Stuttgart – Venedig – mit Alpencross – Juni 2018

Strecke und Team

Ich wollte einfach in Stuttgart starten. Zweimal bin ich schon auf eine längere Radtour gegangen und jedes Mal sind wir erst mal ein paar hundert Kilometer mit dem Zug gefahren. So wäre es auch dieses Mal gewesen, denn der eigentliche Alpencross hätte in Ramsau begonnen. Da hätten wir aber mit dem Auto oder Zug einen halben Tag hin gebraucht. Also gabs die Idee zum Prolog ab Stuttgart.

So grob unsere Route von Stuttgart über Ulm, Augsburg, München, Ramsau, Pfitscher Joch, Rodenecker Alm, Sterzing, Abtei, Alleghe, Seren del Grappa, Montebelluna, Lido di Jesolo.
Tagesetappen, Kilometer, Höhenmeter, Orte und Unterkunftskosten

Und unser Team, am Anfang noch verstärkt von meiner Frau Alexandra und Freunden, die uns bis Augsburg begleitet haben.

Das erweiterte Team für die ersten beiden Tage mit Warren, Ingrid, Peter und Nick.

Und hier das KERNTEAM

 

Freitag, 15. Juni 2018 (Tag 1)
Der Prolog zum Prolog, 57 km, 650 Hm.

110 Kilometer für die erste Etappe von Stuttgart nach Unterelchingen war meinen Mitfahrern zu viel. Sie wollten am Samstag mit der S-Bahn nach Schorndorf oder Göppingen fahren und ab dort in die Tour einsteigen. So bin ich einen Tag früher nach Göppingen aufgebrochen, um wirklich ab Stuttgart loszufahren. Die kleine Etappe war dann eher mäßig unterhaltsam. Die Strecke war weitgehen langweilig mit viel Straße, viele Autos und nur mäßig schön.
Meine Frau Alexandra ist dann aber noch mit dem Auto und unserem Hund gekommen und wir haben in einem kleinen Gasthaus in Eislingen übernachtet. Das war dann ein netter Abend und noch ein schöner Spaziergang am nächsten Morgen und irgendwie auch schon wie Urlaub.

Einfach aber ganz nett und gemütlich.
Und die mäßig spannenden Tourdaten.

 

Samstag, 16. Juni 2018 (Tag 2).
Prolog der Gruppe: Göppingen –> Unterelchingen, 50 km, 620 Hm

So gegen 11 Uhr kamen die anderen am Gasthaus vorbei und haben mich abgeholt. Über diverse Radwege nach Elchingen ins schöne Landgasthaus Zahn. Das Wetter war prima, wir sind früh ankommen. Also Füße hochlegen, den Tag genießen und gut Essen. 

 

Sonntag, 17. Juni 2018 (Tag 3).
Prolog der Gruppe: Unterelchingen –> Augsburg, 69 km, 680 Hm

Abschied von Alexandra und wir starten Richtung Augsburg. Immer noch „Prolog-Geplänkel“. Super Wetter, viel Teer, Schotter. In Augsburg verabschieden wir uns von Warren und Ingrid. Das Team schmilzt zusammenm wie auch die Teams nach der Vorrunde bei der Fussball WM. Wir essen Pizza. Deutschland ist noch im Turnier, hatte es heute aber schon geschafft, gegen Mexico zu verlieren.

Montag, 18. Juni 2018 (Tag 4).
Prolog letzter Teil: Augsburg –> S-Bahn durch München –> bis zum Berghotel Sutten, 79 km, 860 Hm

Der quasi letzte Tag im Prolog und mehr oder weniger eine normale Fahrradtour. So langsam reichte es auch mit Straße und Zivilisation. Immerhin kommen wir an schönen Gegenden vorbei. Gegen Nachmittag sehen wir auch so langsam die ersten Berge. Es geht vorbei am Tegernsee und über Rottach-Egern und dann endlich der erste richtige Anstieg hoch zum Berghotel Sutten. Passend wirds auch etwas kälter.

 

Dienstag, 19. Juni 2018 (Tag 5).
Berghotel Sutten nach Mayrhofen, 78 km, 1073 Hm

Nachdem wir am Vorabend etwas den Berg hochgekurbelt sind, ging es heute zunächst bergab. Endlich in den Bergen. Etwas wolkig und noch frisch am Morgen aber das fühlte sich doch schon anders an als die Tage zuvor.

