das hat er auch geschafft. Respekt dafür! Dazu wurde nach und nach sein Schrank mit Radklamotten und Zubehör gefüllt und sein Kontostand „entlastet“.

Streckenplanung, Unterkünfte, Etappen
Im Forum der MTB-News (www.mtb-news.de/forum) bin ich auf eine Tour von „Flo“ gestoßen. Sie entsprach so ziemlich dem, was ich mir vorgestellt hatte.
Hoher Erlebnisanteil, etwas Teer, Forstwege und in den Bergen Trails bis max. S2. Er war mit seiner Truppe in der Nähe von Kufstein gestartet und auch nach Lido di Jesolo gefahren. Seine Unterstützung war super, weil er mir dann die GPX Daten der Tagesetappen wie auch eine super Streckenbeschreibung mit Trails, Anforderungen, Unterkünften etc. zugeschickt hatte. Die Daten hab ich dann nachfolgend auf Komoot transferiert und die Route für uns geplant. Das Routing über Komoot auf der Tour war dann übrigens sehr gut.

Hotels hatte ich über Booking.com ausgesucht, die Hütten direkt angefragt. Booking ist prima, weil ich Unterkünfte auch nach dem Kriterium der kostenlosen Stornierung gesucht hatte. So hätten wir kurzfristig absagen können, falls Krankheit oder Wetter den Start verhindern.

Von Flo weiß ich übrigens bis heute nur den Vornamen. Wir haben einigen Austausch über das Forum gehabt aber seinen ganzen Namen oder Wohnort weiß ich gar nicht. Auf alle Fälle hier ein wirklich herlicher Dank für die tolle Unterstützung!!!

Training, Hindernisse, neues Bike und Laufräder
Wie schon erwähnt, waren wir beim Training recht fleißig. Allerdings kommt zum Thema Grundlagenausdauer auch noch die Technik. Und hier war wahrscheinlich die größte Differenz. Ich fahre seit 30 Jahren MTB und eben auch gerne Trails und hab einige Erfahrung. Nick eher nicht. Also ging es hier auf dei Trails in der Umgebung, denn die waren von der Anforderung mit den Bergen durchaus vergleichbar. Sie liegen gefühlt so im Bereich S0 – S2. In den letzten Jahren sind einige ziemlich coole Segmente mit netten Namen wie „Indiana Jones“ oder „Klabuster“ dazugekommen.

Hier galt es also vor allem für Nick Erfahrung und Sicherheit zu bekommen. Dabei war er durch zwei Dinge im Nachteil: Fehlende Technik und ein 29er Hardtail. Damit ist er die Wege halbwegs runtergekommen, musste aber doch öfter mal absteigen und „Schlüsselstellen“ schieben. Grundsätzlich war das ok aber ich hatte immer wieder mal angeregt, dass er sich vielleicht noch eine absenkbare Sattelstütze besorgt oder vielleicht sogar ein Fully leihen könnte.

Bei einer Tour vier Wochen vor unserem Start hab ich ihm für eine Trailrunde mein Trek Remedy gegeben, damit er mal ein Fully fährt und den Unterschied spürt. Mit 140mm Federweg ging es dann deutlich besser und am Ende ist er recht zügig gefahren und musste auch nicht mehr absteigen.

Dieses Erlebnis hatte dann zur Folge, dass er die nächste Runde (wieder auf dem Hardtail) recht optimistisch gestartet ist.  Gleich im ersten Trail war dann ein Baumstamm auf dem Weg und die Verbindung aus fehlender Federung und mangelnder Technik haben ihn dann ausgehebelt und über den Lenker geworfen. Ein Schrei, ein Bums, Abschürfungen und Prellungen. Nicht richtig dramatisch aber vier Wochen vor dem Start hat das doch Eindruck hinterlassen.

Rippen geprell, Arm aufgeschlagen und die „lustige“ und dicke Beule am Knie war leider schon verbunden. Die hätte bildlich am meisten hergegeben.

Gegen den Schmerz gabs dann aber noch ein „Trostpflaster“. Sein Sohn wollte auch ein MTB und so gab es ein gemeinsames Radprojekt: Nämlich ein super ausgestattetes  29er Votec mit 120mm Federweg im Angebot. Optimal für die Tour und viel besser geeignet als das Hardtail. Damit waren wir quasi komplett und bereit für den Start.

