Stuttgart – Hyeres (Juni 2019)

Die Radtouren mit meinem Sohn Luca waren toll. Der erste Alpencross, dann die Tour durch Frankreich. Leider hatte er dann mit 16 keine Lust mehr auf Touren mit mir. Gut, dass es Nick gibt. Mit ihm hatte ich vor 30 Jahren Sport studiert und „etwas angerostet“ hat er sich auf das Abenteuer Alpencross eingelassen. Das war letztes Jahr und die Tour und die Erfahrungen und Erlebnisse stehen etwas weiter unten im Blog. Spaß hat es uns beiden gemacht.

Und weil ich gerne quatsche hab ich dem Nick dann noch ein Rennrad „anmoderiert“ und von den Vorzügen in Sachen direkter Vortrieb und hohe Geschwindigkeit geschwärmt. Offenbar so gut, dass er einige Wochen später ein Cube Agree mit Di2 hatte. Und weil die Tour letztes Jahr auch mit uns gut geklappt hat, konnte ich gleich weitermoderieren und die Vorzüge einer Rennradtour von Stuttgart bis nach Hyeres ausführlich beschreiben. Natürlich mit einigen Pässen der Tour de France, 16 Tage ab Stuttgart über kleine Nebenstraßen durch Frankreich.

Die Vorbereitungen haben wie immer schon Spaß gemacht. Das Austüfteln der Route in Verbindung mit schönen und charmanten Unterkünften. Die Vorstellung von Passstraßen in den Alpen oder die Vorfreude auf unbekanntes Hinterland. Das „in Form bringen“, das Einkaufen von Sachen, die noch gefehlt haben und so weiter.

Vorbereitungen!

Sidi Wire im Angebot für 99€ mussten sein!
Trainingsrunden im Schwarzwald …
und gelegentlich ein Bier nach getaner Arbeit

Gepäck!

Weglassen, weglassen, weglassen. Das hat geklappt (so gut, dass ich Bedenken vor meiner eigenen Courage hatte). Aus der Erfahrung der letzten Touren weiß ich schon was man braucht und was eher nicht. Dazu kommt, dass man bei einer Rennradtour ein paar Sachen nicht benötigt (Dämpferpumpe) und andere Teile einfach leichter sind (Schläuche). Am Ende hatte ich knapp unter fünf Kilo inkl. dem Gewicht vom Rucksack auf dem Rücken. Es gab eine lange Hose, ein T-Shirt, ein Hemd. 2 Sätze Radklamotten, 2x Socken, 1x Unterhose und ein mal eine Badehose, die zur Not auch als Shorts herhalten konnte. Dann noch etwas Luxus und ein paar wirklich wichtige Sachen, die ich erst nicht mitnehmen wollte. Ich war dann aber doch sehr froh, sie dabei zu haben.

Die Windjacke (+150gr), statt nur der Regenjacke. Beste Entscheidung, weil ich das Ding oft anhatte.

Die Badehose (Shorts) statt zweiter Unterhose. Hatte ich viel an, vor allem im Süden.

Sitzcreme und Wundcreme: Dachte, dass ich die nicht mehr brauche, weil ich so viel gefahren bin. Wäre aber ein böser Fehler gewesen! Der Hintern von beiden Schwaben freute sich ab dem zweiten Tag über die Zuwendung durch Sitzcreme am Morgen und Wundcreme am Abend!

Die Route:

Die Abfahrt sollte ab Stuttgart sein. Dann über Karlsruhe und über die Grenze nach Wissembourg. Von dort so etwa 100 km weiter nach Osten und dann nach Süden über Besancon, den Ain entlang in Richtung Grenoble. Dort ein Pausentag gefolgt von den Alpen mit ein paar Pässen, die auch bei der Tour de France gefahren werden. Der Galibier als Höhepunkt und von dort weiter in Richtung Provence, nach Süden bis Hyeres. Nachfolgend die geplante Route mit Tagesetappen, Höhenmetern und Kilometern, die wir auch weitestgehend eingehalten haben.

Gesamt Fahrtage: 13 – ca. 101km/Tag, bei ca. 1420 Hm/Tag

Tag 1: Von Stuttgart nach Wissembourg 137km, 1048 Höhenmeter

Das Wetter wurde langsam gut. Der Mai und auch der Anfang des Junis waren noch eher kalt und durchwachsen. Wir waren aber guter Hoffnung, dass der Sommer 2019 ähnlich wie 2018 wird. Und so war es auch. Pünktlich zu unserem Start war der Sommer da. Mit Rückenwind und ohne Gepäck ging es morgens in Stuttgart los in Richtung Westen.

Die Profis bei den letzten Vorbereitungen
Konzentriertes Starten von Wahoo, Strava und Komoot. So konzentriert waren wir damals weder in der Schule noch im Studium!
Der Start der Tour!

Der erste Teil der Strecke war bekannt. Von Stuttgart über Leonberg nach Weil der Stadt und durch das schöne Würmtal nach Pforzheim. Ab dort wurde Komoot gefolgt. Das hat übrigens auf der gesamten Strecke ziemlich gut funktioniert.

Gepäck hatten wir heute noch nicht dabei. Das haben unsere Frauen mitgenommen, die abends noch mit Freunden kamen, um unsere erste Etappe entsprechend zu würdigen.

Unerwartetes Hindernis, dass uns nochmal gut 20km mehr am ersten Tag beschert hat.
Schon in Frankreich, kurz vor Wissembourg und eine von zwei Regenetappen.

Tag 2: Von Wissembourg zum Chateau D‘ Altville 117km, 1305 Höhenmeter

Ein gemeinsames Frühstück und dann Abschied von den Freunden und Partnern. Jetzt wird es ernst. Zumal der Himmel noch bedeckt war und recht kühl. Aber erstmal ging es prima bergauf und das wärmt ja auch ein wenig.

Durch Wissembourg …
… mit kleinen Hindernissen.
Die Vogesen: was das Wetter machen will, war uns auch noch nicht so richtig klar.

Das Wetter blieb kühl, wir hatten dann gehalten und Arm- und Beinlinge übergezogen, die Windjacke an. So ging es ganz gut, leider hat der Wind noch ziemlich geblasen und war den ganzen Tag gegen uns.

Am Nachmittag hat die Sonne sich dann durch die Wolken gekämpft. Es wurde wärmer, freundlicher. Bis auf den Wind, der den Schnitt weiter deutlich nach unten korrigiert hat.

Unser Ziel war an diesem Tag das Chateau D‘ Altville. Das ist wunderschön, liegt irgendwo im Nirgendwo ca. 50km vor Nancy. Als wir dann abends ankamen, hatten wir einigermaßen die Nase voll. Das Chateau hat uns dann aber doch ziemlich umgehauen. Tolles Gebäude und vor allem wartete ein super Zimmer auf uns, ein gekühlter Wein und abends gab es ein Essen nach französischer Landadelsart.

Irgendwo unterwegs
Ankunft am Chateau
Geiles Zimmer
gekühlte Getränke!

Abendessen am großen Tisch in herrschaftlichem Ambiente.

Tag 3: Vom Chateau D‘ Altville zur Villa Moncoeur, 108 km, 1330 Höhenmeter

Ruhig ists hier am Chateau, die Sonne scheint. Draußen ist es grün von Wiesen und Blumen und Bäumen und Natur. Viel mehr gibt es hier auch nicht.

Wir starten nach einem vernünftigen Frühstück. Die Gegend beindruckt und so langsam komme ich auch in den „Reiseflow“. Tolle Natur denke ich, trete vor mich hin. „Die armen Schweine im Büro“, denke ich. Die können hier nicht so schön rumfahren. Und während die Sonne scheint und der Wind um meine Nase pfeift, spüre ich den besonderen Moment. So etwas wie eins sein mit der Natur, mit sich selber. Schön, denke ich. Beseelt bin ich. Die armen Schweine im Büro denke ich nochmal und freue mich, dass ich Urlaub habe.

Auf der anderen Seite, wenn ich jetzt nicht Urlaub hätte? Berufsradfahrer wäre zum Beispiel und würde so wie heute jeden Tag Rad fahren – so wie die anderen ins Büro gehen. Wäre es dann jeden Tag so wie heute, so besonders? DAS GLÜCK IST IMMER FLÜCHTIG! denke ich und das war die Erkenntnis des Tages. Und ganz nebenbei lässt sich der Satz auch beruflich prima und beeindruckend bei Kundenpräsentationen einsetzen. Denn bei den Filmen, die wir uns ausdenken und produzieren ist es nicht viel anders. Das ist aber ein anderes Thema.

So langsam wird es Mittag. Die Natur ist immer noch schön. Langsam dürfte aber mal ein Ort kommen. Die gibt es zwar immer wieder aber doch in größerem Abstand als bei uns und vor allem: da ist nichts los! Keine Menschen, keine Läden, keine Kneipen. Und wann kommt jetzt bitte ein Café oder eine Kneipe, wo wir mal Pause machen können?

Dafür ist am Abend unsere Unterkunft wieder der Knaller. Ein Stück über Remiremont liegt die Villa Monceur. Scheinbar hatte hier schon Greta Garbo genächtigt und damit sollte die Hütte auch für uns gut passen. Die Villa war dann schon der Knaller. Das Zimmer hat uns nicht umgehauen aber der Pool, das 4 gängige Menü am Abend und ein paar Gläser Wein haben das gut gerichtet. Dazu war der Gastgeber nett, hilfreich, selber Rennradfahrer und konnte uns auch mit einer vernünftigen Pumpe aushelfen.

Tag 4: Von Reimiremont nach Fretigney. 93 km, 955 Höhenmeter

Ein geiler Tag. Sonne scheint. Natur super. Kein Kater vom üppigen Mal und den passenden Getränken am Abend. Dazu Rückenwind. Dazu kam, dass die Etappe nicht allzu lang war und auch nicht viele Höhenmeter hatte. Entspanntes Reisen durch das französische Hinterland.

Geblieben ist die Erkenntnis, dass Frankreich deutlich größer ist als Deutschland und dabei weniger Einwohner hat. Bei uns ca. 232 Einwohner auf den Quadratkilometer, in Frankreich sind es grad mal 103. Das führt also immer wieder dazu, dass wir beim Radfahren folgendes sehen: Wiese, Kühe, Bäume, Hügel. Eine Kurve. Danach wieder Wiese, Kühe, Bäume. Ansonsten wenig Veränderung über den Tag. Und was wirklich nervt: Keine Kneipen, keine Läden. Und wenn man nach 3-4 Stunden mal was trinken will. Nix. Kühe, Wiesen, Bäume. Die kann man aber nicht trinken. Und einen Umweg von 10km zum nächsten größeren Ort macht man leicht mit dem Auto aber nicht mit dem Rad. Also strampeln wir weiter und irgendwann kommt dann auch mal was. Kann halt sein, dass dauert fünf Stunden. Dafür sind die Straßen ruhig und es hat wenig Verkehr.

Immer wieder schöne Gegenden und völlig ruhige Straßen mit wenig Verkehr
Die nächste tolle Unterkunft – alles Bio, Viehzeug, Hängematte und gutes Essen.
und wie auf Bestellung macht der Kollege noch die Poser-Pose. Ist übrigens real und wirklich mit dem iPhone geknipst.