Und bald sollte jetzt auch der erste Trail auf uns warten. Hier hätte ich aber eher auf die freundliche Stimme von Komoot hören sollen. Den linken Weg nehmen. Der rechte hier sah aber doch so viel besser aus.

Wenn ich mir das Bild jetzt so recht anschaue, dann sind wir hier über die Grenze nach Österreich. Dass da ein Verbotsschild für Fahrräder drauf ist, sehe ich erst jetzt aber der Grund erschließt sich mir nachträglich durchaus.

Zunächst gut fahrbar und unterhaltsam, wurde es dann doch unwegsamer.

und dann war er nicht mehr fahrbar und wir haben bestimmt eine gute Stunde geschoben und getragen.

Schön ist die Landschaft aber schon geblieben. Hier waren auch die Schuhe mit steifer Sohle nicht so toll und rutschig. Irgendwann sind wir dann quer über einen „Klettersteig“ so 300 Meter quer durchs Gelände und waren dann wieder auf einem normalen Forstweg. Das Wetter war warm, die Landschaft idyllisch und so sind wir dann final bis nach Mayrhofen gerollt. Das Haus Oblasser war mit 60€ inkl. Frühstück gut und günstig aber etwas außerhalb vom Ort.

 

Mittwoch, 20. Juni 2018 (Tag 6).
Von Mayrhofen zum Pfitscher Joch 38 km, 2056 Hm

Dieser Tag sollte uns einige Kraft kosten. Schon Flo hatte in seiner Beschreibung von der vermeintlich kurzen Strecke gewarnt, weil sie sich doch in die Länge zieht. Die Tour war mit etwas über 1.800 Höhenmetern angegeben. Ganz interessant ist auch, dass Strava in seiner Streckenaufzeichnung hier nah an den vorgegebenen Werten dran ist. An anderen Stellen ist das bei Strava mit den Höhenangaben oft nicht nachvollziehbar.

 

Angefangen hat der Tag mit einem üppigen Frühstück im Haus Oblasser. Essen ist halt auch schon ein Highlight bei so einer Tour, zumal man wirklich viel Nahrung in sich reinstecken kann, wenn man den Tag unterwegs ist.

Am Abend vorher hatte Nick angefangen zu husten und die Nase fing an zu laufen. Bei mir wären das keine guten Vorzeichen, denn mich legt es dann meist mit Fieber und völliger Schlappheit um. Er scheint da etwas robuster zu sein. Nach einem guten Frühstück haben wir in Mayrhofen noch diverse Apotheken und Drogerien mit unserem Besuch beglückt.

Dann ging es los. Erst mal ein knackiger Anstieg über eine Wiese und ein steiles Stück hochschieben. Dann auf und parallel der Teerstraße, immer den Berg hoch.

Die Straße geht immer leicht bergauf aber easy zu fahren.
Warm war es auch, also Helm runter. Rasieren könnte ich mich auch mal wieder.

So sind wir das Tal hochgetreten. Kilometer um Kilometer ging es mehr in die Berge rein und auch die Landschaft war wunderbar. Die Autos wurden weniger, die Häuser auch. Links und rechts ging es hoch und wir haben uns gefragt wo wir dann die hohen Berge passieren werden.

 

Was für eine geile Location!

Pause gabs auf einem idyllischen Berggasthof. Superschön. Das erste (alkoholfreie) Weizenbier. Flasche auffüllen, durchschnaufen und weiter geht es den Pass hinauf in Richtung Staumauer und Schlegeisspeicher.

Die Staumauer kommt in Sicht. Das ist von der Höhe her etwas mehr als die Hälfte des Tages. Wir sind beide schon einigermaßen platt und brauchen eine Pause. Der erste Kiosk gehört uns. Fritten, zweites alkoholfreies Bier, Kuchen, Kaffee und ich schlafe wirklich für einige Minuten auf einem der Liegestühle unter dem Sonnenschirm ein.

Weiter geht es nach der Pause am See entlang und dann auf einem Wanderpfad in Richtung Pfitscher Joch.

Zunächst noch recht gut fahrbar, teilweise müssen wir aber schon schieben, weil der Weg doch zu verblockt ist. Haufenweise kommen uns auch Wanderer und Spaziergänger entgegen. Raufwärts geht kaum noch jemand. Und: Die Landschaft wird immer schöner. Es ist wirklich toll hier zu sein!