Bis: Ach ja. Ich hab bei meinem Rad so ziemlich alle Verschleisteile vor der Tour getauscht. Kette, Züge, Dämpfer- und Gabelservice, Neue Bremsbeläge, größere Scheiben und den Nobby Nik in 2.35 als Schlauchlosreifen.

Und weil man mit den Schlauchlosreifen mit weniger Druck fahren kann, hab ich noch eine Trailrunde eingelegt. Ca. 1,8 bar hatte ich drauf, als ich nach einem Sprung reichlich Dichtmilch in der Landschaft verteilt habe. Der Reifen ist durchgeschlagen, die Felge hatte eine Delle.

Dann drei Tage vor Abfahrt begann die Odysee. Erst habe ich die Felge mit Holz und Hammer wieder so ausgebeult, dass der Schlauchlosreifen wieder die Luft gehalten hat. Dann wollte ich „noch kurz“ den Seitenschlag korrigieren. Leider waren die Speichennippel geklebt und unterdessen auch so korridiert, dass das Gewinde gerissen ist. Bei dem local Dealer wurde dann schnell eine Speiche getauscht, zu mehr hatten sie keine Zeit.

Also zum nächsten Laden, der reparieren konnte. Der schaute sich die Felge an und fand zwei Längsrisse drin. Könnte halten meinte er, könnte aber auch gut auseinanderfliegen. Wo sollte ich jetzt in zwei Tagen einen neuen Laufradsatz herbekommen? Die local Dealer hatten nichts vorrätig und für eine Bestellung war es zu spät. Fündig bin ich nach einger Recherche beim Bike Lädle in Abtsgmünd (nähe Aalen am „Arsch der Welt“) geworden. Ein paar Hope Naben mit Spank Felgen. Ein Customaufbau der liegengeblieben ist, weil dem Kunden die Farbe nicht gefiel. Regulärer Preis über 600 €. Im Angebot durfte ich sie für 300€ mitnehmen und ich war happy, dass das überhaupt noch geklappt hat. Übrigens ein cooler und sympathischer Laden. Deshalb auch die Visitenkarte unten.

Neuer Laufradsatz, zwei Tage vor der Abfahrt.
Für die Wilden aus dem Südwesten. Ein ganz guter Tipp zum Thema Laufräder.

Damit war alles gut. Und auch der letzte wichtige Tipp von Flo aus dem Forum war sehr hilfreich. Wir wollten eigentlich direkt nach Pfingsten starten. Auf seine Empfehlung haben wir das nochmal zwei Wochen nach hinten geschoben und sind am 15. Juni in Stuttgart gestartet. Das Wetter war die ganze Zeit über super. Wären wir wie ursprünglich geplant Anfang Juni gestartet, wären wir im Regen ersoffen und die Tour hätte einen ganz anderen Charakter bekommen.

 

 

Navigation – mit Komoot und iPhone

„Vielen Dank Komoot für die tolle Routenführung“

Für unsere Touren hatte ich ganz gewiss keine Lust auf Karten wälzen. Wie beim Auto sollte es eine komfortable Routenführung sein. Aber was nimmt man dazu? Das Mobiltelefon und wenn ja, welche Software? Oder sollte es doch besser ein spezielles Fahrrad-Navi von Garmin, Falk oder Polar sein?

Auch bei dem Thema kann man viel Lesen und in Foren stöbern und die Bike-Magazine bringen ja auch hin und wieder was. Das nutzt aber wenig, da es sowohl für die eine als auch für die andere Lösung Vor- und Nachteile gibt und in den Foren auch teilweise sehr intensiv diskutiert wird. Das Mehr an Informationen hat bei mir eher zu Verwirrung geführt als mir eine Entscheidungshilfe zu geben.

Letztendlich bin ich jetzt etwa zwei Jahre bei der Lösung iPhone mit Komoot und Quad Lock als Halterung (und nein, ich bekomme weder Geld noch sonstige Zuwendung von Komoot, Quad Lock o.ä. sondern habe das Zeug ganz normal gekauft).