Tag 5: Von Fretigney nach Clairvaux les Lac. 131 km, 1.644 Höhenmeter

Nach dem ruhigeren Tag die längste geplante Etappe der Tour und auch schon ein paar Höhenmeter. An Besançon sind wir schon deutlich vorbei. So langsam sollte der Ain in Sicht kommen und wir nähern uns dem Gebiet des Jura.

Auf kleinen Straßen durchs Hinterland
und Zeit den großen Käfer zu bestaunen gabs auch noch.

Gegen Mittag erreichen wir Arbois. Eine bezaubernde Stadt, die vor allem vom Weinbau lebt.

Arbois, ein hübsches Städtchen im Jura

Wir haben auch reichlich Hunger. Unterwegs gab es wieder keine Möglichkeiten etwas zu Essen oder Pause zu machen. So ganz langsam reicht es mit dem ruhigen Hinterland. Entsprechend groß ist dann auch die Erwartung an das Mittagessen. In gewohnter Weise moderiere ich den Nick zu einem typisch französischen Mittagessen. Die „Plat du Jour“. Ein Mittagsmenü sollte es sein. Schließlich sind wir weit gereist. Eine tolle Kneipe finden wir nach etwas Sucherei. Leider bekommen wir da keinen Platz mehr aber eine Querstraße weiter ist ein kleines Bistro und die haben: Ein „Plate du Jour“.
Ich weiß nicht, was der Koch gelernt hat! Vielleicht Maurer? Ich weiß auch nicht. Das Essen war für Frankreich eine SCHANDE!!!

Das mieseste Essen, dass ich je in Frankreich gegessen habe! Kalte Nudeln mit Käse. Fettwurst mit Majo. Wir hatten aber so einen Hunger!

Also irgendwie haben wir das Essen reingetrieben und nach dem ersten Biss kam die Überlegung, dass die Majo – wenn sie ähnlich liebevoll gelagert wurde wie die Zubereitung des Essens war – naja, vielleicht, dass es nicht so gesund wäre, das zu essen. Also abgekratzt, den Rest reingewürgt und schwer enttäuscht den Ort verlassen.

Der nachfolgende Pass hat mir dann zu denken gegeben. Wenn die Majo jetzt verdorben war, werde ich krank. Man hat auf dem Rennrad Zeit für solche Gedanken und auch das ständige Rotieren der Beine führt mitunter zu sich kreienden Gedanken im Kopf. War ein blödes Gefühl, ist aber nichts passiert.

Nicht schön aber zweckmäßig. Geld holen, einen Laden gabs dort auch.

Recht platt sind wir dann am Ziel angekommen. Ein einfaches Hotel am See. Nichts Besonderes, winzige Zimmer aber viele Alternativen gab es auch nicht. Immerhin bin ich mal ins Wasser gesprungen, die Badehose sollte ja nicht umsonst durch Frankreich kutschiert werden.

Tag 6: Von Clairvaux nach Champagne en Valromey. 111 km, 1.620 Höhenmeter

Heute nervt der Gegenwind aber wir kommen wieder durch schöne Landschaft. So ganz langsam kann man die Berge erahnen und die ersten Schilder weisen in Richtung Genf und Grenoble.

Das Frühstück im Hotel haben wir ausfallen lassen, weil wir früh starten wollten. Im Ort finden wir einen Bäcker und dazu eine Bar.

Clairvaux les Lac am frühen Morgen

Dann geht es wieder auf die Straße und wir tun, was wir schon die letzten Tage gemacht haben. Treten, schauen, treten. Die Etappe hatte uns ein Freund empfohlen. Der war aber mit dem Auto in der Gegend unterwegs und wir reisen natürlich langsamer. Die Route, die am Ain entlangführen soll, zeigt uns den Fluss nur gelegentlich. Dafür sehen wir einige Gedenkstätten aus den Weltkriegen.

Baden soll man im Fluss übrigens nicht. Irgendwelche Staustufen, die zu plötzlichen Flutwellen führen. So richtig ist uns danach auch nicht, weil die Sonne sich etwas hinter den Wolken versteckt. Erst am Nachmittag kommt die Sonne raus.

Nach dem Mittag verziehen sich die Wolken und es wird heiß. Kleine Straßen durch Blumenfelder. Ein paar Kühe liegen fast pastoral und faul und fragen sich wahrscheinlich, was die zwei kleinen Figuren auf den Fahrrädern da machen.

Unsere Unterkunft müssen wir am Ende etwas suchen. Es ist kein Hotel, sondern eher ein B&B. Aber was für ein Anwesen und was für schöne Zimmer. Der Patron schein etwas einsam und sucht nach Konversation aber wir sind des französischen nur in rudimentärster Form mächtig und so bleibt die Unterhaltung etwas stockend und begrenzt. Zum Abend kaufen wir uns Essen im Laden und bleiben in unserem herrschaftlichen Anwesen.

Tag 7 + 8: Von Champagne en Valromey nach Grenoble und ein Pausentag. 120 km, 1.337 Höhenmeter

Ja was ist denn das? Gewitter und Regen? Na gut, frühstücken wir halt etwas länger. Dann ziehen wir die Regensachen an, damit wir die nicht nur umsonst mitgeschleppt haben.

Der erste Regentag. Der Spuk war aber recht schnell wieder vorbei.

Heute hatten wir auch die erste Panne. Ein Plattfuß am Hinterrad von Nick. Der war schnell behoben. Allerdings hatten wir jetzt keinen Ersatzschlauch mehr. Schläuche wollten wir auf der Tour irgendwo unterwegs kaufen. In Pforzheim waren sie uns zu teuer und dann gab es auf der ganzen restlichen Tour keinen Radladen an dem wir vorbeigekommen wären. Interessant im Land der Tour de France.

In Aix les Bains aber sollte es einen Radladen geben. Noch dazu einen guten, so sagte uns der Patron der Unterkunft gestern Abend. Hier gab es für mich einen neuen Lenkerstopfen und für Nick zwei Schläuche. Dazu fragte uns der Verkäufer im Radladen, ob wir zum Radrennen gekommen wären? Heute würde die Tour de Savoie starten. Super dachten wir uns sind halt mal hin.

Zwei Profis kurz vor Rennstart. Hätten wir doch mitfahren sollen?

Letztendlich haben wir uns gegen eine Teilnahme am Rennen entschieden. Es war aber ein ganz schönes Spektakel in der Stadt und lauter Profis die sich mit Ihren Maschinen warmgefahren haben. Wir hingegen haben erst mal was zum Essen gekauft und uns in den Park gehockt.

Dann ging es die restlichen Kilometer nach Grenoble. An einem schönen See entlang, noch ein paar kleine Dörfer und dann kam die Großstadt. Zumindest kam uns Grenoble so vor, nachdem wir die letzte Woche nur kleine Käffer gesehen haben.

Der Wetterbericht sagte auch passend zu unserem Pausentag Regen voraus. Kurz vor Grenoble wurde der Himmel dann auch immer dunkler und in der Stadt ging dann ein Gewitter los. So halbwegs trocken haben wir es dann in unser Hotel geschafft. Hier hatte ich eine „Nobelhütte“ für uns ausgewählt, mit schönem Zimmer, gutem Essen und einem Pool. So richtig schön zum Ausspannen.

Gut vollgestopft sind wir am Abend in unsere Betten gefallen und haben uns gefreut, dass das Gewitter draußen war und wir drinnen!

Den nächsten Tag haben wir mit wichtigen Dingen verbracht. Wäsche waschen, Rasieren. Wir hatten das Rasierzeug aus Gewichtsgründen weggelassen. In Grenoble sollte doch ein Friseur zu finden sein, der auch rasieren kann.

Dann kam wieder ein Gewitter und zwar heftig. Das sollte heute durchziehen und ab Morgen, wenn wir weiterfahren, sollte es ab dem Vormittag wieder trocken sein.

Im Hotel haben wir uns es wieder gutgehen lassen. Den Pool hätten wir nicht gebraucht. Zu kalt.

Tag 9: Grenoble nach Saint-Sorlin-d‘ Arves. 80 km, 2.474 Höhenmeter

Na, das geht ja gut los. Es regnet und sollte doch ab heute früh zunehmend trocken sein. Gehen wir also frühstücken. Und wirklich, danach sieht das Wetter besser aus. Wir starten. Ein paar letzte Donnerschläge rumpeln noch in der Nähe rum aber das verzieht sich bestimmt gleich.

Heute würde ein Tag mit wenig Kilometern aber einigen Höhenmetern werden. Die ersten Pässe, die auch bei der TDF gefahren werden, liegen vor uns. Wir freuen uns drauf in die Berge zu kommen, denn die erste Woche war dann doch von der Landschaft auf Dauer etwas monoton. Und so geht es gleich hinter dem Hotel hinein in Richtung Berge und schon mal gut bergauf.

Allerdings, was macht das Wetter? Es rumpelt kräftiger, wird dunkler und so leicht nieseln tut es auch wieder. Dann regnet es plötzlich stärker. Anhalten. Regensachen an und weiter. Gewittergrollen. Es wird ungemütlich. Vizille, der nächste größere Ort kam wie bestellt. Es gibt ein Café in dem sich zunehmend Radfahrer, Wanderer und Motorradfahrer versammeln. Dort bleiben wir eine gute Stunde und warten, dass das Gewitter aufhört.

Irgendwann raffen wir uns auf und fahren weiter. Der Regen ist weniger geworden. Wir müssen ja heute noch deutlich Strecke machen und sind bisher kaum vorangekommen. Der Regen aber hält sich weiter, wird stärker, dann wieder etwas weniger, dann donnert es wieder in der Nähe aber ich rede mir ein, dass das etwas mehr in den Bergen ist.

Und dann „schifft“ es richtig und es pfeift ein strammer Wind von vorne. Langsam wird uns bange, ob wir so über die Pässe kommen.

Wir quälen uns im Regen über den ersten Pass. Der Wind pfeift und so langsam werden wir nass. Selbst die guten Klamotten lassen dann irgendwo Wasser rein. Es ist kalt. Vor dem Anstieg auf den Col de la Croix de Fer kommt ein Gasthaus. Wir halten, essen, versuchen die Klamotten zu trocknen.

Und das Wetter hat ein Einsehen mit uns. Nach dem Mittag reißt der Himmel auf und die vorherrschende Farbe ist blau. Optimistisch geht es weiter. Höhenmeter um Höhenmeter auf den Col.

Anfang des Col de la Croix de Fer
immer schön den Berg hoch!

Und jetzt ändert sich auch die Landschaft. Es wird alpin um uns herum. Noch hat es Wald. Die Baumgrenze liegt noch vor uns. So hoch ist es hier nicht aber die Strecke hat ganz schön steile Rampen und die Länge sind wir Schwaben auch nicht gewohnt. Und so ziehen wir weiter den Berg hoch, die eine oder andere Stunde.

Heldenfoto: Der erste Gipfel. Der Col de Croix du Fer mit etwas über 2000 Metern.

Jetzt nur noch 20 Kilometer den Berg runter zu unserer Unterkunft.

Überall die Klamotten zum Trocknen verteilt.

Nix los in dem Kaff. Zumindest im Sommer. Zur nächsten Pizzeria sind es drei Kilometer. Hin bringen uns die Vermieter, zurück müssen wir halt laufen.