Kurz vor dem letzten wirklich fiesen Stück kommt nochmal eine bewohnte Almhütte. Wasser auffüllen und ein Foto von einem netten kleinen Mädchen machen, dass mir stolz die junge Katze präsentiert.

Der letzte Anfstieg ist auf einem steilen Schotterstück – und der zieht sich elend lang und steil den Berg hoch. Nick schiebt, er ist auch durch die Erkältung etwas geschwächt. Ich trete im kleinen Gang hoch. Das Pfitscher Joch Haus kommt langsam in Sicht. Wir sind jetzt auf 2.250 Metern. Es ist deutlich kälter geworden und die ersten noch verbliebenen Schneefelder tauchen auf. Ich bin dann doch eine Viertelstunde vor Nick oben und bestelle uns – und diesmal ein vollwertiges Belohnungsbier.

Wir sitzen dann noch einige Zeit draußen und sind ziemlich beeindruckt von der Landschaft, vom „ausgesetzt“ sein. Ein 360° Panorama nur mit Bergen und nach und nach geht auch noch phantastisch die Sonne unter und zeichnet ganz eindrucksvolle Lichtspiele in den Himmel.

 

Donnerstag, 21. Juni 2018 (Tag 7).
Vom Pfitscher Joch nach Rodeneck, 73 km, 1.113 Hm

Jetzt bin ich genau 7 Tage unterwegs. Halbzeit und irgendwie kann ich gar nicht glauben, dass die Zeit so vergeht. Monatelang hat man sich auf die Tour vorbereitet, geplant, überlegt, gezittert ob die Gesundheit und das Wetter halten und nun sind wir mittendrin. Bisher ist alles super verlaufen. Vor allem mit dem Wetter haben wir viel Glück. Die heutige Etappe ist doppelt so lang wie gestern und hat nur die Hälfte der Höhe. Der Tag sollte recht beschwingt und locker verlaufen, weil wir den ersten Teil der Strecke einfach in einem Affentempo bergab rollen.

Eins meiner größten Probleme auf der Tour ist, dass ich immer so früh aufwache. Das ist mal um halb sechs, mal um halb sieben aber ich kann einfach nicht länger schlafen. Zuhause ist das, vor allem im Sommer auch so aber da stehe ich halt auf. Hier gibt es meist erst später Frühstück. Auf dem Pfitscher Joch bin ich morgens etwas „wandern“ gegangen und wollte mir den angegebenen S2 Trail ab dem Haus mal anschauen. Das war auch gut so.

Der obere Teil vom Trail sah nicht wirklich gut fahrbar aus, der nachfolgende Teil lag noch unter Schnee. Wenig einladend.

Nick hab ich dann geweckt, es war ja schließlich schon halb 8. Seine Erkältung wurde nicht unbedingt besser aber auch nicht schlimmer. Vielleicht haben ja die Medikamente auch etwas geholfen. Das Bild sieht eher nach Krankenhaus als nach Alpencross aus.

Und los gings nach dem Frühstück. Arschkalt also Jacke an. Wetter gut und über tausend Höhenmeter nach unten. Leider nur über Forstwege, keine Trails drin. Die fing ich so langsam an etwas zu vermissen.

In Sterzing mussten wir nochmal Pause machen, weil das Lenkkopflager von Nick immer locker war. Das Votec hatte keine eingeschlagene Kralle, sondern ein anderes System und das wollte nicht richtig. Für 10€ hatte uns ein kleiner Radladen den einzigen kleinen technischen Defekt, den wir auf der gesamten Tour hatten behoben.

Und irgendwann kam mir die Stecke bekannt vor. Der Fluss, die alte Befestigungsanlage und dann Mühlbach. Richtig, hier war ich mit Luca bei unserem ersten Alpencross und wir haben am Kirchplatz übernachtet.
Für uns hat es zu einem (alkoholfreien) Bier gereicht.

Ab Mühlbach begann der Anstieg in Richtung Rodenecker Alm. Auf einem gut fahrbaren Forstweg den Berg hoch, dann etwas Straße. An der Stelle sind wir dann etwas von Florians Tour abgewichen, weil die beiden Hütten auf der Rodenecker Alm ausgebucht waren. Leider gab es zu den Hütten keine weiteren Alternativen auf dem Berg und wir hätten wieder deutlich ins Tal abfahren müssen. Also haben wir die Etappe an dem Tag um etwa 15 km und 800 Höhenmeter gekürzt und sind im familiengeführten Hotel Schönblick in Rodeneck untergekommen.