Warum das iPhone? Weil ich es habe, weil es ein starker Computer mit Bildschirm ist und es passende Software gibt und ich verstehe, wie es funktioniert. Die Vorteile von Garmin oder anderen Geräten haben sich mir nicht so weit erschlossen, dass ich bereit war nochmal ein paar hundert Euro auszugeben. Klar gibt es Vorteile: Die Laufzeit ist länger, der Schutz des Gerätes wahrscheinlich auch, weil ein Handy eben nicht primär auf Outdoor ausgelegt ist. Die Dinger sind auch bei Nässe unempfindlicher, die Batterie hält wohl deutlich länger und bei Sonneneinstrahlung lässt es sich besser ablesen.

iPhone: Ich habe es eh dabei, brauche kein zusätzliches Gerät und auch nochmal ein Ladekabel o.ä. Ich bin mit der Software flexibler. Ich kann parallel andere Apps wie Strava oder Wahoo laufen lassen.  Ablesbarkeit ist völlig ok bei toller Auflösung. Wenn wirklich mal die Sonne draufknallt, „schatte“ ich halt mir der Hand ab, hier hatte ich aber noch nie wirklich Probleme. Bei schweren technischen Wegen mit felsigem Untergrund nehme ich das Telefon einfach mal ab und packe das in die Tasche. Das hatte ich aber auch so wenig, dass ich eigentlich gar nicht mehr darüber nachdenke.

Die Halterung:
Quad Lock finde ich super! Ich hab eh immer eine Hülle um das iPhone. Die Hülle ist halbwegs filigran, sieht ok aus, ist gut verarbeitet und passt mit der Halterung perfekt ans Fahrrad. Eine zweite Halterung hab ich am Motorrad.
Das Ding sitzt fest und funktioniert einfach gut. Die Regenhülle hab ich auch, nutze sie aber selten. Bei leichtem Regen lasse ich die Tropfen einfach auf dem Telefon, die Ecken sind ja eh umschlossen und oben ist es dicht. Wenn es zu stark regnet packe ich das Telefon in meine Jacke. Bei langen Touren oder Reisen mache ich dann mal die Hülle drauf, richtig toll ist das dann von der Bedienung und Ansicht aber nicht mehr.

Im Video sieht man, wie das Teil funktioniert. Natürlich schön gemacht und etwas amerikanisch und in den höchsten Tönen gelobt. Das einzige, was wirklich schade ist, ist dass es Hüllen fast nur für das iPhone gibt. Es gibt zwar eine Universalhalterung, die an eine Hülle angeklebt werden kann, hier hätte ich aber  Bedenken, dass das nicht hält und mir meine Telefon auf die Straße knallt.

Die Software
Am Anfang hatte ich mit verschiedener Software experimentiert und mit der Navigation echte Schwierigkeiten. Ich hatte schlicht nicht verstanden was „gpx“ Daten sind, dass ich mir irgendwo „offene Karten“ runterladen und irgendwo einbinden sollte und wie das ganze dann mit dem Handy am Rad funktioniert.

Mir hat dann jemand Komoot empfohlen und ich hab es auf das iPhone geladen und ausprobiert. Und auch hier hab ich einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, wie das ganze System funktioniert und in wie weit man sich auf die Routenführung verlassen kann.

Toll ist, dass es eine Sprachansage gibt. Die funktioniert allerdings nur, wenn man die Route mit Komoot erstellt. Man kann Daten von Routen z.B. als „gpx“ importieren. Dann funktioniert allerdings die Sprachansage nicht mehr.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Routenplanung. Zum einen direkt wie bei jeder Autonavi auch, kann ich in der App am iphone Start und Ziel eingeben und die Software errechnet mir den „optimalen“ Weg nach meiner Vorgabe (dazu später noch etwas mehr). Und, das ganze geht auch am Rechner zuhause, dann mit großem Monitor und hier kann ich die Route auch selber planen und verändern.

Für unsere Alpenüberquerung hatte ich eine Route aus dem Buch „Alpencross light“ ausgewählt. Da war auch eine CD bei, wo die „gpx“ Daten drauf waren.
Letztendlich habe ich jede Tagesetappe per „gpx“ in Google-Maps importiert und mir anzeigen lassen und in einem zweiten Fenster am Rechner die Strecke dann in Komoot nachgebaut. Das war etwas Aufwand und hat Zeit gekostet aber sonst hätte ich auf die Ansagen verzichten müssen. Das Gute dabei war auch, dass ich schon im Vorfeld einiges über unsere Strecke gewusst habe.

