Stuttgart – Venedig / Juni 2018 / Vorbereitungen

Luca will nicht mehr!
Schon nach unserer letzten Frankreichtour 2016 zeichnete sich ab, dass Luca immer weniger Lust hatte zum Radfahren. Mein Radpartner war weg. Entschwunden in Richtung Pubertät und in Abenteuer, die die Kinder eher abseits der Familie mit Freunden erleben.

Ich bin dann 2017 über 7500 km auf dem MTB und Rennrad gefahren. Und immer wieder kam der Gedanke: Einfach weiterfahren, übernachten, in „ferne Länder“.

Ein neuer Projektgedanke: Der Nick!
Vor gut 30 Jahren hatte ich Sport studiert. Mit Nick teile ich seither einige Gemeinsamkeiten. Wir sind bis auf zwei Wochen gleich alt, sind gleich groß, selbe Schuhgröße und privat verbindet uns eine lockere und kontinuierliche Freundschaft. Im Herbst 2017 erzählte ich ihm von der Idee eine Radtour zu machen. So 5 Tage und ob er nicht Lust hätte mitzukommen. Da er sich im Sommer ein Hardtail gekauft hatte, passte das auch ganz gut.

Peter links, Nick rechts

Die Vorgaben waren: Herausforderung ja, verbissene Leistung nein. Etwas Abenteuer. Gutes Essen, tolle Landschaft und ein Ziel. 5-7 Tage, Berge und Natur.
Eher Waldwege und leichte Trails, ein Lift darf auch mal dabei sein. Das ganz im Juni 2018. Erste Ideen waren vom Chiemsee nach Trieste, von Grenoble nach Monaco oder auch von Stuttgart nach Dijon.

Dazu ein paar Vorgaben wie: Du brauchst eine Grundausstattung mit 2xRadhose, 2xTrikot, Regen- und Windschutz, Rucksack und ein paar andere Dinge und vor allem eine vernünftige Grundkondition und Sitzhärte für etwa fünf Stunden im Sattel pro Tag.

Von Stuttgart nach Venedig über die Alpen
Mit zunehmender Planung wurde die Route dann immer noch etwas länger und sollte am Ende in Stuttgart starten und in Lido di Jesolo enden. Das waren über 800 km und ca. 15.000 Höhenmeter. Etwa 2.000 Höhenmeter haben wir mit Lift oder Taxi gemacht. Die Höhenangaben über Strava und auch über Komoot sind aber wie bekannt mit Vorsicht zu behandeln.

The Point of no return
Richtig konkret wurde es, als ich einen Flug von Venedig nach Stuttgart für 29 € gefunden und gebucht hatte. Dazu hatte Nick dann schon begonnen nach meiner Einkaufliste Material zu besorgen und zu trainieren. Unsere ersten Touren starteten bei ziemlicher Kälte im Januar und Februar.

Training auch schon in der kalten Jahreszeit.

Meine Vorgabe war: 2.000 km bis zur Abfahrt. Das hat er auch geschafft. Respekt dafür! Dazu wurde nach und nach sein Schrank mit Radklamotten und Zubehör gefüllt und sein Kontostand „entlastet“.

Streckenplanung, Unterkünfte, Etappen
Im Forum der MTB-News (www.mtb-news.de/forum) bin ich auf eine Tour von „Flo“ gestoßen. Sie entsprach so ziemlich dem, was ich mir vorgestellt hatte.
Hoher Erlebnisanteil, etwas Teer, Forstwege und in den Bergen Trails bis max. S2. Er war mit seiner Truppe in der Nähe von Kufstein gestartet und auch nach Lido di Jesolo gefahren. Seine Unterstützung war super, weil er mir dann die GPX Daten der Tagesetappen wie auch eine super Streckenbeschreibung mit Trails, Anforderungen, Unterkünften etc. zugeschickt hatte. Die Daten hab ich dann nachfolgend auf Komoot transferiert und die Route für uns geplant. Das Routing über Komoot auf der Tour war dann übrigens sehr gut.

Hotels hatte ich über Booking.com ausgesucht, die Hütten direkt angefragt. Booking ist prima, weil ich Unterkünfte auch nach dem Kriterium der kostenlosen Stornierung gesucht hatte. So hätten wir kurzfristig absagen können, falls Krankheit oder Wetter den Start verhindern.

Von Flo weiß ich übrigens bis heute nur den Vornamen. Wir haben einigen Austausch über das Forum gehabt aber seinen ganzen Namen oder Wohnort weiß ich gar nicht. Auf alle Fälle hier ein wirklich herlicher Dank für die tolle Unterstützung!!!

Training, Hindernisse, neues Bike und Laufräder
Wie schon erwähnt, waren wir beim Training recht fleißig. Allerdings kommt zum Thema Grundlagenausdauer auch noch die Technik. Und hier war wahrscheinlich die größte Differenz. Ich fahre seit 30 Jahren MTB und eben auch gerne Trails und hab einige Erfahrung. Nick eher nicht. Also ging es hier auf dei Trails in der Umgebung, denn die waren von der Anforderung mit den Bergen durchaus vergleichbar. Sie liegen gefühlt so im Bereich S0 – S2. In den letzten Jahren sind einige ziemlich coole Segmente mit netten Namen wie „Indiana Jones“ oder „Klabuster“ dazugekommen.