Das Wellnesshotel hatte 4*. Die 170€ für die Nacht hörten sich zunächst viel an aber das Haus war super: Ein großes Schwimmbad, Sauna, Dampfbad, Ruheecken und vor allem noch inkl. Nachmittagsessen mit Salat, Suppe und Früchten, Sektempfang am Abend, danach ein 4 Gänge Menü und am nächsten Morgen ein super Frühstück. So gerechnet war das eigentlich günstig, zumal die Kosten ja durch zwei geteilt wurden.

Erster Gang
Hauptgang

Übrigens hatte an dem Tag passend zu unserem Wetterglück kurz nach unserer Ankunft ein heftiges Gewitter getobt.

 

Freitag, 22. Juni 2018 (Tag 8).
Von Rodeneck nach Stern, 59 km, 2.099 Hm

Heute hätten wir mit viel Höhe am Anfang beginnen müssen, weil wir von der Etappe vom Vortag ungefähr 15 km rausgenommen hatten. Entsprechend hätten wir erst mal auf die Höhe der Tour kommen müssen und das wären 900 Höhenmeter gewesen. Nick war eh angeschlagen und ich auch nicht so scharf drauf. Für 30 € hat uns dann ein Taxi mit Hänger abgeholt und zum Eingang der Rodenecker Alm gebracht.

Ab hier ging es weiter auf Schotterstrecken und weiter den Berg hoch. Die Landschaft wurde dabei wieder offener, schöner und die Wiesen waren teilweise so voll mit Blumen, dass man das Gras kaum noch gesehen hat.

So langsam kamen dann auch ein paar Trails dazu, erst über Wiesen, dann durch ein nettes Wäldchen. Dahinter wäre die Hütte zur Rodenecker Alm gekommen. Sah toll aus dort aber leider war sie voll und im Schönblick hatten wir uns auch wohl gefühlt.

Auf den kleinen Wegen kamen wir nur mäßig schnell voran und die Fahrt wurde immer wieder von Gattern für das Vieh unterbrochen. Und dann lagen sie irgendwann vor uns. Die Dolomiten, denen wir uns jetzt näherten.

Langsam bekamen wir Hunger und passend kam aus dem Nirgendwo eine Hütte.  Sehr klein, dass wir erst mal nachgefragt haben, ob wir hier etwas zu essen bekommen. Aber sicher meinte die Oma, die dort im Sommer auf dem Berg lebt. Es gab Suppe und Käsklöße mit Brot und alles handgemacht und auf dem Holzofenherd mit Liebe und Langsamkeit zubereitet.

Kurz nach dem Mittagessen habe ich mich dann von Nick getrennt. Wir hatten erst gut die Hälfte der Strecke und vor allem der zu fahrenden Höhe und über die Trails ging es doch relativ langsam voran. Ich bin der Tour von Flo gefolgt und über einen netten Trail so die ersten hundert Höhenmeter in Tal geschwebt. Super. So könnte es weitergehen.

Dann gings wieder hoch und oben bin ich alleine am Pass angekommen. Dabei ist mir eingefallen wie intelligent wir uns geteilt hatten. Ich hatte die Pumpe, Nick die Ersatzschläuche. Hier hätte uns ein Plattfuß wirklich Nerven und Zeit gekostet. Ist aber nix passiert.

Jetzt links abbiegen und dann nur noch ahhhhhh und ohhhhh sagen. Phantastische Landschaften!!!

 

Dann einmal um den Klops hier rum, neue schicke Aussichten bestaunen und dann über einen Trail lange nach oben schieben. Der Anstieg war „scheißsteil“ auch, wenn das hier auf dem Bild kaum rüberkommt.

Oben dann die neue Aussicht, wo es hingeht. Irgendwo dahinten liegen dann Stern und Alta Badia oder wie die Dörfer dort alle heißen. Vor allem verwirrend, weil die 3-5 Ortsnamen haben, je nach Sprache.

Jetzt sollte eine lange Abfahrt kommen und nachdem ich mich schiebend den Trail hochgequält hatte, freue ich mich auf die Trails nach unten. Die kamen aber nicht. Der ganze Weg ins Tal ging über geschotterte Forststraßen dann sollte noch ein letzter langer Aufstieg kommen.