Tag 10: Von Saint-Sorlin-d‘ Arves nach Monetiers les Bains (mit dem Col de Télégraphe und dem Col du Galibier. 95 km, 2.594 Höhenmeter

Das wird heute unsere Königsetappe. Der Télégraphe und der Galibier warten. Ich bin zwar in Baden-Württemberg schon Strecken mit ähnlich vielen Höhenmetern gefahren aber in den Bergen ist das eine ganz andere Sache! Erst fährt man noch locker den Rest vom Berg des Vortages runter. Dann etwas geradeaus. Nach dem ersten Pass ist man so etwa 40 Kilometer gefahren und hatte so etwa 600 Höhenmeter. Und dann kommt der Galibier. Das sind einfach mal 2.000 Höhenmeter am Stück und es geht über 30 km den Berg hoch. Die Burschen von der TDF sind da in gut einer Stunde oben. Unsereins fährt mit dem Gepäck, dem Alter und viel weniger Training eher mit einem Schnitt von 9-10km die Stunde. Und dann geht es halt mindestens drei Stunden den Berg hoch und mit ein oder zwei Pausen eher 3 1/2.

Die Landschaft ist beeindruckend. Man kommt über die Baumgrenze. Die Gegend wird karg, die Berge steinig. Oben sieht man Schnee. Hier unten aber sind die Wiesen noch voll mit bunt bewachsenen Blumen und ein Bach plätschert immer mal wieder an der Straße lang.

Die Landschaft in schwarz-weiß. Sieht einfach dramatischer aus.

Wir sind übrigens nicht alleine auf dem Galibier. Einige Radfahrer, einige Autofahrer aber vor allem Motorräder in Massen. Manche gemütlich aber viele bolzen hier den Pass hoch, dass man Bedenken bekommt wie viele auf der anderen Seite wieder lebend runterkommen.

Noch fünf Kilometer. Dabei fahren wir schon ewig den Berg hoch.
Nick ist auch ziemlich am Arsch. Langsam kommen wir an die Schneegrenze.

Dass es dann nicht mehr so weit zum Ziel ist, merkt man an zwei Dingen. Zum einen steht jetzt an jeder dritten Kurve ein Fotograf mit fettem Tele und Visitenkarten. Die Bilder kann man später kaufen. Auch die Motorradfahrer, wenn Sie denn überlebt haben. Und das zweite sind die Schriftzüge und Namen auf der Straße.

Und dann irgendwann ist man doch oben. Geschafft! Aber es ist ganz schön was los auf dem Pass. Hier treffen sich alle für das Gipfelfoto. Sportwagenfahrer, Motorradfahrer, Rennradfahrer und sogar ein paar Wanderer. Am coolsten sind einige Sportwagen und Oldtimer, die es hier hoch geschafft haben. Für das Gipfelfoto muss man übrigens anstehen. Dafür machen die Wartenden bereitwillig Fotos mit unseren Handys.

Echt was los auf dem Gipfel!
Stolz die Herren!
Begegnungen der besonderen Art. Schöner Renault Alpine.

Nach einer guten halben Stunde wollten wir dann weiter zu unserem Hotel. Es ging ab jetzt nur noch den Berg runter. Aber auch das war anstrengend. Ich hab spätestens bei 60 Sachen die Bremse gezogen. Die Straße ist schmal, ziemlich ruppig mit vielen Schlägen drin. Und Kurven und Abgründe. Wie die Profis hier mit 90 Stundenkilometern runterbolzen bleibt mir in Sachen Verständnis verborgen. Ich hatte mir dann auch vier Wochen später die TDF Etappe über den Galibier angeschaut. Die sind zwar andersrum gefahren aber die Geschwindigkeit sowohl hoch als auch runter waren unfassbar, wenn man das selber mal gefahren ist!

Ansonsten bleibt nicht mehr viel von dem Tag. Ins Hotel gerollt, Pizza gegessen, ein paar Bier getrunken und uns gegenseitig zu unseren Heldentaten beglückwünscht.

Tag 11: Von Monetiers les Bains nach Le Vernet. 130 km, 1.915 Höhenmeter

Der Anfang vom Tag war super. Prima Frühstück im Hotel und dann erst mal so ca. 30km den Berg runter und raus aus dem Tal. Es wird heiß. Deutschland schwitzt schon heftig und leidet unter der Hitzewelle. Wir spüren das auch zunehmend, je mehr wir aus den Alpen herauskommen. Im Moment sind wir noch so um die tausend Meter hoch und das macht es erträglich.

Wir nähern uns der Provence. Dabei folgen wir noch einige Kilometer der Route der Tour. Über ettliche Kilometer folgen wir Lac de Serre-Ponçon, einem der größten Stauseen in Frankreich. Embrun, ein mittlerer Ort taucht auf und wir könnten hier schon Pause machen, überlegen aber, dass es am See doch sicher auch noch ein paar nette Restaurants am Wasser gibt. Da hatten wir uns aber mal wieder verschätzt!

Auch hier ging eine Etappe der TDF 2019 entlang

Der Ort, den ich auf der Karte am Ende des Sees gesehen hatte, lag leider 300 Höhenmeter weiter oben und eine Straße gab es auch nicht. Unterdessen haben wir schon 5 Stunden auf dem Rad gesessen. Es wurde heiß und die Getränke waren alle. Wir brauchten eine Pause, wollten Essen und Trinken. Die Helden wurden so langsam müde nach den zwei großen Bergetappen. Leider war weit und breit nichts an Zivilisation zu sehen.

Am Ende des Sees sind wir nach Le Lauzet-Ubaye gefahren. Also einige Kilometer in die verkehrte Richtung aber wir hatten die Hoffnung, dass es dort vielleicht einen Laden gibt.

Die „kulinarische Rettung“. Ein kleines Ausflugslokal am See – und das hatte geöffnet

Und die Hoffnung wurde nicht enttäuscht! Superschön an einem See gelegen, ein Ausflugslokal. Geöffnet! Unsere Rettung. Und danach noch ein Sprung in den See. Da waren wir ziemlich zufrieden!

Den Rest der Strecke haben wir uns dann bei zunehmender Hitze noch einen Berg hochgearbeitet und dann ging es auf einem Hochplateau über weite Wiesen und Felder weiter zu unserem heutigen Ziel. Mal wieder eine Unterkunft im Nirgendwo. Irgendwie sah es eher nach Amerika aus dort. Nur die Ente auf dem Parkplatz wollte da nicht so richtig zu passen.

Tag 11: Von Le Vernet nach Aguines. 113 km, 1.994 Höhenmeter

Das war eine der schönsten Etappen. Eine Genussfahrt durch die Provence. Es fing schon damit an, dass wir am Morgen erst mal gut tausend Höhenmeter recht sanft nach unten gefahren sind und dazu war die Landschaft einfach unglaublich schön!

27 Kilometer nach Digne und fast nur bergab

Hinter Digne ging es richtig in die Provence, so wie man das von den Postkarten kennt. Die ersten Lavendelfelder und der Lavendel war auch früh dran und hat schon geblüht.

Das obligatorische Lavendelfeldfoto. Ein schönes Klischee.

Das heutige Ziel war eigentlich die Verdonschlucht. Allerdings war mir bei der Planung nicht so richtig klar wo wir da langmüssen, um durch die Schlucht zu fahren. Dann hat das auch mit der nächsten Etappe nicht so richtig gepasst. Um zumindest nochmal einen Blick in die Schlucht zu werfen, bin ich nach der Ankunft im Hotel nochmal los. Zehn Kilometer den Berg hoch und dann zurückgerollt.

Tag 12: Von Le Vernet nach Collobrieres. 104 km, 1.285 Höhenmeter

Die Hitzeschlacht am „Col du Madeleine“! Collobrieres ist heute unser Ziel. Ich kenne den Ort schon länger und für mich es die Verkörperung des romantischen Frankreich. Aber bis dorthin sollte es ein harter Weg werden. Während halb Europa schon in der Hitze des Sommers vor sich hin glühte, hatten wir durch die Berge recht angenehme Temperaturen. Heute nicht. Heute wurde es heiß!

Das mag der Radler: 8% und 4 Kilometer bergab
Romantisches Mittagessen mit Nick auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt. Hunger! Das ganze Zeug haben wir in uns reingestopft!

Nach dem Mittag wurde es richtig heiß, die Strecke war jetzt auch nicht mehr so schön und dann kam ein letzter Aufstieg in Richtung Madeleine. Das ist eine Wallfahrtskirche auf dem letzten Berg vor Collobrieres. Allerdings hatten wir dort über 40 Grad und bei der Auffahrt gab es einfach kaum Schatten. Die Getränke waren schnell leer und wir mussten immer wieder Pausen machen, weil die Hitze so gnadenlos war.

Schon etwas gezeichnet aber die Hitze wurde noch stärker

Irgendwann waren wir aber doch oben und dann kam das Schild!

Neun Kilometer fast nur noch bergab. Das ist übrigens eine offizielle Straße. Autos haben wir dort aber keine gesehen.
Unsere Unterkunft in Collobrieres. Ratet mal, in welchem Zimmer wir wohnen?

Tag 13: Von Collobrieres nach Hyeres. 81 km, 650 Höhenmeter
Wir bringen den ganzen Radsportverein in Aufruhr

Für den letzten Tag brauche ich keine Navi mehr. Ich kenne mich hier unten ja gut aus. Einfach aus dem Ort rausrollen, dann links über Jürgens Lieblingspass, den Col de Babaou. Früher war das ein richtiger Berg für mich. Heute rollen Nick und ich da locker und entspannt hoch.

Den Berg runter gehts zügig. Ein recht ambitionierter Radler zog kurz vor der Abfahrt an uns vorbei und ich wollte mal schauen, wie der den Berg runterfährt. Vielleicht kann man sich ja was abschauen. Dranbleiben konnte ich und das ging mit ziemlicher Geschwindigkeit nach unten. Das ist auch einfach etwas, das auf dem Rennrad viel Spaß macht. Den Berg runterbolzen. Wobei ich mir nicht so sicher bin wann die Haftung der Reifen aufhört.

Danach sind wir locker und bei wieder zunehmenden Temperaturen am Meer entlang nach Hyeres und dann erst einmal zum Ziel der Reise. Die Eisdiele La Sirene. Das war auch bei der letzten Tour mit Luca das Ziel und das Eis ist die Reise auch immer noch wert!

Ein Intermezzo: In Hyeres gibt es einen Radladen. Dort hatten wir früher Trikots vom Radverein gekauft. Die gab es am Ende der Saison spottbillig und meist nur noch in kleinen Größen. Diesmal waren wir ja aber früher im Jahr vor Ort und ich wollte unbedingt schauen, ob ich dort ein Trikot für uns bekomme. Und damit begann eine kleine Irrfahrt durch Hyeres. Es fing im Laden an. Die hatten zwar tolle Rennräder und auch Trikots aber keine vom Radverein. Mit meinem astreinen Französisch hab ich dann rausbekommen, dass sie die Trikots nicht mehr führen. Wir sollen aber ins Velodrom fahren. Dort würde man die verkaufen. Also sind wir zum Velodrom gestartet.

Im Volodrom sind wir erstmal durch die Gänge und Katakomben geirrt und haben schließlich eine Art Büro gefunden. Dort saß eine ältere Dame an einem antiquierten Schreibtisch. Per Handybildern, ihren drei Brocken Englisch und unseren drei Brocken Französich haben wir so halbwegs verständlich gemacht, was wir wollten. Und dann fing die Dame an zu Telefonieren. Es wurden mehrere Telefonate geführt und es fielen Worte wie Perpignan oder Montpellier und irgendwelche Menschen waren nicht da oder nicht erreichbar. Schließlich aber mit einem Lächeln sagte sie uns, dass jetzt ein Herr käme, mit dem Auto und hinter dem sollten wir herfahren. Er wüsste, wo es die Trikots gäbe.