Vor einer Reise oder vor allem vor einem Alpencross ist es absolut sinnvoll vorher mit dem System zu üben und zu verstehen wie man es bedient und wie es funktioniert. Wenn das System zum Beispiel die Ansage macht: „rechts abbiegen“ macht es Sinn nochmal auf die Karte zu schauen. Mit etwas Übung sieht man z.B., dass das „Abbiegen“ erst hinter der Unterführung kommt oder dass „rechts abbiegen“ heiß, auf dem Weg weiter gradeaus zu fahren und nur nicht links abzubiegen. Man lernt auch, dass man auf Straßen den Maßstab etwas kleiner anzeigen lassen kann, in Orten oder im Gelände nimmt man besser den größmöglichen Maßstab (die Karte lässt sich wie gewohnt mit zwei Fingern zoomen). Man lernt auch, dass der kleine Pfeil rechts unten dazu führt, dass die Anzeigerichtung mit der Fahrtrichtung übereinstimmt.

Komoot bietet auch die Möglichkeit seine Sportart auszuwählen und passt dann den Weg entsprechend an. Das macht ja auch Sinn, weil es ein Unterschied ist, ob ich mit dem Rennrad über Pässe fahre oder mit dem Mountainbike kleine Trails suche. Und ganau die Trails und die Einstellung „Mountainbike“ bzw. „Mountainbike Alpin“ ist nicht unproblematisch. Natürlich suche ich kleine Trails aber fahrbar sollen sie schon sein. Das Video oben zeigt genau so eine Situation. Wir hatten quasi als Generalprobe vor dem Alpencross eine Tour mit allem Gepäck und unserer Ausrüstung von Stuttgart nach Nürnberg zu Freunden geplant. Die Route hatte ich über Komoot zuhause am Rechner angelegt. Einstellung: „Mountainbike“. Wie im Video zu sehen war da vielleicht vor 5 Jahren mal ein Weg. Als wir angekommen sind, war da aber keiner mehr. Am Anfang ging es noch, dann wurde es immer wüster und am Ende haben wir nochmal einige hundert Meter quer durch Gestrüpp geschoben bevor wir wieder auf einem fahrbaren Weg waren.

Ähnliches hatten wir in Südfrankreich. Hier ging es quasi senkrecht den Berg hoch. Ich meine, dass war eine Feuerschneise. Absolut unfahrbar und zwar hoch und in weiten Teilen auch runter.

0.tagfrankreich

In der Hinsicht hatten wir einige Erlebnisse. Das ist bei einer kleinen Nachmittagsrunde zu verschmerzen aber wenn man an dem Tag schon vier Stunden unterwegs war und noch 35 km vor sich hat, ist so ein Abschnitt ätzend, vor allem, weil man einfach nicht mehr vorankommt, Zeit verliert und das Rad zu schieben oder tragen dauert nicht nur lange, sondern macht auch wenig Spaß.

Man plant also eine Alpenüberquerung besser nach vorgegebenen Routen und baut sich die ggf. am Rechner nach, wenn man die Sprachansage haben möchte. Oder, was wir auf langen Touren gemacht haben ist, dass wir „Radweg mit Schotter“ als Option eingegeben haben. Dann fährt man eher auf Waldwegen und die kleinen Trails werden ausgelassen.

Die Routen sollte man sich dann mit den Karten auch offline verfügbar machen. Das geht sehr einfach über einen kleinen Schiebeschalter in der App auf dem iPhone. Dann funktioniert die Navi auch ohne Handyempfang. Hier hat man übrigens eine Einschränkung: Wenn man irgendwo in der Pampa steht, keinen Handyempfang hat und eine neue Route planen will, geht das nicht. Zumindest hatte es soweit ich mich erinnere bei mir nicht funktioniert.

Akkulaufzeit
Vollgeladen hält mein iPhone bei voller Helligkeit etwa zwei Stunden. Wenn ich die Helligkeit reduziere, komme ich auf etwa 3-3 1/2 Stunden. Mit einem kleinen Akkupack, kann ich mein Telefon eineinhalb bis zwei Mal aufladen. Bei einer längeren Tour habe ich zur Sicherheit einen zweiten Pack dabei. Das reicht mir ewig! Zudem kann ich den Monitor auch einfach ausschalten, die Ansage läuft ja weiter. Hier hatte ich noch nie Stress. Unterdessen schalte ich den Bildschirm manchmal einfach auch aus, weil ich die Navi nicht permanent brauche, z.B. wenn ich einem Weg mal 5 Kilometer folgen soll.

Die Community Fähigkeiten von Komoot nutze ich eigentlich gar nicht. Das liegt aber sicher auch daran, dass ich seit 20 Jahren mit dem Rad um Stuttgart herumfahre und mich ganz gut auskenne und für Radreisen selber plane.