Schön aber ohne Trails ging es den ganzen Berg hinab.

Zu guter Letzt habe ich kurz vor dem Ziel in Stern noch den kleinen Hauslift im Ort erwischt (Lifthöhenmeter hab ich in der Tagesangabe korrigiert).

Die Gegend kannte ich ja schon vom letzten Mal. Oben bin ich einem kleinen Wanderweg gefolgt, der technisch recht anspruchsvoll war und dann auch steil über Geröll nach unten direkt zum Hotel geführt hat. Das hat mich für die fehlenden Trails des Tages etwas entschädigt.

Von den landschaftlichen Eindrücken her war das einer der schönsten und beeindruckendsten Tage. Hinter jeder Ecke und nach jedem Teilstück ein neuer fantastischer Ausblick, bestes Wetter. Vögel zwitschern, Bienen summen. Das war schon ein Glücksgefühl hier unterwegs zu sein!

 

Samstag, 23. Juni 2018 (Tag 9).
PAUSENTAG

Ruhe, Essen, rumgammeln, Sauna. Das war für den Pausentag geplant. Das Essen im Hotel Christallo war super. Abends 5 Gänge, das Frühstück üppig. Vor allem war die Pauschale für das Abendessen mit 20€ pro Person mehr als fair. Das einzige war, dass das Hotel etwas weit außerhalb vom Ort lag.

Unsere Fahrräder haben wir übrigens kaum im Skiraum unterbringen können. Das war knallvoll mit Rennrädern. Schicke Ausstattungen, viel Carbon, viel klingende italienische Namen von diversen Edelschmieden. Dazu die ganze Hütte voll mit Radlern. An dem Wochenende war die Sella Ronda – Sprich die Pässe rund um die Sellagruppe waren für den Autoverkehr gesperrt. Und da sind hunderte von Rennrädern an uns vorbeigefahren.

Wir hatten dann einen kleinen Spaziergang gemacht. Hoch zum Berggasthaus Gardenacia mit dem vielleicht besten Kaiserscharrn überhaupt.

Und am Nachmittag ging es dann mit großen Anstrengungen weiter. Es folgten die Sauna und das Abendessen. Der Nachtisch war sogar mit Valrhona Schokolade falls das jemandem was sagt. 

 

Sonntag, 24. Juni 2018 (Tag 10).
Von Stern nach Alleghe, ca. 65 km, ca 1.700 Hm hoch, ca. 3.000 Hm bergab

Trails, Trails. Ich will Trails! Heute sollte ich sie bekommen. Los ging es erst mal locker ein paar Kilometer das Tal runter und dann per Lift hoch zum Hopsitz.

Gut, dass mein Gehirn festgewachsen ist! Schon vor zwei Tagen hatte ich es geschafft, eine meiner beiden Unterhosen liegen zu lassen. Bei 2 Stück gesamt schon mal eine Leistung. Jetzt war auch die Trinkflasche weg. Die hatte ich wohl unten am Lift liegen lassen. Danach hab ich gemerkt, dass mein zweites Trikot und mein einziges Hemd auch fehlten. Die waren noch im Schrank im Hotel Christallo. Der Rucksack wurde also immer leichter. Viel mehr als fünf Kilo hatte der nicht mehr und überhaupt hat uns die Beschränkung beim Packen gut geholfen. Man braucht einfach nicht viel auf der Tour.

Mit leichtem Rucksack ging es dann in den von Flo versprochenen ersten Traumtrail runter nach St. Kassian. Der war in der Tat lang und einfach zu fahren. Landschaftlich war er so schön, dass man dachte, man fährt von einem Postkartenmotiv zum nächsten.

Am Pausentag hatte ich auch noch einen kleinen Bikepark am Piz de Surega mit Flowtrail ausfindig gemacht. In St. Kassian musste man kurz nach links abbiegen und mit dem Sessellift hochfahren. An Bikeparks gibt es sicher sensationelleres aber der Trail selber war lang und flowig mit vielen Steilkurven. Er hatte zwar keine Sprünge drin, hat dafür aber auch Nick Spaß gemacht .

Danach kam wieder ein langer Aufstieg zum Falzaregopass-Pass. Wir sind hauptsächlich die Straße hochgekurbelt und ich hätte gerne das schwere Fully gegen mein Rennrad getauscht.