Der Herr kam, wir folgten seinem BMW und landeten wieder im Radladen vom Anfang. Dort wurde dann weiter debattiert, telefoniert und dann bekamen wir eine Adresse von einer Straße bzw. einer Kreuzung irgendwo im Industriegebiet beim Flughafen.

Wir also wieder auf die Räder und dorthin gefahren, wohlahnend, dass dort wahrscheinlich niemand auftaucht oder wir den Ort nicht finden.

Erstaunlicherweise kam aber kurz drauf ein Herr mit einem Skoda. Der war mit „CYCLES CAD“ beschriftet, hatte einen großen Radträger auf dem Dach. Gestikulierend wurde angezeigt, dass wir folgen sollen. Schließlich gelangten wir zu einer Garage, das Tor ging auf und dort gab es: Richtig, die Trikots. Unglaublich aber wahr.

Der Rest ist schnell erzählt. Durch die Stadt zu unserer Unterkunft, dort ab in den Pool, abends Essen.

Tag 14 – 16: Die Rückreise

Am nächsten Vormittag ging es mit dem Rad zum Bahnhof und dann mit dem Zug von Hyeres nach Marseille. Wir hatten überlegt mit dem Rad zu fahren aber für den Tag war wieder große Hitze angesagt und so haben wir uns das gespart.

In Marseille hatten wir ein lustiges japanisches Hotel nahe am Bahnhof. Den Tag haben wir in der Stadt verbracht und Verpackungsmaterial für den Transport der Räder im TGV gekauft.

Am nächsten Tag ging es mit dem TGV nach Karlsruhe. Das Ticket in der ersten Klasse für 49€ pro Person. Ab Karlsruhe wollen wir dann mit dem Rad fahren, waren dann aber doch zu faul und sind bis Stuttgart mit der Bahn.

Verpackt ist das Fahrrad kein Fahrrad, sondern Reisegepäck und darf ganz unproblematisch mit in den TGV. Gut, wenn man gleich am Startbahnhof zusteigt, dann sind die Gepäckfächer noch leer.

Ein Fazit und eine Aussicht:

Es war eine geile Reise bei der so ziemlich alles so geklappt hat, wie wir es uns vorgestellt haben. Das Wetter war gut, bis auf wenige Ausnahmen.

Die Unterkünfte waren toll, das Essen nicht ganz so toll wie erhofft aber doch gut. Die Berge waren spannend und auch das Abenteuer Straße nach den vorhergegangenen MTB Touren war gut. Die Strecken mit dem Rennrad können deutlich länger geplant werden als mit dem MTB. Die Tagesetappen mit durchschnittlich 100 -120 km und etwas über 1000 Höhenmetern sind gut zu bewältigen. Natürlich ist man platt und nach zwei Wochen reicht es dann auch irgendwann einmal. Die Straßen in Frankreich hatten wenig Verkehr. Die Dichte an Orten mit Lebensmittelläden oder auch ein paar Bars oder Cafés könnte größer sein.

Das Gepäck war gut gewählt. Wir haben nichts übermäßig Nutzloses mit uns rumgeschleppt. Dazu hatten wir auch Glück, dass wir von Pannen und Stürzen verschont geblieben sind.

Zu guter Letzt und auch mit Dank an Nick, hat die Tour auch auf menschlicher Seite gepasst. Es gab keinen Zoff, keinen Streit. Wir haben den Tag über unser Zeug gemacht und gestrampelt und getreten. Abends herrschte Einigkeit darüber, dass es bei der Ankunft ein Bier gibt – oder zwei oder drei oder soviel wir wollten (Wein ging übrigens auch). Über zwei Wochen tags und nachts die Zeit miteinander zu verbringen ohne sich zu zerfleischen ist ja auch eine Leistung. Danke auch an Nick, dass er ein so guter Partner für die Tour war.

Von daher ist das letzte Bild auch Nick gewidmet. Eine Erinnerung an seine (zugegebenermaßen hässliche) Badehose, die im japanischen Hotel hängengeblieben ist. Ein Stillleben an der Wand!

Vielleicht hängt sie ja noch immer!

Und die nächsten Ziele? Hmmm, mal sehen. Portugal vielleicht oder eine große Herausforderung wie die USA. Erste Gedankenspiele dazu gibt es schon. Vielleicht ja der eine oder andere auch eine Idee für uns? Ideen gerne an uns!

Stuttgart – Venedig – mit Alpencross – Juni 2018

Strecke und Team

Ich wollte einfach in Stuttgart starten. Zweimal bin ich schon auf eine längere Radtour gegangen und jedes Mal sind wir erst mal ein paar hundert Kilometer mit dem Zug gefahren. So wäre es auch dieses Mal gewesen, denn der eigentliche Alpencross hätte in Ramsau begonnen. Da hätten wir aber mit dem Auto oder Zug einen halben Tag hin gebraucht. Also gabs die Idee zum Prolog ab Stuttgart.

So grob unsere Route von Stuttgart über Ulm, Augsburg, München, Ramsau, Pfitscher Joch, Rodenecker Alm, Sterzing, Abtei, Alleghe, Seren del Grappa, Montebelluna, Lido di Jesolo.

Tagesetappen, Kilometer, Höhenmeter, Orte und Unterkunftskosten

Und unser Team, am Anfang noch verstärkt von meiner Frau Alexandra und Freunden, die uns bis Augsburg begleitet haben.

Das erweiterte Team für die ersten beiden Tage mit Warren, Ingrid, Peter und Nick.

Und hier das KERNTEAM

 

Freitag, 15. Juni 2018 (Tag 1)
Der Prolog zum Prolog, 57 km, 650 Hm.

110 Kilometer für die erste Etappe von Stuttgart nach Unterelchingen war meinen Mitfahrern zu viel. Sie wollten am Samstag mit der S-Bahn nach Schorndorf oder Göppingen fahren und ab dort in die Tour einsteigen. So bin ich einen Tag früher nach Göppingen aufgebrochen, um wirklich ab Stuttgart loszufahren. Die kleine Etappe war dann eher mäßig unterhaltsam. Die Strecke war weitgehen langweilig mit viel Straße, viele Autos und nur mäßig schön.
Meine Frau Alexandra ist dann aber noch mit dem Auto und unserem Hund gekommen und wir haben in einem kleinen Gasthaus in Eislingen übernachtet. Das war dann ein netter Abend und noch ein schöner Spaziergang am nächsten Morgen und irgendwie auch schon wie Urlaub.

Einfach aber ganz nett und gemütlich.

Und die mäßig spannenden Tourdaten.

 

Samstag, 16. Juni 2018 (Tag 2).
Prolog der Gruppe: Göppingen –> Unterelchingen, 50 km, 620 Hm

So gegen 11 Uhr kamen die anderen am Gasthaus vorbei und haben mich abgeholt. Über diverse Radwege nach Elchingen ins schöne Landgasthaus Zahn. Das Wetter war prima, wir sind früh ankommen. Also Füße hochlegen, den Tag genießen und gut Essen. 

 

Sonntag, 17. Juni 2018 (Tag 3).
Prolog der Gruppe: Unterelchingen –> Augsburg, 69 km, 680 Hm

Abschied von Alexandra und wir starten Richtung Augsburg. Immer noch „Prolog-Geplänkel“. Super Wetter, viel Teer, Schotter. In Augsburg verabschieden wir uns von Warren und Ingrid. Das Team schmilzt zusammenm wie auch die Teams nach der Vorrunde bei der Fussball WM. Wir essen Pizza. Deutschland ist noch im Turnier, hatte es heute aber schon geschafft, gegen Mexico zu verlieren.

Montag, 18. Juni 2018 (Tag 4).
Prolog letzter Teil: Augsburg –> S-Bahn durch München –> bis zum Berghotel Sutten, 79 km, 860 Hm

Der quasi letzte Tag im Prolog und mehr oder weniger eine normale Fahrradtour. So langsam reichte es auch mit Straße und Zivilisation. Immerhin kommen wir an schönen Gegenden vorbei. Gegen Nachmittag sehen wir auch so langsam die ersten Berge. Es geht vorbei am Tegernsee und über Rottach-Egern und dann endlich der erste richtige Anstieg hoch zum Berghotel Sutten. Passend wirds auch etwas kälter.

 

Dienstag, 19. Juni 2018 (Tag 5).
Berghotel Sutten nach Mayrhofen, 78 km, 1073 Hm

Nachdem wir am Vorabend etwas den Berg hochgekurbelt sind, ging es heute zunächst bergab. Endlich in den Bergen. Etwas wolkig und noch frisch am Morgen aber das fühlte sich doch schon anders an als die Tage zuvor.

Und bald sollte jetzt auch der erste Trail auf uns warten. Hier hätte ich aber eher auf die freundliche Stimme von Komoot hören sollen. Den linken Weg nehmen. Der rechte hier sah aber doch so viel besser aus.

Wenn ich mir das Bild jetzt so recht anschaue, dann sind wir hier über die Grenze nach Österreich. Dass da ein Verbotsschild für Fahrräder drauf ist, sehe ich erst jetzt aber der Grund erschließt sich mir nachträglich durchaus.

Zunächst gut fahrbar und unterhaltsam, wurde es dann doch unwegsamer.

und dann war er nicht mehr fahrbar und wir haben bestimmt eine gute Stunde geschoben und getragen.

Schön ist die Landschaft aber schon geblieben. Hier waren auch die Schuhe mit steifer Sohle nicht so toll und rutschig. Irgendwann sind wir dann quer über einen „Klettersteig“ so 300 Meter quer durchs Gelände und waren dann wieder auf einem normalen Forstweg. Das Wetter war warm, die Landschaft idyllisch und so sind wir dann final bis nach Mayrhofen gerollt. Das Haus Oblasser war mit 60€ inkl. Frühstück gut und günstig aber etwas außerhalb vom Ort.

 

Mittwoch, 20. Juni 2018 (Tag 6).
Von Mayrhofen zum Pfitscher Joch 38 km, 2056 Hm

Dieser Tag sollte uns einige Kraft kosten. Schon Flo hatte in seiner Beschreibung von der vermeintlich kurzen Strecke gewarnt, weil sie sich doch in die Länge zieht. Die Tour war mit etwas über 1.800 Höhenmetern angegeben. Ganz interessant ist auch, dass Strava in seiner Streckenaufzeichnung hier nah an den vorgegebenen Werten dran ist. An anderen Stellen ist das bei Strava mit den Höhenangaben oft nicht nachvollziehbar.

 

Angefangen hat der Tag mit einem üppigen Frühstück im Haus Oblasser. Essen ist halt auch schon ein Highlight bei so einer Tour, zumal man wirklich viel Nahrung in sich reinstecken kann, wenn man den Tag unterwegs ist.

Am Abend vorher hatte Nick angefangen zu husten und die Nase fing an zu laufen. Bei mir wären das keine guten Vorzeichen, denn mich legt es dann meist mit Fieber und völliger Schlappheit um. Er scheint da etwas robuster zu sein. Nach einem guten Frühstück haben wir in Mayrhofen noch diverse Apotheken und Drogerien mit unserem Besuch beglückt.