Ich kann das Handy mit entsprechender Software als Radnavigation nur empfehlen. Mag sein, dass das für extreme Touren nicht die richtige Konfiguration ist. Es ist aber auch eine einfache Lösung, weil die meisten ein Handy haben und man es einfach ausprobieren kann. Ich meine, mit Komoot kann man ein kleines Gebiet mal testen, Regionen gibt es für ein paar Euro, der weltweite Kartensatz kostet dann 30€. Wenn man dann nicht zufrieden ist, kann man immer noch eine externe Fahrrad Navigation kaufen. Ich meine aber, dass die Bedienung auch nicht ganz so einfach ist.

 

 

 

Ausrüstung und Packen für Alpencross – mit Packliste

Packliste Alpencross und „Tour de France “ (light)

Excel-Datei: Packliste Alpencross und „Tour de France “ (light) direkt über diesen Link downloaden!

Packen ist ein Thema! Vor allem für die, die sich auf ihr erstes Projekt vorbereiten. Es gibt dazu diverse Erfahrungsberichte und Listen im Internet. Und die Empfehlungen sind durchaus recht unterschiedlich.

Hilfreich ist, wenn man am Anfang darüber nachdenkt, was man machen will. Geht es eher über Schotter und einfache Trails oder auf steinige, verblockte und technische Abschnitte im Hochgebirge. Unsere erste Tour ging über die Berge, eine Mischung aus Trails, Schotter, Straße. maximale Höhe 2.500m.

Die zweite Tour war eher eine Radtour durch Frankreich, mit 80% Straße und 20% Schotter. Bei beiden Touren waren wir gut ausgerüstet.

Unsere Grundvoraussetzungen waren:
Rucksack statt Fahrradtaschen
Ziel waren weniger als 7 Kilo
Unterkünfte in Hotels, Pensionen und B&B
Eher Cross-Country als Downhill

Für die Planung und Materialbeschaffung sollte man Zeit einplanen. Es ist sicher kein Fehler drei Monate vorher damit anzufangen, denn vor allem beim ersten Projekt braucht man einiges an Ausrüstung. Das fängt beim Rucksack an, geht über die Kleidung zu Werkzeug etc. Bei unserem Alpencross 2015 hatten wir bis auf Radtrikots, Hosen, einen kleinen Rucksack oder Radschuhe kaum passendes Equipment. Wir mussten in Ausrüstung investieren und pro Person hatten wir am Ende etwas über tausend Euro Budget verbraucht. Das fing mit einem vernünftigen Rucksack an, ging über Regenjacke und Regenhose zu Schuhen, neuen Helmen, zu Windjacke, Karten, Verbandszeug u.s.w.

Viele Sachen habe ich zu reduzierten Preisen bei Versendern gekauft oder im Ausverkauf bei Larca oder anderen Sportläden in und um Stuttgart besorgt. Das ist zwar viel Aufwand, auch nicht toll für den Einzelhandel und nicht alle Sachen passen farblich zusammen aber ansonsten hätten wir eher das doppelte Budget bereithalten müssen.

Hier mal grob unsere Aufstellung über das eingekaufte Material

Ausrüstung (bezahlt / regulärer Preis):
Rucksack – 85 € / 139 €
Kartensatz – 28 €
Software, Apps – 40 €
Radbrille – 89 € / 139 €
Satteltasche – 13 €
Erste Hilfe Pack – 12 €
Ersatzschläuche – 24 €
iphone Halterung – 70 €
Akkupack – 25 €
Bremsbeläge – 24 €
Lenker und Vorbau – 60 € / 130 €
Energieriegel – 29 € / 39 €
Reifen – 72 € / 144 €

Klamotten
Radhose kurz trägerlos – 39 € / 79 €
Radhose kurz mit Träger – 40 € / 90 €
MTB Short – 40 / 90 €
Trikot 1 – 40 € / 70 €
Trikot 2 – 19 € / 59 €
Superdünne Windjacke 35 € / 89 €
Regenjacke 100 € / 140 €
Regenhose 50 € / 79 €
Schuhe (hoch) – 139 € / 239 €
Handschuhe – 15 € / 49 €
Beinlinge – 19 € / 49 €
Armlinge – 10 € / 39 €

Dazu noch Kleinkram wie Ersatzbremsbeläge, Kettennieten, kleine Satteltasche etc.