Am Pass oben pfiff ein saukalter Wind und in der Kneipe oben treffen sich so ziemlich alle, die über den Pass fahren. Wanderer, Rennradfahrer, Motorradfahrer. Das Essen war nicht ganz billig aber lecker und die Pause nötig.

… und das schon obligatorische alkoholfreie Weizenbier!

Flo hatte in seiner Beschreibung geschrieben, dass jetzt noch schöne S1 Trails folgen und man dann 450 Höhenmeter mit dem Lift abkürzen könnte. Die letzten 200 Höhenmeter wären dann steil und hier hätte er noch niemanden durchfahren sehen.

Mit einer guten Enduro würde man schon hochkommen. Mit dem Rad nimmer. Sieht wieder mal nicht so steil aus, war es aber. Oben war dann auch Ende mit Wiesen und Bäumen. Ich meine das waren etwas über 2.500 Metern Höhe. Nur noch Steine und Geröll.

Bei der Planung hatte ich bei Komoot noch einen Trail gefunden und den mit eingebaut. Leider sind wir erst mal falsch gefahren, sacksteil auf grobem Schotter nach unten. Nick hat geschoben aber die Blöße wollte ich mir natürlich nicht geben. Etwa zwei Meter weiter habe ich „auf der Fresse gelegen“. Finger blutig, Knie blutig, Knöchel dick. Mehr war nicht. Umdrehen, Berg hochschieben und in den kleinen steinigen Trail rein. Schwer war er nicht aber stürzen sollte man auch nicht, vor allem nicht nach links unten. Nur noch grobes Steinwerk und recht rutschig.

Nach dem „Steingarten“ ging es weiter über Wiesen und schier unendliche Trails immer weiter den Berg runter.

und weiter runter bis man es kaum noch glauben konnte.

und als wir dachten, jetzt sind wir unten, haben wir gesehen, wo wir hinmüssen. Ganz links, der See. Da liegt Alleghe, unser Ziel für heute und dahin geht es nochmal kräftig runter. Sollte uns ja recht sein. Besser als hoch.

In Alleghe war auch die Stelle, wo Italien sehr viel mehr spürbar wurde. Das Sporthotel hatte den Charme der 80er Jahre. Deutsch wurde nicht mehr gesprochen. Die ganze Architektur hatte sich geändert. Und, auf Nachfrage haben wir sogar noch ein Zimmer mit Blick auf den See bekommen. Dazu wartete Regen mit seinem Einsatz, bis wir unser Bier fertig getrunken hatten.

Die einzige Blessur auf der Tour und die hat nicht weiter gestört.

Das war ein langer und ziemlich geiler Tag! Bei Bedarf nach Trails war erst einmal gestillt!

 

Montag, 25. Juni 2018 (Tag 11).
Von Alleghe nach Seren del Grappa, 80 km, 1.700 hm.

Heute war die Strecke wieder etwas länger. Interessant mal wieder die unterschiedlichen Höhenwerte. Flo hatte 1070 Höhenmeter angegeben, Strava hat am Ende 1.700 Höhenmeter notiert. Letztendlich ist es für unsere Leistung auch nicht wichtig. Wir waren ja nicht auf Rekordjagt. Für die Planung ist das aber nicht ganz unrelevant.

Das meiste heute war Teerstraße und trotzdem ein sehr schöner Tag. Übrigens der erste Tag an dem es auf der Tour einmal leicht getröpfelt hatte. Mehr aber auch nicht.

Auf der ganzen Strecke waren unglaublich wenig Autos unterwegs. Der Wind hat uns durch das Tal ganz schön entgegengepfiffen. Gut, dass es stetig leicht bergab ging.

Schöne Bergdörfer gabs auch zu sehen. Man hatte aber schon langsam das Gefühl, dass die Berge nicht mehr so hoch waren. Aus dem Hauptkamm waren wir raus.

Seren del Grappa war ein kleines Kaff. Unsere Unterkunft war originell und erst mal schwer zu finden. Man konnte aber jeden im Ort fragen, so klein war das. Das Zimmer war auch klein, die Räder haben wir aber doch mit drin untergebracht, weil sie sonst draußen im Hof gestanden hätten und das wollten wir dann doch nicht. 