Dann ging es los. Erst mal ein knackiger Anstieg über eine Wiese und ein steiles Stück hochschieben. Dann auf und parallel der Teerstraße, immer den Berg hoch.

Die Straße geht immer leicht bergauf aber easy zu fahren.

Warm war es auch, also Helm runter. Rasieren könnte ich mich auch mal wieder.

So sind wir das Tal hochgetreten. Kilometer um Kilometer ging es mehr in die Berge rein und auch die Landschaft war wunderbar. Die Autos wurden weniger, die Häuser auch. Links und rechts ging es hoch und wir haben uns gefragt wo wir dann die hohen Berge passieren werden.

 

Was für eine geile Location!

Pause gabs auf einem idyllischen Berggasthof. Superschön. Das erste (alkoholfreie) Weizenbier. Flasche auffüllen, durchschnaufen und weiter geht es den Pass hinauf in Richtung Staumauer und Schlegeisspeicher.

Die Staumauer kommt in Sicht. Das ist von der Höhe her etwas mehr als die Hälfte des Tages. Wir sind beide schon einigermaßen platt und brauchen eine Pause. Der erste Kiosk gehört uns. Fritten, zweites alkoholfreies Bier, Kuchen, Kaffee und ich schlafe wirklich für einige Minuten auf einem der Liegestühle unter dem Sonnenschirm ein.

Weiter geht es nach der Pause am See entlang und dann auf einem Wanderpfad in Richtung Pfitscher Joch.

Zunächst noch recht gut fahrbar, teilweise müssen wir aber schon schieben, weil der Weg doch zu verblockt ist. Haufenweise kommen uns auch Wanderer und Spaziergänger entgegen. Raufwärts geht kaum noch jemand. Und: Die Landschaft wird immer schöner. Es ist wirklich toll hier zu sein!

Kurz vor dem letzten wirklich fiesen Stück kommt nochmal eine bewohnte Almhütte. Wasser auffüllen und ein Foto von einem netten kleinen Mädchen machen, dass mir stolz die junge Katze präsentiert.

Der letzte Anfstieg ist auf einem steilen Schotterstück – und der zieht sich elend lang und steil den Berg hoch. Nick schiebt, er ist auch durch die Erkältung etwas geschwächt. Ich trete im kleinen Gang hoch. Das Pfitscher Joch Haus kommt langsam in Sicht. Wir sind jetzt auf 2.250 Metern. Es ist deutlich kälter geworden und die ersten noch verbliebenen Schneefelder tauchen auf. Ich bin dann doch eine Viertelstunde vor Nick oben und bestelle uns – und diesmal ein vollwertiges Belohnungsbier.

Wir sitzen dann noch einige Zeit draußen und sind ziemlich beeindruckt von der Landschaft, vom „ausgesetzt“ sein. Ein 360° Panorama nur mit Bergen und nach und nach geht auch noch phantastisch die Sonne unter und zeichnet ganz eindrucksvolle Lichtspiele in den Himmel.

 

Donnerstag, 21. Juni 2018 (Tag 7).
Vom Pfitscher Joch nach Rodeneck, 73 km, 1.113 Hm

Jetzt bin ich genau 7 Tage unterwegs. Halbzeit und irgendwie kann ich gar nicht glauben, dass die Zeit so vergeht. Monatelang hat man sich auf die Tour vorbereitet, geplant, überlegt, gezittert ob die Gesundheit und das Wetter halten und nun sind wir mittendrin. Bisher ist alles super verlaufen. Vor allem mit dem Wetter haben wir viel Glück. Die heutige Etappe ist doppelt so lang wie gestern und hat nur die Hälfte der Höhe. Der Tag sollte recht beschwingt und locker verlaufen, weil wir den ersten Teil der Strecke einfach in einem Affentempo bergab rollen.

Eins meiner größten Probleme auf der Tour ist, dass ich immer so früh aufwache. Das ist mal um halb sechs, mal um halb sieben aber ich kann einfach nicht länger schlafen. Zuhause ist das, vor allem im Sommer auch so aber da stehe ich halt auf. Hier gibt es meist erst später Frühstück. Auf dem Pfitscher Joch bin ich morgens etwas „wandern“ gegangen und wollte mir den angegebenen S2 Trail ab dem Haus mal anschauen. Das war auch gut so.

Der obere Teil vom Trail sah nicht wirklich gut fahrbar aus, der nachfolgende Teil lag noch unter Schnee. Wenig einladend.

Nick hab ich dann geweckt, es war ja schließlich schon halb 8. Seine Erkältung wurde nicht unbedingt besser aber auch nicht schlimmer. Vielleicht haben ja die Medikamente auch etwas geholfen. Das Bild sieht eher nach Krankenhaus als nach Alpencross aus.

Und los gings nach dem Frühstück. Arschkalt also Jacke an. Wetter gut und über tausend Höhenmeter nach unten. Leider nur über Forstwege, keine Trails drin. Die fing ich so langsam an etwas zu vermissen.

In Sterzing mussten wir nochmal Pause machen, weil das Lenkkopflager von Nick immer locker war. Das Votec hatte keine eingeschlagene Kralle, sondern ein anderes System und das wollte nicht richtig. Für 10€ hatte uns ein kleiner Radladen den einzigen kleinen technischen Defekt, den wir auf der gesamten Tour hatten behoben.

Und irgendwann kam mir die Stecke bekannt vor. Der Fluss, die alte Befestigungsanlage und dann Mühlbach. Richtig, hier war ich mit Luca bei unserem ersten Alpencross und wir haben am Kirchplatz übernachtet.
Für uns hat es zu einem (alkoholfreien) Bier gereicht.

Ab Mühlbach begann der Anstieg in Richtung Rodenecker Alm. Auf einem gut fahrbaren Forstweg den Berg hoch, dann etwas Straße. An der Stelle sind wir dann etwas von Florians Tour abgewichen, weil die beiden Hütten auf der Rodenecker Alm ausgebucht waren. Leider gab es zu den Hütten keine weiteren Alternativen auf dem Berg und wir hätten wieder deutlich ins Tal abfahren müssen. Also haben wir die Etappe an dem Tag um etwa 15 km und 800 Höhenmeter gekürzt und sind im familiengeführten Hotel Schönblick in Rodeneck untergekommen.

Das Wellnesshotel hatte 4*. Die 170€ für die Nacht hörten sich zunächst viel an aber das Haus war super: Ein großes Schwimmbad, Sauna, Dampfbad, Ruheecken und vor allem noch inkl. Nachmittagsessen mit Salat, Suppe und Früchten, Sektempfang am Abend, danach ein 4 Gänge Menü und am nächsten Morgen ein super Frühstück. So gerechnet war das eigentlich günstig, zumal die Kosten ja durch zwei geteilt wurden.

Erster Gang

Hauptgang

Übrigens hatte an dem Tag passend zu unserem Wetterglück kurz nach unserer Ankunft ein heftiges Gewitter getobt.

 

Freitag, 22. Juni 2018 (Tag 8).
Von Rodeneck nach Stern, 59 km, 2.099 Hm

Heute hätten wir mit viel Höhe am Anfang beginnen müssen, weil wir von der Etappe vom Vortag ungefähr 15 km rausgenommen hatten. Entsprechend hätten wir erst mal auf die Höhe der Tour kommen müssen und das wären 900 Höhenmeter gewesen. Nick war eh angeschlagen und ich auch nicht so scharf drauf. Für 30 € hat uns dann ein Taxi mit Hänger abgeholt und zum Eingang der Rodenecker Alm gebracht.

Ab hier ging es weiter auf Schotterstrecken und weiter den Berg hoch. Die Landschaft wurde dabei wieder offener, schöner und die Wiesen waren teilweise so voll mit Blumen, dass man das Gras kaum noch gesehen hat.

So langsam kamen dann auch ein paar Trails dazu, erst über Wiesen, dann durch ein nettes Wäldchen. Dahinter wäre die Hütte zur Rodenecker Alm gekommen. Sah toll aus dort aber leider war sie voll und im Schönblick hatten wir uns auch wohl gefühlt.

Auf den kleinen Wegen kamen wir nur mäßig schnell voran und die Fahrt wurde immer wieder von Gattern für das Vieh unterbrochen. Und dann lagen sie irgendwann vor uns. Die Dolomiten, denen wir uns jetzt näherten.

Langsam bekamen wir Hunger und passend kam aus dem Nirgendwo eine Hütte.  Sehr klein, dass wir erst mal nachgefragt haben, ob wir hier etwas zu essen bekommen. Aber sicher meinte die Oma, die dort im Sommer auf dem Berg lebt. Es gab Suppe und Käsklöße mit Brot und alles handgemacht und auf dem Holzofenherd mit Liebe und Langsamkeit zubereitet.

Kurz nach dem Mittagessen habe ich mich dann von Nick getrennt. Wir hatten erst gut die Hälfte der Strecke und vor allem der zu fahrenden Höhe und über die Trails ging es doch relativ langsam voran. Ich bin der Tour von Flo gefolgt und über einen netten Trail so die ersten hundert Höhenmeter in Tal geschwebt. Super. So könnte es weitergehen.

Dann gings wieder hoch und oben bin ich alleine am Pass angekommen. Dabei ist mir eingefallen wie intelligent wir uns geteilt hatten. Ich hatte die Pumpe, Nick die Ersatzschläuche. Hier hätte uns ein Plattfuß wirklich Nerven und Zeit gekostet. Ist aber nix passiert.

Jetzt links abbiegen und dann nur noch ahhhhhh und ohhhhh sagen. Phantastische Landschaften!!!

 

Dann einmal um den Klops hier rum, neue schicke Aussichten bestaunen und dann über einen Trail lange nach oben schieben. Der Anstieg war „scheißsteil“ auch, wenn das hier auf dem Bild kaum rüberkommt.

Oben dann die neue Aussicht, wo es hingeht. Irgendwo dahinten liegen dann Stern und Alta Badia oder wie die Dörfer dort alle heißen. Vor allem verwirrend, weil die 3-5 Ortsnamen haben, je nach Sprache.

Jetzt sollte eine lange Abfahrt kommen und nachdem ich mich schiebend den Trail hochgequält hatte, freue ich mich auf die Trails nach unten. Die kamen aber nicht. Der ganze Weg ins Tal ging über geschotterte Forststraßen dann sollte noch ein letzter langer Aufstieg kommen.

Schön aber ohne Trails ging es den ganzen Berg hinab.

Zu guter Letzt habe ich kurz vor dem Ziel in Stern noch den kleinen Hauslift im Ort erwischt (Lifthöhenmeter hab ich in der Tagesangabe korrigiert).

Die Gegend kannte ich ja schon vom letzten Mal. Oben bin ich einem kleinen Wanderweg gefolgt, der technisch recht anspruchsvoll war und dann auch steil über Geröll nach unten direkt zum Hotel geführt hat. Das hat mich für die fehlenden Trails des Tages etwas entschädigt.

Von den landschaftlichen Eindrücken her war das einer der schönsten und beeindruckendsten Tage. Hinter jeder Ecke und nach jedem Teilstück ein neuer fantastischer Ausblick, bestes Wetter. Vögel zwitschern, Bienen summen. Das war schon ein Glücksgefühl hier unterwegs zu sein!