Was hat sich bewährt und was zu viel?
Wir hatten pro Person zwei Ersatzschläuche dabei. Gebraucht hatten wir einen. Bei einer Tour in die Alpen würde ich wieder zwei Paar mitnehmen. Meine Vorstellung, dass es unterwegs viele Radläden gibt, war zumindest auf unseren Routen eine Illusion. Gebraucht haben wir sie aber auch nicht.

Die Dämpferpumpe hatten wir in den Alpen dabei aber nie gebraucht. Bei unserer Frankreichtour haben wie sie weggelassen.

Die Alpencross-Radschuhe (1 mal Shimano, einmal Vaude) waren in den Alpen gut aber nicht zwingend nötig. Im Hochgebirge und bei steinigen und verblockten Strecken sind sie sicher notwendig. Wenn man eher Schotterwege und Trails fährt, geht es auch mit normalen Radschuhen.

In den Alpen sind zwei Trikots und zwei Hosen kein Fehler, vor allem, wenn das Wetter wechselhaft ist und es auch mal regnet. Ohne Sonne und bei niedrigen Temperaturen bekommt man die Sachen nach dem Auswaschen bis zum nächsten Morgen nicht mehr richtig trocken.

In den Alpen hatten wir uns so ausgerüstet, dass wir auch einen Wettersturz überstanden hätten. Regenhose, Faserpelz, Regenjacke, Überschuhe etc. hatten wir dabei und auch gebraucht. Bei unserer Frankreichtour haben wir Armlinge und Beinlinge weggelassen, dito die Regenhose. In Frankreich hätte ich auch die zweite Radhose nicht zwingend gebraucht. Die Sachen waren am nächsten Morgen getrocknet.

Für die Frankreichtour hatte ich auch noch in Reifen investiert. Hier hatte ich leicht laufende Marathon Renn-Reifen von Conti genommen. Mit drei Bar Druck sind die deutlich leichter gelaufen. Die Investition hat sich gelohnt! Im Gebirge wären sie nichts gewesen. Die Seitenwangen sind sehr dünn und die Reifen haben wenig Profil.

Navigation lief bei uns über iphone und Komoot. Karten hatten wir zur Sicherheit mit. Das waren über 300 Gramm. Gebraucht haben wir sie nicht. Einmal hat in Canazei eine Route nicht funktioniert. Wir sind dann über eine Schotterstraße nach unten und durch Zufall in einen guten Trail gekommen. Ab da, wo es wieder Internet gab, konnte ich die Route neu berechnen. Wir sind bei beiden Touren mit der Navigation über Komoot sehr gut hingekommen. Kann sein, dass das bei extremeren Routen nicht funktioniert. Ich habe mit iphone und Komoot gute Erfahrungen gemacht.

Die Dämpferpumpe haben wir bei der zweiten Tour weggelassen, weniger Energieriegel mitgenommen, zweiten Schlauch weggelassen.

Bei der Alpentour hatte ich nur ein normales T-Shirt dabei, keine Badehose und kein Hemd. Das hab ich mir dann auf der Tour nachgekauft bzw. bei der zweiten Tour eingepackt.

Dieses Jahr hatten wir unsere Ausrüstung noch etwas ergänzt. Wir haben uns sehr leichte, lange Outdoorhosen besorgt, dito T-Shirt und zwei leichte Windjacken. Mit einem T-Shirt und einem kurzen Hemd, dazu ein leichter Faserpelz und sehr leichten Schuhen (dünne Sohle mit etwas Stoff drüber ca. 210 Gr./Paar) waren wir leicht ausgestattet. Alle Sachen waren aus Kunstfaser und sehr schnell gewaschen und getrocknet. Damit konnte man auch mal Essen gehen oder sich abends im Ort zeigen. Generell braucht man nach der Tour wenig, denn wenn man jeden Tag 5-8 Stunden unterwegs ist, sind die Ansprüche abends recht begrenzt.

Ach ja, wie in der Liste zu sehen, habe ich alles mit der Küchenwage gewogen. Bis das Ergebnis so war wie hier dargestellt hat es etwas gedauert. Wahrscheinlich fehlen auch ein paar Kleinigkeiten wie z.B. Kreditkarte und Geld oder eine Packung Tempos. Das ist aber zu vernachlässigen. Auch, dass ich an einem heißen Tag die zweite Flasche mit Wasser im Rucksack getragen habe. Das sind dann zwar 700 Gramm mehr aber das ist völlig ok. Grundsätzlich muss es passen und mit 7 Kilo bei der Alpentour und ca. 5 1/2 für Frankreich war das gut zu tragen und keine Qual.