So richtig viel Unterhaltung gabs im Ort nicht und bis zum Abendessen hatten wir dann doch noch zwei oder drei Stunden Zeit. Der „Stadtrundgang“ war nach vier Minuten und nach der Umrundung der Kirche auch beendet. Immerhin gab es zwei Kneipen und die wurden lustig von einigen skurrilen Gestalten abwechselnd frequentiert. So etwa wie beim Pingpong. Wir haben uns dann den Einheimischen angeschlossen und schon mal ein paar Drinks für die gute Laune genehmigt. Die waren auch so günstig, dass man ja kaum wiederstehen konnte. Der Longdrink für zwei Euro, das Glas Hauswein meine ich für 1,50 € im Kopf zu haben und der Espresso für 80 Cent.

Abends haben wir dann in der wirklich sehr originellen Pizzeria gegessen. Sehr schräge Location, ziemlich groß und unsere Bestellungen haben mangels Sprachkenntnis für reichlich Verwirrung gesorgt. War aber lustig und das Essen auch gut.

 

Dienstag, 26. Juni 2018 (Tag 12).
Von Seren del Grappa nach Vedelago, 80 km, 1.700 hm.

Wir routen die Tour um. Nick hatte es vor der langen Strecke und den vielen Höhenmetern auf den Monte Grappa gegraust. Und so richtig scharf war ich auch nicht mehr drauf. Wir hatten beide das Gefühl, dass wir fast aus den Bergen draußen waren. Es war unser vorletzter Tag und den wollten wir dann etwas lockerer angehen, quasi vor dem Ziel schon etwas entspannt ausrollen. Dazu kam, dass ich mal in Bassano del Grappa war und mir das ganz gut gefallen hat.

Bei Booking.com bin ich dann auch auf ein ganz cooles Hotel gestoßen. Das war die einzige Nacht, die ich noch nicht vorgebucht hatte. Gut so! Ihr seht gleich warum.

Die ersten Kilometer gingen ziemlich scheußlich an einer großen Straße lang, durch ein paar Tunnel. Dann kamen wir wieder auf kleine unbefahrene Straßen, an netten Dörfern und Seen vorbei.

Dann ging es auf einen Radweg in Richtung Bassano del Grappa. Auch hier wieder Idylle pur. Leicht bergab und ich meine auch noch etwas Rückenwind. Richtig Italien mit netten kleinen Dörfern, einigen freundlich grüßenden italienischen Rennradfahrern, die uns ein legeres „Tschauuu“ zuriefen.

Dann ging es durch Bassano. Schöne Stadt und zu der Jahreszeit auch noch ziemlich leer.

Ein Eis, klar, obligatorisch. Im Laden gegenüber hab ich mir dann auch gleich noch ein T-Shirt gekauft. Gar nicht mal so hässlich und für nur 9,99€ im final Sale. Jetzt hatte ich wieder zwei Shirts und das war auch ganz gut, denn so langsam kamen wir wieder in die Zivilisation.

Leicht gestärkt ging es dann weiter in Richtung Hotel. Jetzt mehr über Landstraße. So nach einer guten Stunde waren dann auch die Berge weg. Man sah sie noch hinter uns aber wir waren deutlich draußen. Die Tour neigte sich dem Ende zu, dass war spürbar.

Aber ein Highlight kam noch: Eine angemessene Unterkunft für die Alpenbezwinger.

Unser Hotel. Erst wurden wir angesprochen, wie man uns helfen könne. Wahrscheinlich haben wir nicht so ganz der üblichen Klientel entsprochen. Das Haus war als 4*S klassifiziert. Wir wurden dann aber doch entsprechend höflich empfangen und zu unserem Zimmer gebracht.

Einen Pool hatte die Hütte übrigens auch. Und eine schicke Bedienung mit den Hugos für uns. Der Pool war auch nicht wirklich überfüllt.

Und dann gabs natürlich noch das standesgemäße Abendessen dazu und den finalen Rotwein im Kaminzimmer.

Herzoglich ging es danach in die Nachtruhe.

 

Mittwoch, 28. Juni 2018 (Tag 13).
Das Finale: Von Vedelago nach Lido di Jesolo, 77 km, 1.70 hm.

Kilometer 

Die letzte Etappe war dann eher mäßig. Viel flach, viel Straße. Treviso als Stadt war noch ganz nett. Danach sind wir mehr oder weniger dem Radweg München – Venedig gefolgt.