 

Samstag, 23. Juni 2018 (Tag 9).
PAUSENTAG

Ruhe, Essen, rumgammeln, Sauna. Das war für den Pausentag geplant. Das Essen im Hotel Christallo war super. Abends 5 Gänge, das Frühstück üppig. Vor allem war die Pauschale für das Abendessen mit 20€ pro Person mehr als fair. Das einzige war, dass das Hotel etwas weit außerhalb vom Ort lag.

Unsere Fahrräder haben wir übrigens kaum im Skiraum unterbringen können. Das war knallvoll mit Rennrädern. Schicke Ausstattungen, viel Carbon, viel klingende italienische Namen von diversen Edelschmieden. Dazu die ganze Hütte voll mit Radlern. An dem Wochenende war die Sella Ronda – Sprich die Pässe rund um die Sellagruppe waren für den Autoverkehr gesperrt. Und da sind hunderte von Rennrädern an uns vorbeigefahren.

Wir hatten dann einen kleinen Spaziergang gemacht. Hoch zum Berggasthaus Gardenacia mit dem vielleicht besten Kaiserscharrn überhaupt.

Und am Nachmittag ging es dann mit großen Anstrengungen weiter. Es folgten die Sauna und das Abendessen. Der Nachtisch war sogar mit Valrhona Schokolade falls das jemandem was sagt. 

 

Sonntag, 24. Juni 2018 (Tag 10).
Von Stern nach Alleghe, ca. 65 km, ca 1.700 Hm hoch, ca. 3.000 Hm bergab

Trails, Trails. Ich will Trails! Heute sollte ich sie bekommen. Los ging es erst mal locker ein paar Kilometer das Tal runter und dann per Lift hoch zum Hopsitz.

Gut, dass mein Gehirn festgewachsen ist! Schon vor zwei Tagen hatte ich es geschafft, eine meiner beiden Unterhosen liegen zu lassen. Bei 2 Stück gesamt schon mal eine Leistung. Jetzt war auch die Trinkflasche weg. Die hatte ich wohl unten am Lift liegen lassen. Danach hab ich gemerkt, dass mein zweites Trikot und mein einziges Hemd auch fehlten. Die waren noch im Schrank im Hotel Christallo. Der Rucksack wurde also immer leichter. Viel mehr als fünf Kilo hatte der nicht mehr und überhaupt hat uns die Beschränkung beim Packen gut geholfen. Man braucht einfach nicht viel auf der Tour.

Mit leichtem Rucksack ging es dann in den von Flo versprochenen ersten Traumtrail runter nach St. Kassian. Der war in der Tat lang und einfach zu fahren. Landschaftlich war er so schön, dass man dachte, man fährt von einem Postkartenmotiv zum nächsten.

Am Pausentag hatte ich auch noch einen kleinen Bikepark am Piz de Surega mit Flowtrail ausfindig gemacht. In St. Kassian musste man kurz nach links abbiegen und mit dem Sessellift hochfahren. An Bikeparks gibt es sicher sensationelleres aber der Trail selber war lang und flowig mit vielen Steilkurven. Er hatte zwar keine Sprünge drin, hat dafür aber auch Nick Spaß gemacht .

Danach kam wieder ein langer Aufstieg zum Falzaregopass-Pass. Wir sind hauptsächlich die Straße hochgekurbelt und ich hätte gerne das schwere Fully gegen mein Rennrad getauscht.

Am Pass oben pfiff ein saukalter Wind und in der Kneipe oben treffen sich so ziemlich alle, die über den Pass fahren. Wanderer, Rennradfahrer, Motorradfahrer. Das Essen war nicht ganz billig aber lecker und die Pause nötig.

… und das schon obligatorische alkoholfreie Weizenbier!

Flo hatte in seiner Beschreibung geschrieben, dass jetzt noch schöne S1 Trails folgen und man dann 450 Höhenmeter mit dem Lift abkürzen könnte. Die letzten 200 Höhenmeter wären dann steil und hier hätte er noch niemanden durchfahren sehen.

Mit einer guten Enduro würde man schon hochkommen. Mit dem Rad nimmer. Sieht wieder mal nicht so steil aus, war es aber. Oben war dann auch Ende mit Wiesen und Bäumen. Ich meine das waren etwas über 2.500 Metern Höhe. Nur noch Steine und Geröll.

Bei der Planung hatte ich bei Komoot noch einen Trail gefunden und den mit eingebaut. Leider sind wir erst mal falsch gefahren, sacksteil auf grobem Schotter nach unten. Nick hat geschoben aber die Blöße wollte ich mir natürlich nicht geben. Etwa zwei Meter weiter habe ich „auf der Fresse gelegen“. Finger blutig, Knie blutig, Knöchel dick. Mehr war nicht. Umdrehen, Berg hochschieben und in den kleinen steinigen Trail rein. Schwer war er nicht aber stürzen sollte man auch nicht, vor allem nicht nach links unten. Nur noch grobes Steinwerk und recht rutschig.

Nach dem „Steingarten“ ging es weiter über Wiesen und schier unendliche Trails immer weiter den Berg runter.

und weiter runter bis man es kaum noch glauben konnte.

und als wir dachten, jetzt sind wir unten, haben wir gesehen, wo wir hinmüssen. Ganz links, der See. Da liegt Alleghe, unser Ziel für heute und dahin geht es nochmal kräftig runter. Sollte uns ja recht sein. Besser als hoch.

In Alleghe war auch die Stelle, wo Italien sehr viel mehr spürbar wurde. Das Sporthotel hatte den Charme der 80er Jahre. Deutsch wurde nicht mehr gesprochen. Die ganze Architektur hatte sich geändert. Und, auf Nachfrage haben wir sogar noch ein Zimmer mit Blick auf den See bekommen. Dazu wartete Regen mit seinem Einsatz, bis wir unser Bier fertig getrunken hatten.

Die einzige Blessur auf der Tour und die hat nicht weiter gestört.

Das war ein langer und ziemlich geiler Tag! Bei Bedarf nach Trails war erst einmal gestillt!

 

Montag, 25. Juni 2018 (Tag 11).
Von Alleghe nach Seren del Grappa, 80 km, 1.700 hm.

Heute war die Strecke wieder etwas länger. Interessant mal wieder die unterschiedlichen Höhenwerte. Flo hatte 1070 Höhenmeter angegeben, Strava hat am Ende 1.700 Höhenmeter notiert. Letztendlich ist es für unsere Leistung auch nicht wichtig. Wir waren ja nicht auf Rekordjagt. Für die Planung ist das aber nicht ganz unrelevant.

Das meiste heute war Teerstraße und trotzdem ein sehr schöner Tag. Übrigens der erste Tag an dem es auf der Tour einmal leicht getröpfelt hatte. Mehr aber auch nicht.

Auf der ganzen Strecke waren unglaublich wenig Autos unterwegs. Der Wind hat uns durch das Tal ganz schön entgegengepfiffen. Gut, dass es stetig leicht bergab ging.

Schöne Bergdörfer gabs auch zu sehen. Man hatte aber schon langsam das Gefühl, dass die Berge nicht mehr so hoch waren. Aus dem Hauptkamm waren wir raus.

Seren del Grappa war ein kleines Kaff. Unsere Unterkunft war originell und erst mal schwer zu finden. Man konnte aber jeden im Ort fragen, so klein war das. Das Zimmer war auch klein, die Räder haben wir aber doch mit drin untergebracht, weil sie sonst draußen im Hof gestanden hätten und das wollten wir dann doch nicht. 

So richtig viel Unterhaltung gabs im Ort nicht und bis zum Abendessen hatten wir dann doch noch zwei oder drei Stunden Zeit. Der „Stadtrundgang“ war nach vier Minuten und nach der Umrundung der Kirche auch beendet. Immerhin gab es zwei Kneipen und die wurden lustig von einigen skurrilen Gestalten abwechselnd frequentiert. So etwa wie beim Pingpong. Wir haben uns dann den Einheimischen angeschlossen und schon mal ein paar Drinks für die gute Laune genehmigt. Die waren auch so günstig, dass man ja kaum wiederstehen konnte. Der Longdrink für zwei Euro, das Glas Hauswein meine ich für 1,50 € im Kopf zu haben und der Espresso für 80 Cent.

Abends haben wir dann in der wirklich sehr originellen Pizzeria gegessen. Sehr schräge Location, ziemlich groß und unsere Bestellungen haben mangels Sprachkenntnis für reichlich Verwirrung gesorgt. War aber lustig und das Essen auch gut.

 

Dienstag, 26. Juni 2018 (Tag 12).
Von Seren del Grappa nach Vedelago, 80 km, 1.700 hm.

Wir routen die Tour um. Nick hatte es vor der langen Strecke und den vielen Höhenmetern auf den Monte Grappa gegraust. Und so richtig scharf war ich auch nicht mehr drauf. Wir hatten beide das Gefühl, dass wir fast aus den Bergen draußen waren. Es war unser vorletzter Tag und den wollten wir dann etwas lockerer angehen, quasi vor dem Ziel schon etwas entspannt ausrollen. Dazu kam, dass ich mal in Bassano del Grappa war und mir das ganz gut gefallen hat.

Bei Booking.com bin ich dann auch auf ein ganz cooles Hotel gestoßen. Das war die einzige Nacht, die ich noch nicht vorgebucht hatte. Gut so! Ihr seht gleich warum.

Die ersten Kilometer gingen ziemlich scheußlich an einer großen Straße lang, durch ein paar Tunnel. Dann kamen wir wieder auf kleine unbefahrene Straßen, an netten Dörfern und Seen vorbei.

Dann ging es auf einen Radweg in Richtung Bassano del Grappa. Auch hier wieder Idylle pur. Leicht bergab und ich meine auch noch etwas Rückenwind. Richtig Italien mit netten kleinen Dörfern, einigen freundlich grüßenden italienischen Rennradfahrern, die uns ein legeres „Tschauuu“ zuriefen.

Dann ging es durch Bassano. Schöne Stadt und zu der Jahreszeit auch noch ziemlich leer.

Ein Eis, klar, obligatorisch. Im Laden gegenüber hab ich mir dann auch gleich noch ein T-Shirt gekauft. Gar nicht mal so hässlich und für nur 9,99€ im final Sale. Jetzt hatte ich wieder zwei Shirts und das war auch ganz gut, denn so langsam kamen wir wieder in die Zivilisation.

Leicht gestärkt ging es dann weiter in Richtung Hotel. Jetzt mehr über Landstraße. So nach einer guten Stunde waren dann auch die Berge weg. Man sah sie noch hinter uns aber wir waren deutlich draußen. Die Tour neigte sich dem Ende zu, dass war spürbar.

Aber ein Highlight kam noch: Eine angemessene Unterkunft für die Alpenbezwinger.

Unser Hotel. Erst wurden wir angesprochen, wie man uns helfen könne. Wahrscheinlich haben wir nicht so ganz der üblichen Klientel entsprochen. Das Haus war als 4*S klassifiziert. Wir wurden dann aber doch entsprechend höflich empfangen und zu unserem Zimmer gebracht.

Einen Pool hatte die Hütte übrigens auch. Und eine schicke Bedienung mit den Hugos für uns. Der Pool war auch nicht wirklich überfüllt.

Und dann gabs natürlich noch das standesgemäße Abendessen dazu und den finalen Rotwein im Kaminzimmer.

Herzoglich ging es danach in die Nachtruhe.

 

Mittwoch, 28. Juni 2018 (Tag 13).
Das Finale: Von Vedelago nach Lido di Jesolo, 77 km, 1.70 hm.