Hier galt es also vor allem für Nick Erfahrung und Sicherheit zu bekommen. Dabei war er durch zwei Dinge im Nachteil: Fehlende Technik und ein 29er Hardtail. Damit ist er die Wege halbwegs runtergekommen, musste aber doch öfter mal absteigen und „Schlüsselstellen“ schieben. Grundsätzlich war das ok aber ich hatte immer wieder mal angeregt, dass er sich vielleicht noch eine absenkbare Sattelstütze besorgt oder vielleicht sogar ein Fully leihen könnte.

Bei einer Tour vier Wochen vor unserem Start hab ich ihm für eine Trailrunde mein Trek Remedy gegeben, damit er mal ein Fully fährt und den Unterschied spürt. Mit 140mm Federweg ging es dann deutlich besser und am Ende ist er recht zügig gefahren und musste auch nicht mehr absteigen.

Dieses Erlebnis hatte dann zur Folge, dass er die nächste Runde (wieder auf dem Hardtail) recht optimistisch gestartet ist.  Gleich im ersten Trail war dann ein Baumstamm auf dem Weg und die Verbindung aus fehlender Federung und mangelnder Technik haben ihn dann ausgehebelt und über den Lenker geworfen. Ein Schrei, ein Bums, Abschürfungen und Prellungen. Nicht richtig dramatisch aber vier Wochen vor dem Start hat das doch Eindruck hinterlassen.

Rippen geprell, Arm aufgeschlagen und die „lustige“ und dicke Beule am Knie war leider schon verbunden. Die hätte bildlich am meisten hergegeben.

Gegen den Schmerz gabs dann aber noch ein „Trostpflaster“. Sein Sohn wollte auch ein MTB und so gab es ein gemeinsames Radprojekt: Nämlich ein super ausgestattetes  29er Votec mit 120mm Federweg im Angebot. Optimal für die Tour und viel besser geeignet als das Hardtail. Damit waren wir quasi komplett und bereit für den Start.

Bis: Ach ja. Ich hab bei meinem Rad so ziemlich alle Verschleisteile vor der Tour getauscht. Kette, Züge, Dämpfer- und Gabelservice, Neue Bremsbeläge, größere Scheiben und den Nobby Nik in 2.35 als Schlauchlosreifen.

Und weil man mit den Schlauchlosreifen mit weniger Druck fahren kann, hab ich noch eine Trailrunde eingelegt. Ca. 1,8 bar hatte ich drauf, als ich nach einem Sprung reichlich Dichtmilch in der Landschaft verteilt habe. Der Reifen ist durchgeschlagen, die Felge hatte eine Delle.

Dann drei Tage vor Abfahrt begann die Odysee. Erst habe ich die Felge mit Holz und Hammer wieder so ausgebeult, dass der Schlauchlosreifen wieder die Luft gehalten hat. Dann wollte ich „noch kurz“ den Seitenschlag korrigieren. Leider waren die Speichennippel geklebt und unterdessen auch so korridiert, dass das Gewinde gerissen ist. Bei dem local Dealer wurde dann schnell eine Speiche getauscht, zu mehr hatten sie keine Zeit.

Also zum nächsten Laden, der reparieren konnte. Der schaute sich die Felge an und fand zwei Längsrisse drin. Könnte halten meinte er, könnte aber auch gut auseinanderfliegen. Wo sollte ich jetzt in zwei Tagen einen neuen Laufradsatz herbekommen? Die local Dealer hatten nichts vorrätig und für eine Bestellung war es zu spät. Fündig bin ich nach einger Recherche beim Bike Lädle in Abtsgmünd (nähe Aalen am „Arsch der Welt“) geworden. Ein paar Hope Naben mit Spank Felgen. Ein Customaufbau der liegengeblieben ist, weil dem Kunden die Farbe nicht gefiel. Regulärer Preis über 600 €. Im Angebot durfte ich sie für 300€ mitnehmen und ich war happy, dass das überhaupt noch geklappt hat. Übrigens ein cooler und sympathischer Laden. Deshalb auch die Visitenkarte unten.

Neuer Laufradsatz, zwei Tage vor der Abfahrt.
Für die Wilden aus dem Südwesten. Ein ganz guter Tipp zum Thema Laufräder.

Damit war alles gut. Und auch der letzte wichtige Tipp von Flo aus dem Forum war sehr hilfreich. Wir wollten eigentlich direkt nach Pfingsten starten. Auf seine Empfehlung haben wir das nochmal zwei Wochen nach hinten geschoben und sind am 15. Juni in Stuttgart gestartet. Das Wetter war die ganze Zeit über super. Wären wir wie ursprünglich geplant Anfang Juni gestartet, wären wir im Regen ersoffen und die Tour hätte einen ganz anderen Charakter bekommen.

 

 

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