So ging es dann immer am Fluss entlang. Noch eine Pause auf einem ganz netten Markt.

und dann ging es noch ewig und gezogen wie Kaugummi die letzten Kilometer an der Lagune lang. Dazu noch Gegenwind und die kleinen Orte für eine Mittagspause blieben auch aus oder waren wenig einladend. So sind wir dann weiter bis nach Lido di Jesolo. Flo hatte was von einem eindrucksvollen Moment geschrieben, als sie am Stand angekommen wären und dort ein Bier getrunken hatten. Wir haben den Strand kaum gefunden. Vor lauter Liegestühlen und von einem Strandwächter sind wir dann erst mal vom Fahrrad geholt worden: „Schieben bitte“.

Irgendwann kam dann aber doch die kleine Strandbar. Und hier gabs dann auch das Bier und was zu Essen und die Laune hob sich wieder merklich.

Irgendwie unspektakulär sind wir angekommen. So ein richtig erhebendes Gefühl, dass wir am Ziel sind, wollte sich gar nicht so richtig einstellen. Zum einen voll von den Eindrücken der letzten zwei Wochen, auch etwas platt und froh da zu sein und auch so ein wenig Melancholie, dass die lang geplante, heiß ersehnte und dann fantastisch verlaufende Reise nun zu Ende geht. Wir hatten es geschafft und wir sind angekommen. Ohne Beulen, Blessuren, ohne technische Defekte, Ausfälle. Mit fantastischem Wetter und wunderbaren Eindrücken einer fantastischen Natur. Auch, dass es mit Nick und mir über zwei Wochen so gut geklappt hat ist nicht selbstverständlich. Vielen Dank auch an Ihn an dieser Stelle.

 

Mittwoch, 29. Juni (Tag 14) und Donnerstag, 30. Juni 2018 (Tag 15).
Pause, Packen, Organisatorisches und Heimreise

Für die letzten beiden Tage hatten wir ein cooles Appartement ganz am Ende von Lido die Jesolo im Jachtclub. Recht neu, recht modern. Etwas ab vom Strand und vom Trubel. Wobei wir die letzte Woche vor den Sommerferien hier unten waren. Von daher war es noch überschaubar leer. Wir hatten vermutet, dass es in der Hochsaison wahrscheinlich Blockabfertigung gibt, wenn man ins Wasser will. Über etwa sechs Kilometer ziehen sich am Strand Liegestuhl an Liegestuhl.

Wir haben dann unseren Mietwagen am Flughafen abgeholt. Das ging ganz gut mit dem Bus. Davor hatte ich schon einen Radladen ausgekundschaftet und dort hatte man uns zwei Fahrradkartons versprochen. Per Auto ging es dann in den nächsten Baumarkt. Verpackungsmaterial kaufen, dann wieder zum Radladen, dann noch etwas einkaufen, heim, Essen und dann so langsam die Räder verpacken.

Die Radkisten waren übrigens recht groß. Viel musste man gar nicht auseinandernehmen. Dafür passte noch etwas Gepäck mit in die Kisten. Offiziell ist das nicht erlaubt, kontrolliert hat das aber niemand.  Die Kisten selber passten dann auf zwei Zentimeter genau in den Golf Variant, den wir hatten. Abends waren wir nochmal nett Essen, morgens nochmal am Meer und die restliche Zeit bis zum Abflug haben wir irgendwie vertrödelt.

Am Flughafen wurde es dann nochmal spannend: ob die Räder so einfach mitgenommen werden? Das war noch etwas hin- und her, weil man mit den großen Kisten doch erst zum Check-In-Schalter musste, dann zum Übergepäckschalter. War aber alles kein Problem, zumal unsere Maschine noch knapp zwei Stunden Verspätung hatte.

Der spannendste Moment war nochmal die Gepäckkontrolle, weil der riesige Karton in Schräglage grad mal auf einen Zentimeter durch den Scanner ging. Schwein gehabt, sonst hätten wir alles nochmal auspacken müssen.

Rechts kommt grad das Rad von Nick aus dem Scanner und meins wird schon zum Flieger transportiert.

Mit dem Flieger ging es dann in weniger als anderthalb Stunden zurück nach Stuttgart. Dort direkt in die S-Bahn und ab in die Stadt, wo meine Frau uns dann abgeholt hatte.

Zuhause gabs dann noch ein nettes Abendessen zusammen, angemessen viel Wein und die Erzählungen von unseren Abenteuern und Erlebnissen in ähnlich epischer Länge wie hier in diesem Bericht.

 

 

 

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