Kilometer 

Die letzte Etappe war dann eher mäßig. Viel flach, viel Straße. Treviso als Stadt war noch ganz nett. Danach sind wir mehr oder weniger dem Radweg München – Venedig gefolgt.

So ging es dann immer am Fluss entlang. Noch eine Pause auf einem ganz netten Markt.

und dann ging es noch ewig und gezogen wie Kaugummi die letzten Kilometer an der Lagune lang. Dazu noch Gegenwind und die kleinen Orte für eine Mittagspause blieben auch aus oder waren wenig einladend. So sind wir dann weiter bis nach Lido di Jesolo. Flo hatte was von einem eindrucksvollen Moment geschrieben, als sie am Stand angekommen wären und dort ein Bier getrunken hatten. Wir haben den Strand kaum gefunden. Vor lauter Liegestühlen und von einem Strandwächter sind wir dann erst mal vom Fahrrad geholt worden: „Schieben bitte“.

Irgendwann kam dann aber doch die kleine Strandbar. Und hier gabs dann auch das Bier und was zu Essen und die Laune hob sich wieder merklich.

Irgendwie unspektakulär sind wir angekommen. So ein richtig erhebendes Gefühl, dass wir am Ziel sind, wollte sich gar nicht so richtig einstellen. Zum einen voll von den Eindrücken der letzten zwei Wochen, auch etwas platt und froh da zu sein und auch so ein wenig Melancholie, dass die lang geplante, heiß ersehnte und dann fantastisch verlaufende Reise nun zu Ende geht. Wir hatten es geschafft und wir sind angekommen. Ohne Beulen, Blessuren, ohne technische Defekte, Ausfälle. Mit fantastischem Wetter und wunderbaren Eindrücken einer fantastischen Natur. Auch, dass es mit Nick und mir über zwei Wochen so gut geklappt hat ist nicht selbstverständlich. Vielen Dank auch an Ihn an dieser Stelle.

 

Mittwoch, 29. Juni (Tag 14) und Donnerstag, 30. Juni 2018 (Tag 15).
Pause, Packen, Organisatorisches und Heimreise

Für die letzten beiden Tage hatten wir ein cooles Appartement ganz am Ende von Lido die Jesolo im Jachtclub. Recht neu, recht modern. Etwas ab vom Strand und vom Trubel. Wobei wir die letzte Woche vor den Sommerferien hier unten waren. Von daher war es noch überschaubar leer. Wir hatten vermutet, dass es in der Hochsaison wahrscheinlich Blockabfertigung gibt, wenn man ins Wasser will. Über etwa sechs Kilometer ziehen sich am Strand Liegestuhl an Liegestuhl.

Wir haben dann unseren Mietwagen am Flughafen abgeholt. Das ging ganz gut mit dem Bus. Davor hatte ich schon einen Radladen ausgekundschaftet und dort hatte man uns zwei Fahrradkartons versprochen. Per Auto ging es dann in den nächsten Baumarkt. Verpackungsmaterial kaufen, dann wieder zum Radladen, dann noch etwas einkaufen, heim, Essen und dann so langsam die Räder verpacken.

Die Radkisten waren übrigens recht groß. Viel musste man gar nicht auseinandernehmen. Dafür passte noch etwas Gepäck mit in die Kisten. Offiziell ist das nicht erlaubt, kontrolliert hat das aber niemand.  Die Kisten selber passten dann auf zwei Zentimeter genau in den Golf Variant, den wir hatten. Abends waren wir nochmal nett Essen, morgens nochmal am Meer und die restliche Zeit bis zum Abflug haben wir irgendwie vertrödelt.

Am Flughafen wurde es dann nochmal spannend: ob die Räder so einfach mitgenommen werden? Das war noch etwas hin- und her, weil man mit den großen Kisten doch erst zum Check-In-Schalter musste, dann zum Übergepäckschalter. War aber alles kein Problem, zumal unsere Maschine noch knapp zwei Stunden Verspätung hatte.

Der spannendste Moment war nochmal die Gepäckkontrolle, weil der riesige Karton in Schräglage grad mal auf einen Zentimeter durch den Scanner ging. Schwein gehabt, sonst hätten wir alles nochmal auspacken müssen.

Rechts kommt grad das Rad von Nick aus dem Scanner und meins wird schon zum Flieger transportiert.

Mit dem Flieger ging es dann in weniger als anderthalb Stunden zurück nach Stuttgart. Dort direkt in die S-Bahn und ab in die Stadt, wo meine Frau uns dann abgeholt hatte.

Zuhause gabs dann noch ein nettes Abendessen zusammen, angemessen viel Wein und die Erzählungen von unseren Abenteuern und Erlebnissen in ähnlich epischer Länge wie hier in diesem Bericht.

 

 

 

Stuttgart – Venedig / Juni 2018 / Vorbereitungen

Luca will nicht mehr!
Schon nach unserer letzten Frankreichtour 2016 zeichnete sich ab, dass Luca immer weniger Lust hatte zum Radfahren. Mein Radpartner war weg. Entschwunden in Richtung Pubertät und in Abenteuer, die die Kinder eher abseits der Familie mit Freunden erleben.

Ich bin dann 2017 über 7500 km auf dem MTB und Rennrad gefahren. Und immer wieder kam der Gedanke: Einfach weiterfahren, übernachten, in „ferne Länder“.

Ein neuer Projektgedanke: Der Nick!
Vor gut 30 Jahren hatte ich Sport studiert. Mit Nick teile ich seither einige Gemeinsamkeiten. Wir sind bis auf zwei Wochen gleich alt, sind gleich groß, selbe Schuhgröße und privat verbindet uns eine lockere und kontinuierliche Freundschaft. Im Herbst 2017 erzählte ich ihm von der Idee eine Radtour zu machen. So 5 Tage und ob er nicht Lust hätte mitzukommen. Da er sich im Sommer ein Hardtail gekauft hatte, passte das auch ganz gut.

Peter links, Nick rechts

Die Vorgaben waren: Herausforderung ja, verbissene Leistung nein. Etwas Abenteuer. Gutes Essen, tolle Landschaft und ein Ziel. 5-7 Tage, Berge und Natur.
Eher Waldwege und leichte Trails, ein Lift darf auch mal dabei sein. Das ganz im Juni 2018. Erste Ideen waren vom Chiemsee nach Trieste, von Grenoble nach Monaco oder auch von Stuttgart nach Dijon.

Dazu ein paar Vorgaben wie: Du brauchst eine Grundausstattung mit 2xRadhose, 2xTrikot, Regen- und Windschutz, Rucksack und ein paar andere Dinge und vor allem eine vernünftige Grundkondition und Sitzhärte für etwa fünf Stunden im Sattel pro Tag.

Von Stuttgart nach Venedig über die Alpen
Mit zunehmender Planung wurde die Route dann immer noch etwas länger und sollte am Ende in Stuttgart starten und in Lido di Jesolo enden. Das waren über 800 km und ca. 15.000 Höhenmeter. Etwa 2.000 Höhenmeter haben wir mit Lift oder Taxi gemacht. Die Höhenangaben über Strava und auch über Komoot sind aber wie bekannt mit Vorsicht zu behandeln.

The Point of no return
Richtig konkret wurde es, als ich einen Flug von Venedig nach Stuttgart für 29 € gefunden und gebucht hatte. Dazu hatte Nick dann schon begonnen nach meiner Einkaufliste Material zu besorgen und zu trainieren. Unsere ersten Touren starteten bei ziemlicher Kälte im Januar und Februar.

Training auch schon in der kalten Jahreszeit.

Meine Vorgabe war: 2.000 km bis zur Abfahrt. Das hat er auch geschafft. Respekt dafür! Dazu wurde nach und nach sein Schrank mit Radklamotten und Zubehör gefüllt und sein Kontostand „entlastet“.

Streckenplanung, Unterkünfte, Etappen
Im Forum der MTB-News (www.mtb-news.de/forum) bin ich auf eine Tour von „Flo“ gestoßen. Sie entsprach so ziemlich dem, was ich mir vorgestellt hatte.
Hoher Erlebnisanteil, etwas Teer, Forstwege und in den Bergen Trails bis max. S2. Er war mit seiner Truppe in der Nähe von Kufstein gestartet und auch nach Lido di Jesolo gefahren. Seine Unterstützung war super, weil er mir dann die GPX Daten der Tagesetappen wie auch eine super Streckenbeschreibung mit Trails, Anforderungen, Unterkünften etc. zugeschickt hatte. Die Daten hab ich dann nachfolgend auf Komoot transferiert und die Route für uns geplant. Das Routing über Komoot auf der Tour war dann übrigens sehr gut.

Hotels hatte ich über Booking.com ausgesucht, die Hütten direkt angefragt. Booking ist prima, weil ich Unterkünfte auch nach dem Kriterium der kostenlosen Stornierung gesucht hatte. So hätten wir kurzfristig absagen können, falls Krankheit oder Wetter den Start verhindern.

Von Flo weiß ich übrigens bis heute nur den Vornamen. Wir haben einigen Austausch über das Forum gehabt aber seinen ganzen Namen oder Wohnort weiß ich gar nicht. Auf alle Fälle hier ein wirklich herlicher Dank für die tolle Unterstützung!!!

Training, Hindernisse, neues Bike und Laufräder
Wie schon erwähnt, waren wir beim Training recht fleißig. Allerdings kommt zum Thema Grundlagenausdauer auch noch die Technik. Und hier war wahrscheinlich die größte Differenz. Ich fahre seit 30 Jahren MTB und eben auch gerne Trails und hab einige Erfahrung. Nick eher nicht. Also ging es hier auf dei Trails in der Umgebung, denn die waren von der Anforderung mit den Bergen durchaus vergleichbar. Sie liegen gefühlt so im Bereich S0 – S2. In den letzten Jahren sind einige ziemlich coole Segmente mit netten Namen wie „Indiana Jones“ oder „Klabuster“ dazugekommen.

Hier galt es also vor allem für Nick Erfahrung und Sicherheit zu bekommen. Dabei war er durch zwei Dinge im Nachteil: Fehlende Technik und ein 29er Hardtail. Damit ist er die Wege halbwegs runtergekommen, musste aber doch öfter mal absteigen und „Schlüsselstellen“ schieben. Grundsätzlich war das ok aber ich hatte immer wieder mal angeregt, dass er sich vielleicht noch eine absenkbare Sattelstütze besorgt oder vielleicht sogar ein Fully leihen könnte.

Bei einer Tour vier Wochen vor unserem Start hab ich ihm für eine Trailrunde mein Trek Remedy gegeben, damit er mal ein Fully fährt und den Unterschied spürt. Mit 140mm Federweg ging es dann deutlich besser und am Ende ist er recht zügig gefahren und musste auch nicht mehr absteigen.

Dieses Erlebnis hatte dann zur Folge, dass er die nächste Runde (wieder auf dem Hardtail) recht optimistisch gestartet ist.  Gleich im ersten Trail war dann ein Baumstamm auf dem Weg und die Verbindung aus fehlender Federung und mangelnder Technik haben ihn dann ausgehebelt und über den Lenker geworfen. Ein Schrei, ein Bums, Abschürfungen und Prellungen. Nicht richtig dramatisch aber vier Wochen vor dem Start hat das doch Eindruck hinterlassen.

Rippen geprell, Arm aufgeschlagen und die „lustige“ und dicke Beule am Knie war leider schon verbunden. Die hätte bildlich am meisten hergegeben.

Gegen den Schmerz gabs dann aber noch ein „Trostpflaster“. Sein Sohn wollte auch ein MTB und so gab es ein gemeinsames Radprojekt: Nämlich ein super ausgestattetes  29er Votec mit 120mm Federweg im Angebot. Optimal für die Tour und viel besser geeignet als das Hardtail. Damit waren wir quasi komplett und bereit für den Start.

Bis: Ach ja. Ich hab bei meinem Rad so ziemlich alle Verschleisteile vor der Tour getauscht. Kette, Züge, Dämpfer- und Gabelservice, Neue Bremsbeläge, größere Scheiben und den Nobby Nik in 2.35 als Schlauchlosreifen.

Und weil man mit den Schlauchlosreifen mit weniger Druck fahren kann, hab ich noch eine Trailrunde eingelegt. Ca. 1,8 bar hatte ich drauf, als ich nach einem Sprung reichlich Dichtmilch in der Landschaft verteilt habe. Der Reifen ist durchgeschlagen, die Felge hatte eine Delle.

Dann drei Tage vor Abfahrt begann die Odysee. Erst habe ich die Felge mit Holz und Hammer wieder so ausgebeult, dass der Schlauchlosreifen wieder die Luft gehalten hat. Dann wollte ich „noch kurz“ den Seitenschlag korrigieren. Leider waren die Speichennippel geklebt und unterdessen auch so korridiert, dass das Gewinde gerissen ist. Bei dem local Dealer wurde dann schnell eine Speiche getauscht, zu mehr hatten sie keine Zeit.

Also zum nächsten Laden, der reparieren konnte. Der schaute sich die Felge an und fand zwei Längsrisse drin. Könnte halten meinte er, könnte aber auch gut auseinanderfliegen. Wo sollte ich jetzt in zwei Tagen einen neuen Laufradsatz herbekommen? Die local Dealer hatten nichts vorrätig und für eine Bestellung war es zu spät. Fündig bin ich nach einger Recherche beim Bike Lädle in Abtsgmünd (nähe Aalen am „Arsch der Welt“) geworden. Ein paar Hope Naben mit Spank Felgen. Ein Customaufbau der liegengeblieben ist, weil dem Kunden die Farbe nicht gefiel. Regulärer Preis über 600 €. Im Angebot durfte ich sie für 300€ mitnehmen und ich war happy, dass das überhaupt noch geklappt hat. Übrigens ein cooler und sympathischer Laden. Deshalb auch die Visitenkarte unten.

Neuer Laufradsatz, zwei Tage vor der Abfahrt.

Für die Wilden aus dem Südwesten. Ein ganz guter Tipp zum Thema Laufräder.

Damit war alles gut. Und auch der letzte wichtige Tipp von Flo aus dem Forum war sehr hilfreich. Wir wollten eigentlich direkt nach Pfingsten starten. Auf seine Empfehlung haben wir das nochmal zwei Wochen nach hinten geschoben und sind am 15. Juni in Stuttgart gestartet. Das Wetter war die ganze Zeit über super. Wären wir wie ursprünglich geplant Anfang Juni gestartet, wären wir im Regen ersoffen und die Tour hätte einen ganz anderen Charakter bekommen.

 

 

Ausrüstung und Packen für Alpencross – mit Packliste

Packliste Alpencross und „Tour de France “ (light)

Excel-Datei: Packliste Alpencross und „Tour de France “ (light) direkt über diesen Link downloaden!

Packen ist ein Thema! Vor allem für die, die sich auf ihr erstes Projekt vorbereiten. Es gibt dazu diverse Erfahrungsberichte und Listen im Internet. Und die Empfehlungen sind durchaus recht unterschiedlich.

Hilfreich ist, wenn man am Anfang darüber nachdenkt, was man machen will. Geht es eher über Schotter und einfache Trails oder auf steinige, verblockte und technische Abschnitte im Hochgebirge. Unsere erste Tour ging über die Berge, eine Mischung aus Trails, Schotter, Straße. maximale Höhe 2.500m.

Die zweite Tour war eher eine Radtour durch Frankreich, mit 80% Straße und 20% Schotter. Bei beiden Touren waren wir gut ausgerüstet.

Unsere Grundvoraussetzungen waren:
Rucksack statt Fahrradtaschen
Ziel waren weniger als 7 Kilo
Unterkünfte in Hotels, Pensionen und B&B
Eher Cross-Country als Downhill

Für die Planung und Materialbeschaffung sollte man Zeit einplanen. Es ist sicher kein Fehler drei Monate vorher damit anzufangen, denn vor allem beim ersten Projekt braucht man einiges an Ausrüstung. Das fängt beim Rucksack an, geht über die Kleidung zu Werkzeug etc. Bei unserem Alpencross 2015 hatten wir bis auf Radtrikots, Hosen, einen kleinen Rucksack oder Radschuhe kaum passendes Equipment. Wir mussten in Ausrüstung investieren und pro Person hatten wir am Ende etwas über tausend Euro Budget verbraucht. Das fing mit einem vernünftigen Rucksack an, ging über Regenjacke und Regenhose zu Schuhen, neuen Helmen, zu Windjacke, Karten, Verbandszeug u.s.w.

Viele Sachen habe ich zu reduzierten Preisen bei Versendern gekauft oder im Ausverkauf bei Larca oder anderen Sportläden in und um Stuttgart besorgt. Das ist zwar viel Aufwand, auch nicht toll für den Einzelhandel und nicht alle Sachen passen farblich zusammen aber ansonsten hätten wir eher das doppelte Budget bereithalten müssen.

Hier mal grob unsere Aufstellung über das eingekaufte Material

Ausrüstung (bezahlt / regulärer Preis):
Rucksack – 85 € / 139 €
Kartensatz – 28 €
Software, Apps – 40 €
Radbrille – 89 € / 139 €
Satteltasche – 13 €
Erste Hilfe Pack – 12 €
Ersatzschläuche – 24 €
iphone Halterung – 70 €
Akkupack – 25 €
Bremsbeläge – 24 €
Lenker und Vorbau – 60 € / 130 €
Energieriegel – 29 € / 39 €
Reifen – 72 € / 144 €

Klamotten
Radhose kurz trägerlos – 39 € / 79 €
Radhose kurz mit Träger – 40 € / 90 €
MTB Short – 40 / 90 €
Trikot 1 – 40 € / 70 €
Trikot 2 – 19 € / 59 €
Superdünne Windjacke 35 € / 89 €
Regenjacke 100 € / 140 €
Regenhose 50 € / 79 €
Schuhe (hoch) – 139 € / 239 €
Handschuhe – 15 € / 49 €
Beinlinge – 19 € / 49 €
Armlinge – 10 € / 39 €

Dazu noch Kleinkram wie Ersatzbremsbeläge, Kettennieten, kleine Satteltasche etc.

Was hat sich bewährt und was zu viel?
Wir hatten pro Person zwei Ersatzschläuche dabei. Gebraucht hatten wir einen. Bei einer Tour in die Alpen würde ich wieder zwei Paar mitnehmen. Meine Vorstellung, dass es unterwegs viele Radläden gibt, war zumindest auf unseren Routen eine Illusion. Gebraucht haben wir sie aber auch nicht.

Die Dämpferpumpe hatten wir in den Alpen dabei aber nie gebraucht. Bei unserer Frankreichtour haben wie sie weggelassen.

Die Alpencross-Radschuhe (1 mal Shimano, einmal Vaude) waren in den Alpen gut aber nicht zwingend nötig. Im Hochgebirge und bei steinigen und verblockten Strecken sind sie sicher notwendig. Wenn man eher Schotterwege und Trails fährt, geht es auch mit normalen Radschuhen.

In den Alpen sind zwei Trikots und zwei Hosen kein Fehler, vor allem, wenn das Wetter wechselhaft ist und es auch mal regnet. Ohne Sonne und bei niedrigen Temperaturen bekommt man die Sachen nach dem Auswaschen bis zum nächsten Morgen nicht mehr richtig trocken.

In den Alpen hatten wir uns so ausgerüstet, dass wir auch einen Wettersturz überstanden hätten. Regenhose, Faserpelz, Regenjacke, Überschuhe etc. hatten wir dabei und auch gebraucht. Bei unserer Frankreichtour haben wir Armlinge und Beinlinge weggelassen, dito die Regenhose. In Frankreich hätte ich auch die zweite Radhose nicht zwingend gebraucht. Die Sachen waren am nächsten Morgen getrocknet.

Für die Frankreichtour hatte ich auch noch in Reifen investiert. Hier hatte ich leicht laufende Marathon Renn-Reifen von Conti genommen. Mit drei Bar Druck sind die deutlich leichter gelaufen. Die Investition hat sich gelohnt! Im Gebirge wären sie nichts gewesen. Die Seitenwangen sind sehr dünn und die Reifen haben wenig Profil.

Navigation lief bei uns über iphone und Komoot. Karten hatten wir zur Sicherheit mit. Das waren über 300 Gramm. Gebraucht haben wir sie nicht. Einmal hat in Canazei eine Route nicht funktioniert. Wir sind dann über eine Schotterstraße nach unten und durch Zufall in einen guten Trail gekommen. Ab da, wo es wieder Internet gab, konnte ich die Route neu berechnen. Wir sind bei beiden Touren mit der Navigation über Komoot sehr gut hingekommen. Kann sein, dass das bei extremeren Routen nicht funktioniert. Ich habe mit iphone und Komoot gute Erfahrungen gemacht.

Die Dämpferpumpe haben wir bei der zweiten Tour weggelassen, weniger Energieriegel mitgenommen, zweiten Schlauch weggelassen.

Bei der Alpentour hatte ich nur ein normales T-Shirt dabei, keine Badehose und kein Hemd. Das hab ich mir dann auf der Tour nachgekauft bzw. bei der zweiten Tour eingepackt.

Dieses Jahr hatten wir unsere Ausrüstung noch etwas ergänzt. Wir haben uns sehr leichte, lange Outdoorhosen besorgt, dito T-Shirt und zwei leichte Windjacken. Mit einem T-Shirt und einem kurzen Hemd, dazu ein leichter Faserpelz und sehr leichten Schuhen (dünne Sohle mit etwas Stoff drüber ca. 210 Gr./Paar) waren wir leicht ausgestattet. Alle Sachen waren aus Kunstfaser und sehr schnell gewaschen und getrocknet. Damit konnte man auch mal Essen gehen oder sich abends im Ort zeigen. Generell braucht man nach der Tour wenig, denn wenn man jeden Tag 5-8 Stunden unterwegs ist, sind die Ansprüche abends recht begrenzt.

Ach ja, wie in der Liste zu sehen, habe ich alles mit der Küchenwage gewogen. Bis das Ergebnis so war wie hier dargestellt hat es etwas gedauert. Wahrscheinlich fehlen auch ein paar Kleinigkeiten wie z.B. Kreditkarte und Geld oder eine Packung Tempos. Das ist aber zu vernachlässigen. Auch, dass ich an einem heißen Tag die zweite Flasche mit Wasser im Rucksack getragen habe. Das sind dann zwar 700 Gramm mehr aber das ist völlig ok. Grundsätzlich muss es passen und mit 7 Kilo bei der Alpentour und ca. 5 1/2 für Frankreich war das gut zu tragen und keine Qual.